Politischer Aschermittwoch (hier bei der CDU): Wahlkampf oder nicht? Foto: dpa

Beim Wörtchen Wahlkampf reagiert Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) zurzeit allergisch. Er sei schließlich auf fünf Jahre gewählt, nicht nur auf vier, sagt er dann. Doch seine eigenen Parteifreunde geraten nun in der Verdacht, dass sie einen Frühstart hinlegen.

Stuttgart - Die Christdemokraten wissen noch nicht so recht, wie sie mit diesem Fastenappell umgehen sollen. Wahlkampf erst 2016, das sei ja ganz in seinem Sinne, antwortet Wolf. Aber das könne ja nicht heißen, dass man Kretschmann nun gar nicht mehr kritisieren dürfe. Gleichzeitig beäugt die Opposition misstrauisch die Szene, ob denn die Konkurrenz tatsächlich enthaltsam lebt – und hat sie prompt beim Sündigen ertappt. Oder doch nicht?

„Am Donnerstagabend im Rittergarten haben die Grünen im Landkreis Tuttlingen den Wahlkampf für die Landtagswahl 2016 eröffnet“, war jetzt in der Lokalpresse zu lesen – ausgerechnet in Wolfs Heimatwahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen. Die Ministerin im Staatsministerium, Silke Krebs, sowie der Grünen-Landesvorsitzende Oliver Hildenbrand haben den dortigen Kreisverband besucht und offenbar nicht nur über die eigenen Vorzüge, sondern auch über die Mängel der Konkurrenz geredet.

„Ich halte Guido Wolf nicht für den stärksten Gegenkandidaten“, wird Ministerin Krebs zitiert. Und dass sie von dessen staatsmännischen Leistungen kaum beeindruckt sei.

Ist das etwa kein Wahlkampf? „Die Grünen widersprechen mit dem, was sie tun, den Sonntagsreden ihres Ministerpräsidenten“, konterte am Montag prompt CDU-Generalsekretärin Katrin Schütz, als ihr die Sache zu Ohren kam. Sie wolle ja nicht den moralischen Zeigefinger heben, aber die Grünen mögen doch, bitte schön, den ihren auch wieder senken.

Deren Landeschef Oliver Hildenbrand ist sich indes keinerlei Schuld bewusst. „Keine Spur von Wahlkampf“ sei die Veranstaltung gewesen, sagt er, räumt allerdings ein, dass der Eindruck durch den Zeitungsbericht habe aufkommen können. Ministerin Krebs habe mit ihrer Wolf-Äußerung aber nur auf die Frage aus dem Publikum geantwortet, wie sich der CDU-Spitzenkandidat denn so mache. Ansonsten aber sei die Veranstaltung eine von Dutzenden mit dem Titel „Grün regiert“, die seit längerem überall im Land stattfänden. Alles ganz harmlos also. Es gehe nur um die Sache, man habe in Tuttlingen schließlich auch die neue Flüchtlingsunterkunft besucht. Und ja, der Ministerpräsident habe völlig recht, wenn er vorschlage, jetzt noch keinen Wahlkampf zu betreiben, meint Hildenbrand..

Doch bei welcher verbalen Eskalationsstufe beginnt der? Und wann? Und waren die jüngsten Parteitage von Grünen und CDU ebenfalls noch kein Wahlkampf?

Vielleicht finden ja die Matadore Kretsch­mann und Wolf darauf eine Antwort, wenn sie sich am kommenden Donnerstag erstmals zu einem vertraulichen Gespräch treffen. Bisher wurde allerdings nur bekannt, worum es dabei nicht gehen soll: Es werde keine Abmachung geben, verkündete Wolf schon mal, dass man auf Kritik am politischen Gegner verzichtet.

Wahlkampf? Iwo. Bisher ist es nur ein kleiner Eiertanz darum.

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