Die Sanierung rund um das frühere Gasthaus Löwen in Weissach-Flacht wird teuer. Nach dem Wegfall von vielen Millionen Porsche-Gewerbesteuer ringt der Gemeinderat um die Finanzierung.
Dass die Sanierung des leer stehenden Gebäude-Ensembles rund um das ehemalige Gasthaus Löwen die Ortsmitte von Weissach-Flacht verschönern würde, steht außer Frage. Doch kann sich die Porsche-Gemeinde ein Projekt dieser Größenordnung noch leisten? Das ist eine Frage, die auch die Gemeinderäte in Weissach mit Blick auf die Haushaltslage umtreibt. Weil es bei Porsche kriselt, rechnete Weissach im Oktober mit 62 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen weniger als noch im Mai.
Die Pläne, die das Architekturbüro AeDis, spezialisiert auf Altbausanierung, im Auftrag der Kommune ausgearbeitet hat, stießen zuletzt auf fast durchweg positive Resonanz im Gremium. Die Hoffnung scheint verlockend, dass das Ensemble aus ehemaligem Gasthaus, Fachwerkgebäude und Scheunenkomplex eines Tages wieder die ortsbildprägende Stellung einnehmen könnte, die es einst hatte.
Der Rückgang der Porsche-Millionen hat Folgen für Weissach
Selbst ein potenzieller Pächter stünde bereit: Die Brüder Tim und Roman Essig betreiben bisher im nahen Perouse in vierter Generation ihre Brennerei „Brand No. 17“. Sie hätten Großes mit den Flachter Gebäuden im Sinn: Ihre Pläne sehen vor, dass in den Scheunen des Komplexes eine Destille samt Feinkostladen, Spirituosenverkauf und Barbershop Platz finden. Im ehemaligen Gasthaus dazu ein Café und Büroräume. Konzerte, Ausstellungen, Hochzeiten könnten, so die Idee, hier eines Tages stattfinden.
Weil die Weissacher Gemeinderäte aber gelernt haben, dass in guten Zeiten Gebautes auch in weniger guten Folgekosten verursacht, sind sie vorsichtig. Vielleicht auch übervorsichtig? Denn bei der nun erfolgten Vorstellung des Gesamtkostenrahmens des Sanierungsprojekts im Gemeinderat waren die Bedenken zunächst so vielstimmig, dass ein Nein möglich schien.
„Ist es Aufgabe der Gemeinde, für Gewerbetreibende Investitionen zu tätigen“, fragte etwa Ullrich Shih, Gemeinderat der Freien Wähler. Andreas Pröllochs (Bürgerliste) sieht das Projekt als „zu groß dimensioniert“ und mahnte weitere Informationen zu den potenziellen Pachteinnahmen an. Anja Rühle (Unabhängige Liste) forderte zunächst eine Prioritätenliste aller Investitionsprojekte aufzustellen, um einschätzen zu können, was angesichts des aktuellen Gewerbesteuereinbruchs noch machbar sei.
Grob kalkulierte Kosten für die Sanierung werden mit gut 6,5 Millionen Euro beziffert, wovon allein drei Millionen für den Löwen vorgesehen sind. Doch Bürgermeister Jens Millow wies auf „die minimal erwartbare“ Fördersumme aus dem Landessanierungsprogramm von rund 3,3 Millionen Euro hin. Etwaige Mittel aus der Denkmalförderung seien, weil unsicher, darin noch nicht enthalten. Zugeben musste Millow später, dass sich in der Aufstellung der Fördergelder ein Rechenfehler eingeschlichen hat, den das Rathaus in den kommenden Wochen korrigieren werde.
Dass ein privater Investor das Ensemble wirtschaftlich sanieren könnte, hält Bürgermeister Millow indessen für ausgeschlossen, zumal ein solcher die Förderungen aus dem Landessanierungsprogramm nicht bekommen könnte. In Zugzwang setzt die Gemeinde, dass sie das Ensemble im Jahr 2023 mit Zustimmung des Gemeinderats gekauft hat. Daraus ergebe sich nun auch eine Erhaltungspflicht.
Sanierung in der Ortsmitte von Flacht nur, wenn die Förderung wirklich kommt
„Billiger als jetzt werden wir es nie wieder bekommen“, argumentierte Millow mit Blick auf die Förderung, die jährlich steigenden Baupreise und die Tatsache, dass ein potenzieller Pächter gerade jetzt parat stehe. Noch könne sich Weissach, trotz der einbrechenden Steuereinnahmen, die Sanierung leisten – Rücklagen von rund 160 Millionen Euro stünden bereit.
Auch wenn in der Debatte dem Projekt anfangs ein strammer Gegenwind entgegenblies, zeitigte der intensive Austausch und die Abwägung zahlreicher Argumente Wirkung: Vor der endgültigen Entscheidung im Dezember soll die Verwaltung nun noch einmal die erwartbaren Pachtzahlungen genau aufschlüsseln sowie ein mögliches Konzept vorlegen, das auch Wohnen auf dem Areal ermöglichen könnte.
Wichtigster Konsens: Der Löwen und alle anderen Gebäude dürfen in jedem Fall nur dann saniert werden, wenn die Förderung auch tatsächlich fließt. Damit das der Fall ist, muss zunächst ein Antrag zur zeitlichen Verlängerung des auslaufenden Sanierungsgebiets bewilligt werden. „Außerdem beantragen wir im kommenden Jahr eine Aufstockung der Fördergelder“, erklärte der Bürgermeister.