Der Rathauschef von Marbach (Kreis Ludwigsburg) spricht über Verkehrsprojekte, die Bebauung des Krankenhausareals, ein neues Hallenbad, die Finanznot – und ein neues Wärmenetz.
Die Pläne für eine Stadtbahn bei Ludwigsburg drohen krachend zu scheitern. Was das für die ebenfalls geplante Schienenstrecke von Marbach nach Heilbronn bedeutet, erklärt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost im Interview. Er betont zudem, dass der Bau eines neuen Hallenbads trotz der Finanzkrise nicht vom Tisch ist, es aber große Konkurrenz im Kampf um die Fördermittel gibt. Und auf die Zukunft des Krankenhausareals geht er auch ein.
Herr Trost, das abgelaufene Jahr war geprägt von einer Finanzkrise, wie sie viele Kommunen lange nicht erlebt haben. Wie wollen Sie den Haushalt wieder in ruhigere Gewässer führen?
Wir müssen darauf hoffen, dass die Wirtschaft wieder anspringt. Dann geht es auch den Kommunen besser. Wir stehen am Scheideweg unseres Wohlstands. Ohne eine neue Agenda 2010 werden wir ihn verlieren. Soziale Standards müssen deutlich reduziert werden. Sonst ist unser Gesamtgefüge nicht mehr finanzierbar.
„Alles, was nicht absolut erforderlich ist, müssen wir auf das minimale Maß zurückführen.“
Jan Trost, zur Sparpolitik der Stadt
Und die Stadt selbst kann gar nicht gegensteuern?
Wir müssen sparen, auch bei Dingen, die unsere Lebensqualität ausmachen, wie bei der Kultur, der Bücherei, dem Tourismus oder den Städtepartnerschaften. Ein erstes Sparpaket haben wir bereits beschlossen, ein zweites wird noch vor der Einbringung des Haushaltes 2026 kommen. Alles, was nicht absolut erforderlich ist, müssen wir auf das minimale Maß zurückführen. Zudem haben wir die Grundsteuer in der letzten Sitzung ab 2026 erhöht.
Bleibt so noch Spielraum für Investitionen?
Nicht mehr viel. Wir lassen die Grundschule generalsanieren und hoffen weiter, ein neues Hallenbad bauen zu können. Dazu brauchen wir aber hohe Fördermittel von Bund und Land.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Zuschüsse bewilligt werden? Die Konkurrenz dürfte groß sein. Auch Steinheim will für die Sanierung des Wellariums eine Förderung aus dem Bundestopf für kommunale Sportstätten.
Nicht nur Steinheim. Auch der Mundelsheimer Kollege ist optimistisch in Hinblick auf die Sanierung der Käsberghalle. In Sachsenheim hofft man auf Zuschüsse fürs Freibad. Wir fischen alle im selben Topf, und der ist nicht sehr üppig gefüllt. Wenn ein Projekt aus dem Landkreis zum Zuge kommt, wäre das ein Riesenerfolg.
Falls Marbach den Zuschlag erhält und die Förderung steht: Wann könnte das neue Bad dann stehen?
Der Spatenstich wäre Ende 2027 oder Anfang 2028 realistisch. Wir würden unter anderem noch Baurecht benötigen. Wobei klar ist, dass wir eine Lösung brauchen, die auch im Unterhalt günstig ist. Das Gebäude muss energieeffizient und kompakt gebaut sein, um die Folgekosten gering zu halten.
Gebaut wird nach Jahren des Stillstands bald wahrscheinlich auch auf dem Krankenhaus-Areal. Was soll dort entstehen?
Das müssen wir zusammen mit dem Landkreis und den Kliniken als Eigentümern des Geländes festlegen. Der Landkreis hat seine Vorstellungen, wir müssen unser Zielbild definieren und dann alles zusammenführen. Klar ist, dass das Gelände veräußert werden soll. Von hoher Bedeutung ist für uns, dass das Therapiezentrum TheraVent als wichtiger Arbeitgeber und Ankermieter des bestehenden Ärztehauses eine Entwicklungsperspektive haben muss.
„Die Frage wird am Ende sein, ob alle Anrainer mit im Boot bleiben.“
Jan Trost zu den Chancen einer Bahnstrecke von Marbach nach Heilbronn
Und was schwebt den Kliniken vor?
Öffentlich kommuniziert wurde seitens der Kliniken ein Zielbild mit Medizin um TheraVent und Wohnbau.
In einigen Jahren könnte in der Nähe die Bottwartalbahn vorbeiführen. Glauben Sie, dass das drohende Aus für die geplante Stadtbahn in Ludwigsburg ein Vorteil für die angedachte Strecke von Marbach nach Heilbronn ist, weil sich der Landkreis nun voll darauf konzentrieren kann?
Zunächst finde ich, dass das Projekt schon jetzt vom Landkreis nicht stiefmütterlich behandelt wird. Die Planungen werden vorangetrieben. Das Problem sehe ich eher darin, dass solche großen Vorhaben immer schwerer durchzusetzen sind und eine viel zu lange Vorlaufzeit haben. Wir müssen in Deutschland viel schneller werden. Die Frage wird am Ende sein, ob alle Anrainer mit im Boot bleiben.
Haben Sie Zweifel?
Bei uns wird es aus der Bevölkerung keine Widerstände geben. Denn unsere Bevölkerung könnte dann auch den boomenden Wirtschaftsraum Heilbronn mit dem Zug erreichen. Die Trasse würde vom Bahnhof und dem Ortsrand aus nach Murr verlaufen, betrifft also zusätzlich keine Anwohner in Marbach. Das könnte in Nachbargemeinden anders ausschauen. Ich hoffe aber, dass die Bottwartalbahn kommt.
Das würde vielleicht auch den Straßenverkehr entlasten, nicht zuletzt zwischen Murr und Marbach und an der Oehlerkreuzung. Ein Bereich, in dem durch Bauarbeiten demnächst sogar eine Verschärfung droht.
Das fürchte ich auch. Am meisten drückt der Schuh bei der Brücke über die Murr am Abzweig nach Benningen, wo kurzfristig zwei neue Brücken die bestehende ersetzen sollen. Wie das umgesetzt werden soll, wird spannend. Dort sind täglich bis zu 25.000 Fahrzeuge unterwegs. Das Regierungspräsidium will ein Konzept entwickeln, wie die Brücken gebaut werden können und trotzdem der Verkehr noch fließen kann. 2026 soll der Bau beginnen. Wann genau die Oehlerkreuzung ausgebaut werden soll, ist noch offen.
Nicht weit von der Oehlerkreuzung entfernt verläuft der Neckar. Von den Eigentümern des dortigen früheren Wasserkraftwerks, der Familie Bräutigam, kam die Idee, die Wärme des Flusses für ein Wärmenetz hoch zur Altstadt zu nutzen. Was halten Sie davon?
Sehr viel. Es würde sich anbieten, das vorhandene Wärmenetz in der Altstadt zu erweitern. Dort gibt es wenig Platz für Wärmepumpen. Dann hätten wir ein redundantes System mit dem vorhandenen Strang vom Schulzentrum her und einem weiteren vom Neckar. Es gibt Gespräche mit der Familie Bräutigam und den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim als Betreiber des Wärmenetzes in der Altstadt. Darüber hinaus prüfen wir, wo weitere Wärmenetze Sinn ergeben könnten.
Welche Folgen hat das für Bürger mit Gasheizung? Wird das Leitungssystem auf Sicht aufgegeben?
Aktuell muss man sich keine Sorgen machen. Die Gaskonzession ist ausgeschrieben. Es gibt mehrere Bewerber.
Der Werdegang
Familienvater
Jan Trost ist 50 Jahre alt, Vater von drei Kindern und seit 2013 Bürgermeister von Marbach. Er ist in Steinheim aufgewachsen, hat sein Abitur am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium gemacht.
Parteilos
Der Diplom-Verwaltungswirt hat in Ludwigsburg studiert und war vor seinem Wechsel auf den Chefsessel im Marbacher Rathaus in Sachsenheim als Fachbereichsleiter Verwaltung tätig. Trost vertritt die Farben der Freien Wähler im Kreistag, ist jedoch parteilos.