Manuela Auer führt ihr familienfreundliches Unternehmen nach ihren eigenen Wertvorstellungen. Foto: Simon Granville

Manuela Auer hat auf Großbaustellen gearbeitet und sich dann als Mutter mit einem Familien-Entlastungs-Werk selbstständig gemacht. Ihre Kunden sind bei Weitem nicht nur Senioren.

Sie war Leiterin der Bauabteilung eines mittelständischen Unternehmens in Böblingen. Im vergangenen Jahr im Sommer hat sich Manuela Auer selbstständig gemacht und gründete das Familien-Entlastungs-Werk (FEW) in Rutesheim. Anstatt Bauprojekte zu steuern, hilft sie nun pflegebedürftigen Menschen im Alltag. Der berufliche Weg der Rutesheimerin ist eher ungewöhnlich. „Aber für mich genau richtig in diesem Moment, weil ich damit Zeit für meine eigene Familie habe und zum anderen ein Unternehmen nach meinen Wertvorstellungen führen kann“, sagt die 35-jährige Mutter einer fünfjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohnes.

 

Dass sie kürzlich von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Böblingen, den Senioren der Wirtschaft e.V. und der Stadt Rutesheim als Gründerin des Monats Februar 2026 ausgezeichnet wurde, macht die Geschäftsführerin richtig stolz. „Das bestärkt mich natürlich in meiner Arbeit, zumal ich gemerkt habe, wie sinnbringend diese ist.“ In der kurzen Zeit seit der Gründung ihres Unternehmens ist ihr Team von vier auf neun Mitarbeitende gewachsen. „Mein Konzept baut auf Vertrauen, Verlässlichkeit und feste Ansprechpartner“, sagt Auer. Ihre Angestellten arbeiten auf Basis eines Minijobs oder haben einen Teilzeitvertrag. „Ihre Arbeitszeiten teilen sie sich selbst ein, Termine planen sie direkt mit ihrem festen Kundenstamm, damit ist eine große Flexibilität auf beiden Seiten gewährleistet“, sagt Manuela Auer, die auch mit der Sozialstation zusammenarbeitet.

„Man muss nicht alt sein, um Unterstützung zu brauchen“, sagt Manuela Auer

Mit ihrem Familien-Entlastungs-Werk möchte die Unternehmerin eine wichtige Lücke im Alltag pflegebedürftiger Menschen schließen. „Wir bieten haushaltsnahe Dienstleistungen wie Reinigungs- und Putzarbeiten, Wäscheversorgung oder Wocheneinkäufe an und ergänzen damit die pflegerische Versorgung“, sagt Auer. Dieses Angebot solle den Betroffenen helfen, ihren Alltag weiterhin möglichst selbstständig zu gestalten. „Wir steigen ein, wenn die Kunden vielleicht noch keine medizinische Hilfe benötigen“, sagt die Unternehmerin.

In den Räumen in der Kirchstraße 2 empfängt Manuela Auer ihre Kunden. Foto: Simon Granville

Sofern bei den Kunden ein Pflegegrad vorliege, würden die Leistungen im Rahmen der geltenden Höchstgrenze von der Pflegekasse übernommen. So könnten ab dem Pflegegrad 1 schon zweimal im Monat jeweils eineinhalb Stunden Hilfe-Leistungen dieser Art in Anspruch genommen werden. Manuela Auer betont: „Man muss nicht alt sein, um Unterstützung zu brauchen.“ Ihre jüngste Kundin sei zwei Jahre alt und habe Leukämie. „Da sind zwei Stunden pro Woche Entlastung für die Familie viel Wert.“

Der berufliche Richtungswechsel kommt bei Manuela Auer nicht von ungefähr. Ihre Eltern Ingrid und Winfried Albrecht sind seit vielen Jahren in der Pflegebranche tätig, bieten in Rutesheim mit ihrem Unternehmen „Zufrieden Zuhaus“ eine 24-Stunden-Betreuung und häusliche Pflege an. „Da habe ich immer wieder mitgearbeitet und auch die Urlaubsvertretung gemacht.“ Sie selbst habe sich allerdings schon früh eher für Mathematik und Physik interessiert, träumte davon, auf einer Großbaustelle zu arbeiten. Sie studierte Bauingenieurswesen, setzte noch den „Master of Business Administration“ (MBA), der sich an Berufstätige mit Führungspotenzial richtet, obendrauf. Während ihres Studiums hatte sie in Hamburg ein sechsmonatiges Praktikum in der Projektsteuerung absolviert und erhielt dabei Einblicke in die Netzanbindung von Offshore-Windparks, die vor den Küsten im Meer entstehen.

Von der Großbaustelle in Böblingen zur eigenen Firma in Rutesheim

In Karlsruhe war sie dann drei Jahre lang Bauherrenvertretung, bevor sie in Böblingen die Bauleitung in dem mittelständischen Unternehmen übernahm. „Das hat mir großen Spaß gemacht, doch die Arbeit auf Großbaustellen ist nicht familienfreundlich, weil man viel unterwegs ist“. Mit ihrem Mann wünschte sie sich Kinder. Also stellte sie ihren ursprünglichen Beruf erst einmal hintenan und gründete ihr eigenes Unternehmen. Sie profitiert nun von ihren Fähigkeiten, komplexe Projekte zu steuern, Teams zu führen oder Prozesse effizient zu gestalten.

Mit ihren Eltern teilt sie sich in der Rutesheimer Kirchstraße 2 zwei kleine Büroräume, wo sie in aller Ruhe Kunden zum Gespräch empfangen kann. „Doch die meiste Zeit sind wir unterwegs“, sagt Manuela Auer. Sie hatte den Plan, mit ihrem Unternehmen langsam zu wachsen. Dass es gleich so gut angelaufen ist, hatte sie sich nicht träumen lassen. „Der Bedarf an häuslicher Unterstützung ist groß, zudem ist es von Vorteil, dass ich Rutesheimerin bin.“ Nun sucht sie weitere Mitarbeitende, die sich diese unterstützende Aufgabe gut vorstellen können. Bei Bewerbungsgesprächen schaut sie vor allem, ob die interessierten Personen menschlich ins Team passen. „Bei uns sind die Kunden keine Nummer. Als Familienunternehmen kennen wir sie und nehmen uns Zeit für ihre individuellen Bedürfnisse.“

Das Familien-Entlastungs-Werk

Das Unternehmen
Das FEW ist ein junges Familienunternehmen aus Rutesheim. Gegründet von Manuela Auer gemeinsam mit ihren Eltern. Es steht pflegebedürftigen Menschen im Alltag mit haushaltsnahen Dienstleistungen zur Seite.

Bewerbungen
Die Geschäftsführerin Manuela Auer sucht neue Mitarbeitende. Interessenten haben die Möglichkeit, eine Nachricht an die E-Mail-Adresse info@few-auer.de zu senden.