Ute und Siegfried Steiger sind Ehrenbürger von Winnenden. Foto: Gottfried Stoppel

Notrufsäulen, eine einheitliche Notrufnummer oder die Verbreitung von Defibrillatoren: Ute und Siegfried Steiger haben die Geschichte des deutschen Rettungswesens mitgeschrieben. Für ihr Lebenswerk haben sie nun die Ehrenbürgerrechte der Stadt Winnenden verliehen bekommen.

Winnenden - Eigentlich wollten Ute und Siegfried Steiger am Mittwochvormittag nur ins Rathaus kommen, um sich von Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zur eisernen Hochzeit gratulieren zu lassen. Erst zwei Stunden vor der im Geheimen vorbereiteten Feier hatte ihnen Sohn Pierre-Enric verraten, dass es bei dem Termin nicht nur um ihren 65. Hochzeitstag gehen soll, sondern sie für ihr Lebenswerk auch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Winnenden verliehen bekommen: für den Aufbau und die Arbeit ihrer Björn-Steiger-Stiftung, die Verdienste um die Notfallhilfe in Deutschland, aber auch ihr Wirken in vielen anderen Vereinen und Organisationen.

„Wir haben immer alles zu zweit gemacht“

„Wir sind ganz erstaunt. Ich hatte nicht mit so vielen Menschen gerechnet“, sagte Ute Steiger angesichts des vollen großen Sitzungssaals. Der Hochzeitstag war nicht nur als Vorwand ein gut gewähltes Datum für diese selten vergebene Auszeichnung: „Wir haben immer alles zu zweit gemacht. Im Architekturbüro und im Rettungswesen. Ich war oft mehr in der Öffentlichkeit, das hat meine Frau nicht so gerne gemacht. Aber die Arbeit hat sie geleistet. Mein Dank gehört dir“, sagte Siegfried Steiger in Richtung seiner Frau.

In guten wie in schlechten Zeiten hätten sie sich vor 65 Jahren vor dem Traualtar versprochen, „und dass Sie in Ihrem Leben nicht nur gute Zeiten hatten, ist heute über die Grenzen Winnendens hinaus, in Deutschland und sogar weltweit bekannt“, sagte Hartmut Holzwarth in seiner Rede. Fast 50 Jahre ist es her, dass der damals neunjährige Sohn Björn in Folge eines Verkehrsunfalls starb.

Die Geschichte der Notfallhilfe mitgeschrieben

„Ihr seid nicht müde geworden, herauszufinden, warum der Rettungswagen so lange auf sich warten ließ“, betonte Karl-Heinrich Lebherz in seinem Grußwort. Dieses sprach der frühere Oberbürgermeister als Ehrenbürger – und Freund der Familie. „Zwei Monate nach Björns Tod habt ihr die Björn-Steiger-Stiftung gegründet. Ihr seid euren Weg konsequent weitergegangen, und der Erfolg gab euch recht“, sagte Lebherz. Durch die Initiative des Ehepaars Steiger gebe es in Deutschland ein funktionierendes Rettungssystem, eine einheitliche Notrufnummer sowie Notrufsäulen am Straßenrand, ließ Holzwarth diese Erfolge Revue passieren. Neuere Projekte der Stiftung seien unter anderem das Baby-Notarztwagen-System Felix oder eine Initiative zu Verbreitung von Defibrillatoren. „Wir sind sehr stolz, dass die Björn-Steiger-Stiftung Winnenden ihre Heimat nennen kann“, sagte der Oberbürgermeister, der dem 88-jährigen Siegfried und der 84-jährigen Ute Steiger nun möglichst viel persönliche Gesundheit wünschte.

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