Es ist zwar kein Ernstfall, aber auch kein Spiel: 150 Beteiligte von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei aus dem Kreis Esslingen haben in Wernau an einer Großübung teilgenommen. Das Szenario: ein Ammoniak-Austritt auf der Eisbahn.
Die Besucherinnen und Besucher der Eisdisco amüsieren sich bestens im spiegelglatten Innenraum des Werner Eisstadions, als die Durchsage ertönt: „Bitte verlassen Sie die Eisfläche!“ Ein Leck in der Ammoniakkühlanlage führt dazu, dass sich Gas in der Halle ausbreitet. In der Menge bricht Panik aus, es kommt zu Stürzen. So lautet am vergangenen Freitagabend das Szenario für eine Großübung der Rettungskräfte.
Mehr als 150 Menschen, darunter Feuerwehrleute, Rettungssanitäter sowie Polizisten nehmen mit über 30 Fahrzeugen an dem fingierten Einsatz teil. „Solche Übungen sind wichtig, um das Zusammenspiel und die Kommunikation der Einsatzkräfte zu proben“, sagt Andreas Rudlof, der stellvertretende Esslinger Kreisbrandmeister. Die Großübungen seien ein großer Aufwand, jedoch gebe es Situationen mit mehreren beteiligten Revieren auch in der Realität. Für die Feuerwehrleute seien Übungen wie diese zudem ein wichtiger Motivationsanreiz. „Man muss immer sehen, dass die Leute das im Ehrenamt neben Beruf und Familie machen“, sagt Rudlof. Die Großübungen seien auch eine Art Anerkennung für die stetigen Aus- und Weiterbildungen der Beteiligten.
Lange Vorbereitung auf Großübung
Das Unglücksszenario im Wernauer Eisstadion wurde eigens für diesen Abend erdacht. „Das ist nichts, was man mal so in 14 Tagen auf die Beine stellt“, sagt Rudlof. Auch deshalb sei die Übung trotz der angespannten Hochwasserlage in der Vorwoche nicht verschoben worden. Für die Reviere, die bereits während des Hochwassers im Einsatz gewesen seien, sei die Übung schon eine Herausforderung, so Rudlof.
Gefahrgutzug der Feuerwehr Esslingen
Um an das Eisstadion und die darin befindlichen Menschen zu gelangen, fahren die Fahrzeuge geordnet auf den Vorplatz. Die Aufstellung sei wichtig, da jeder Gruppe eine Aufgabe zugeteilt werde, erklärt Rudlof. Die Ausrüstung wird entladen, einige der Feuerwehrleute rüsten sich mit Atemgeräten aus. „Jeder muss wissen, was er macht“, sagt Rainer Märsch von der Feuerwehr Esslingen. Hektik führe nur dazu, dass es nachher länger dauere. Zunächst gelte es, die Menschen im Eisstadion zu retten und an einem Sammelplatz zu versorgen. Es gibt am Freitagabend auch „Verletzte“, die mit Tragen an die Sammelstelle gebracht werden müssen. Daneben fallen für die Feuerwehr weitere Aufgaben an. Die Halle muss vom stark riechenden Ammoniak befreit werden. Hierzu nutzen die Einsatzkräfte einen Großlüfter.
Auch das Leck in der Kühlanlage muss abgedichtet werden. Da es sich bei Ammoniak um ein Gefahrgut handelt, ist der Gefahrgutzug der Feuerwehr Esslingen ausgerückt. Er ist der einzige seiner Art im gesamten Landkreis. „Die Ausbildung ist sehr aufwendig, zudem ist es kostenintensiv“, sagt Rudlof. Es sei sinnvoll, die Mittel zu konzentrieren. Der Aufbau des Equipments, darunter eine Dekontaminationsstelle, ist zeitaufwendig. „Auch hier gilt: Sicherheit geht vor. Es bringt nichts, wenn sich die Einsatzkräfte selbst in Gefahr bringen“, erklärt Rudlof.
Die Chemieschutzanzüge des Gefahrgutzugs fallen sofort auf. „Der Einsatz darin ist begrenzt auf 20 Minuten“, erläutert Märsch. Da sich die Anzüge bei schwerer körperlicher Arbeit schnell aufheizen, sei eine längere Dauer nicht zuzumuten. Nach einem echten Einsatz könnten die Anzüge aufgrund der Kontamination nicht mehr wiederverwendet werden. „Es ist ein riesiger Materialeinsatz“, so Märsch.
Bürgerschaft kann zusehen
Nach etwa eineinhalb Stunden hat sich die Situation auf dem Vorplatz beruhigt. Die letzten „Verletzten“ werden in Rettungswagen gebracht. Von außerhalb der Absperrung verfolgen einige Schaulustige das Spektakel. Bei einem echten Einsatz würde die Polizei, die durch Beamte aus Kirchheim und Nürtingen vertreten ist, weiträumiger absperren. Bei einer Übung wolle man aber auch der Bürgerschaft die Möglichkeit geben zuzusehen, sagt Rudlof.
„Im Großen und Ganzen ist die Übung sehr erfolgreich verlaufen“, zieht er sein Fazit. Die Übungsziele seien erreicht worden und vor allem die Kommunikation habe gut funktioniert. Man habe aber auch Punkte festgestellt, an denen noch gearbeitet werden müsse. „Wir machen die Übungen nicht, um es perfekt zu machen, sondern um daraus zu lernen“, sagt Rudlof.
Einsatzleitwagen regelt Funkverkehr
Feuerwehrreviere
Bei der Großübung nahmen Feuerwehrleute aus Wernau, Wendlingen, Köngen, Oberboihingen, Unterensingen und Esslingen teil. Außerdem waren Mitglieder der Werksfeuerwehr des Wernauer Bosch-Werks bei der Übung dabei.
Medizinische Versorgung
Die „Verletzten“ wurden durch den DRK-Rettungsdienst Esslingen-Nürtingen, den Malteser-Rettungsdienst und den Wernauer Ortsverein des DRK versorgt.
Einsatzleitung
Aufgrund der vielen Fahrzeuge wurde der „Einsatzleitwagen 2“ des Landkreises Esslingen hinzugezogen. In ihm wird unter anderem der Funkverkehr geregelt, das Einsatztagebuch geführt und ein Lageplan erstellt.