Gründe zur Hoffnung Sechs Mutmacher in der Misere für den VfB Stuttgart

Von Gerhard Pfisterer 

Krise beim VfB Stuttgart: Der Verein für Bewegungsspiele steht in der Fußball-Bundesliga am Ende der Tabelle, die Lage ist vor dem Auswärtsspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg ernst. Doch es gibt Gründe zur Hoffnung.

Stuttgart - Nach drei krachenden Niederlagen seit dem Amtsantritt des neuen Trainers Markus Weinzierl steht der VfB Stuttgart vor einem Knackpunktspiel. Am Samstag (15.30 Uhr) gastiert der Tabellen-17. der Fußball-Bundesliga beim Aufsteiger 1. FC Nürnberg. Es gibt durchaus ein paar Punkte, die optimistisch stimmen, dass dem VfB die Kehrtwende gelingt.

1. Die Expertise des Trainers

Markus Weinzierl hat schon zweimal nach schlechten Starts in der Bundesliga die Kurve bekommen. Zu Beginn seiner Zeit beim FC Augsburg stand er in der Saison 2012/13 nach der Hinrunde mit nur einem Sieg (3:1 gegen Werder Bremen am siebten Spieltag) mit neun Punkten da – und schaffte am Ende mit 33 Zählern dennoch den Klassenverbleib. In seinem Jahr beim FC Schalke 04 verlor Weinzierl in der Saison 2016/17 die ersten fünf Partien – danach ließ er mit den Gelsenkirchenern fünf Siege sowie zwei Unentschieden folgen und landete auf Rang zehn. Er weiß also, wie man in einer negativen Phase die Ruhe bewahrt und ein Team in die Spur bringt. Nach den drei Niederlagen zum Einstieg beim VfB gegen Clubs aus der vorderen Tabellenhälfte bietet sich für Weinzierl nun beim direkten Konkurrenten 1. FC Nürnberg die Chance, die Wende einzuleiten.

2. Die Erinnerungen an Nürnberg

In der Vergangenheit hat es für den VfB in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg zumeist gut ausgesehen. 30 Siegen stehen in der direkten Bilanz 18 Niederlagen gegenüber, hinzu kommen 16 Unentschieden. Letztmals trafen die beiden Vereine aber nicht in der ersten, sondern in der zweiten Liga aufeinander. Auf dem Weg zum direkten Wiederaufstieg drehten die Stuttgarter Ende April 2017 am 31. Spieltag in Nürnberg einen 0:2-Halbzeitrückstand. Sie gewannen dank der Tore von Simon Terodde (47. Minute/Foulelfmeter), Daniel Ginczek (50.) und Florian Klein (90.+1) noch mit 3:2. Die 15 000 mitgereisten Fans feierten entsprechend ausgelassen.

3. Die Treue der Fans

Es gibt mittlerweile sogar T-Shirts mit der Aufschrift „Schwieriges Umfeld“. Es ist ein ironischer Umgang damit, dass ein solches dem VfB immer nachgesagt wird. Dabei sind die Fans gar nicht schwierig – im Gegenteil: Die Stuttgarter verfügen über ein extrem leidensfähiges Publikum, das die Mannschaft bedingungslos unterstützt. Selbst in der zweiten Liga blieben die Anhänger treu und füllten das Stadion. Die Fans in der Kurve mögen sich zwar beim jüngsten 0:3 gegen Eintracht Frankfurt in der zweiten Spielhälfte weggedreht haben, sie sind allerdings nicht nachtragend. Sie werden das Team weiter lautstark unterstützen – trotz allem Verdruss über die aktuelle Situation. Das Auswärtskontingent des VfB von rund 5000 Karten für die Begegnung in Nürnberg ist längst vergriffen. Mindestens 5000 weitere Stuttgarter Anhänger werden im Max-Morlock-Stadion erwartet. „Wir brauchen die Fans und sind unglaublich stolz darauf, dass sie uns so unterstützen. Es liegt nun an der Mannschaft, sie nicht zu enttäuschen“, sagt der VfB-Sportvorstand Michael Reschke.

4. Die Schwäche der Konkurrenz

Es ist früh in der Saison, 24 Partien stehen noch aus. Es sind also noch 72 Punkte zu holen, und es dürften in dieser Spielzeit 35 Zähler zum Klassenverbleib reichen. Der VfB ist in Schlagdistanz – und es gibt Konkurrenten, die sich zum Überholen anbieten. Die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg sind keine Überflieger, Hannover 96 hat Probleme. Keiner dieser Clubs hat Spieler vom Schlage eines Mario Gomez im Kader. 166 Tore in 307 Bundesligaspielen hat er auf dem Konto. Der Ex-Nationalstürmer (drei Saisontore) hat diese Saison zwar noch nicht seine gewohnte Klasse gezeigt. Mit jeder Minute, in der er nicht trifft, steigt zugleich die Chance, dass er wieder trifft. Gleiches gilt für seinen neuen Sturmpartner Nicolas Gonzalez, dessen emsige Bemühungen schon bald mit dem ersten Pflichtspieltreffer für den VfB belohnt werden könnten.

5. Die Alternativen im Kader

Die Abwehr hat zuletzt kräftig gewackelt. In Marc Oliver Kempf hat Markus Weinzierl einen versierten Innenverteidiger in der Hinterhand, den er nun zur Stabilisation einbauen kann. Der 23-jährige Neuzugang vom SC Freiburg wartet noch auf seine erste Bundesligaminute im VfB-Trikot. Er ist unverbraucht, kann in der Krise nach überwundener Verletzung einen frischen Impuls geben. Gleiches gilt für die Verletzten Anastasios Donis und Daniel Didavi, sobald sie zurückkehren. Nun sollte man zwei Spieler, die in dieser Bundesligasaison noch wenig in Erscheinung getreten sind, zwar nicht gleich zu Heilsbringern hochstilisieren. Doch Donis (fehlt in Nürnberg noch) wird mit seiner Geschwindigkeit in einem Kader mit überschaubarer Schnelligkeitsqualität ebenso sehr vermisst wie Didavi (steht vor der Rückkehr), der immer für einen Treffer oder eine Torvorlage gut ist. Am einzigen Saisonsieg Ende September gegen Werder Bremen (2:1) hatten die beiden entscheidenden Anteil – nicht zuletzt dank ihrer Koproduktion zum Führungstreffer von Donis.

6. Das Geld für Verstärkungen

Der VfB hat die finanziellen Mittel, um in der Winterpause reagieren zu können. Zumal sich mit der sportlichen Misere der Abgang von Benjamin Pavard im nächsten Sommer immer mehr abzeichnet. Die Ausstiegsklausel des Weltmeisters in Höhe von 35 Millionen Euro wird ja nur dann unwirksam, wenn die Stuttgarter die Champions League erreichen sollten. Das ist mittlerweile in etwa so realistisch, wie dass sich Pudding an die Wand nageln lässt. Der Präsident Wolfgang Dietrich und der Sportvorstand Michael Reschke haben bereits angekündigt, die Mannschaft in der Winterpause verstärken zu wollen. Welche Spieler, die dem VfB weiterhelfen, sich dann finden lassen, ist freilich eine andere Frage. Ein Kandidat, der gehandelt wird, ist Anthony Modeste (30). Der Stürmer hält sich zurzeit bei der zweiten Mannschaft seines Ex-Vereins 1. FC Köln fit – nach seiner Kündigung beim chinesischen Club Tianjin Quanjin. Von den Chinesen fordert er noch 30 Millionen Euro an ausstehenden Gehältern, der Fall liegt beim Fifa-Schiedsgericht. Sollte zeitnah eine Einigung erzielt werden, wäre Modeste verfügbar.

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