Die Neue Mitte in Remseck: Mit Rathaus (rechts), Stadthalle (Mitte) und einem dritten Bauteil (links), das bisher eine Mediathek werden sollte. Foto: Stadt Remseck

Die Neue Mitte in Remseck wird mit einem dritten Gebäudeteil, neben Rathaus und Stadthalle, geplant. Was darin künftig passieren soll, ist aber wieder völlig offen.

Remseck - Einig waren sich die Remsecker Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Dienstagabend vor allem in einem Punkt: die Neue Mitte ist wichtig, weshalb das neue Rathaus und die Stadthalle in Neckarrems zügig weitergeplant werden sollen. Mit großer Mehrheit verlängerten sie dafür das Engagement der Ludwigsburger Architekten HHL. Doch damit genug Konsens: viele weitere Aspekte des größten Bauvorhabens in der noch jungen Stadtgeschichte wurden hitzig und emotional debattiert. Vor allem die Frage, ob die Neue Mitte einen dritten Teil, bislang Mediathek genannt, braucht, bot viel kommunalpolitischen Zündstoff.

Die Befürworter sehen in einer Ausgabestelle für Bücher und Medien, wie sie der Verwaltung vorschwebt, einen Publikumsmagneten, der die Menschen ins neue Zentrum ziehen soll. Die Gegner sorgen sich vor allem um die Zukunft der kleinen Büchereien, die es bislang in den Stadtteilen gibt. Und sie führen die Kosten ist Feld. Jene, die durch den Betrieb einer Mediathek entstehen könnten, die mit langen Öffnungszeiten glänzen soll. Aber auch jene Kosten, die beim Bau eines dritten Gebäudeteils entstehen würden: rund 2,5 Millionen, so haben es die Planer berechnet, kostet der zweigeschossige Aufbau auf die Stadthalle extra.

Die Gemeinderäte sind sich uneins

Steffen Kirsch, Chef der CDU-Fraktion, mahnte an, dass eine moderne Einrichtung nicht mit Halbtagskräften betrieben werden könne und zusätzliches Personal eben Geld koste. „Wir sind nicht überzeugt, dass wir die Mediathek brauchen.“ Auch aus Reihen der Freien Wähler (FW) kamen kritische Stimmen, wenngleich der Fraktionschef Gerhard Waldbauer sagt: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Mediathek“. FDP und Grüne äußerten sich hingegen positiv: „Die kleinen Büchereien können eine große Mediathek nicht ersetzen“, sagte Monika Voggesberger (Grüne).

So kontrovers die Debatte, so verworren dann die Abstimmung: Die Räte entschieden sich zum einen dafür, von den Architekten einen dritten Gebäudeteil entwerfen zu lassen. Gleichzeitig stimmten sie aber dagegen, ein Konzept für eine Mediathek zu erstellen und schlossen sich stattdessen einem Antrag der CDU an. Darin wird zwar ebenfalls nach einen Konzept für die zusätzlichen Räume verlangt. Explizit soll dabei aber „keine Vorfestlegung“ auf eine Mediathek passieren, vielmehr fordern die Gemeinderäte, „ergebnisoffen zu prüfen“, was in den Räumen stattfinden könnte.

Die Verwaltung muss ordentlich Kritik einstecken

Zusätzliches Feuer erhielt die Debatte dadurch, dass sich einige Kommunalpolitiker an der Arbeit der Verwaltung stören. Im Mai hatte der Rat beschlossen, nur Halle und Rathaus entwerfen zu lassen. Trotzdem präsentierten die HHL-Architekten am Dienstag etliche Entwürfe, in denen ein dritter Gebäudeteil zu sehen war (siehe Bild oben). Auch in den Kostenberechnungen findet sich die Mediathek wieder. „Das Vorgehen stört mich kolossal“, echauffierte sich Frank Knödler (CDU). Explizit habe man zwei Teile beauftragt – und nicht drei. Isabel Eisterhues (FW), meinte: „Darüber will ich nicht hinwegsehen“. Deutlicher wurde ihr Fraktionskollege Peter Bürkle: Die Verwaltungsspitze habe den Mai-Beschluss bewusst missachtet und drei Teile planen lassen. Er verliere dadurch Vertrauen in die Verwaltung. „Es ist schade, wenn die Stadträte so enttäuscht werden.“ Der Baubürgermeister Karl Velte sagte, man habe die Pläne der Architekten ohne die Mediathek abgenommen.

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