Weil es an Hochwasserschutz gemangelt hat, wurden die Planungen für eine neugestaltete Weissacher Ortsmitte vor rund zwei Jahren auf Eis gelegt. Jetzt geht es weiter.
An eine denkwürdige Sitzung im Sommer des Jahres 2022 können sich einige Weissacher Gemeinderäte wohl nur zu gut erinnern: Mit einer Hiobsbotschaft wurden damals die Planungen rund um die Neugestaltung der Weissacher Ortsmitte ausgebremst. Klar ist damals geworden: Ohne ausreichenden Hochwasserschutz und ein Starkregenrisikomanagement könne die neue Ortsmitte, bei der auch die Offenlegung des Strudelbachs und eine Tiefgarage angedacht waren, nicht voranschreiten.
Nach einer zweijährigen Planungspause nimmt das Projekt „Neue Ortsmitte“ jetzt langsam wieder Fahrt auf – nicht nur, weil sich beim Starkregen- und Hochwasserschutz einiges tut, sondern auch, weil sich rund um die Ortsmitte neue Entwicklungsfelder aufgetan haben. Für das Grundstück des alten Volksbankgebäudes auf der nördlichen Seite des Rathauses konnte die Verwaltung ihr Vorkaufsrecht nutzen. Auch in Sachen Supermarkt gibt es Veränderung. Denn der Rewe-Markt in der Ortsmitte, eine der kleinsten Filialen des Unternehmens im Großraum Stuttgart, soll künftig auf das Wöhr-Areal ziehen.
Supermarkt ist umgezogen, Flächen freigeworden
Ebenfalls erst jüngst entschlossen hat sich der Gemeinderat, langfristig einen neuen Standort für die Weissacher Feuerwehr zu finden. In Sachen Gewerbe ist die Ortsmitte außerdem zunehmend von Veränderung gezeichnet, es gibt mehr Leerstände. „Gewerbe, etwa Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleister und Arztpraxen machen eine Ortsmitte jedoch lebendig“, sagt Christine Kules aus der Stabstelle des Bürgermeisters. „Deshalb ist es Ziel für die Neue Ortsmitte die bestehenden Betriebe zu halten und möglichst einzelne attraktive neue hinzuzugewinnen.“
Für die Neue Ortsmitte bedeutet das: Für das zuständige Büro Schreiberplan kommen neue Aufgabenfelder hinzu, die über das ursprünglich definierte Gebiet hinausgehen. „Deshalb ist es sinnvoll, erstmal einen kleinen Schritt zurückzutreten“, erklärte die zuständige Projektleiterin von Schreiberplan, Natalie Maierhofer, jüngst vor dem Gemeinderat. Das Leitbild, das unter anderem aus einer Bürgerbeteiligung in der Vergangenheit entwickelt wurde, sei „immer noch da“, ergänzt sie. An den Zielgaben für das Projekt will man aber – unter den veränderten Umständen – trotzdem noch einmal schrauben. „Es geht um eine langfristige Marschrichtung“, so Maierhofer. „Auch legislaturunabhängig.“
Bürgerbeteiligung noch bis Weihnachten
Im Rathaus in Weissach ist deshalb dieser Tage eine Mitmachausstellung gestartet, bei der Bürgerinnen und Bürger auf großen Infotafeln ihre Vorstellungen für eine Neue Ortsmitte kundtun können. Mit Klebepunkten lässt sich dabei etwa auswählen, welche Wünsche man für heiße Sommertage hat, schattenspendende Bäume zum Beispiel. Auf ausgedruckten Luftbildern der Ortsmitte können die Bürgerinnen und Bürger auch Sticker in Form von Sonnenliegen, Schirmen, Bäumen oder Parkplätze platzieren. Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. Dezember, die Ergebnisse sollen dann auf der Homepage, auf Instagram und vor dem Gemeinderat im neuen Jahr vorgestellt werden.
Im Februar soll sich der Gemeinderat in einer Klausurtagung noch einmal ausführlich mit der Neuen Ortsmitte beschäftigen, anschließend soll dann mit Schreiberplan ein neuer Rahmenplan für die Neugestaltung entstehen. Dieser sei ein informelles Planungsinstrument, betonte Natalie Maierhofer, und damit lediglich eine Vorbereitung für konkrete Maßnahmen oder reine Bauleitplanung.
Notwendiger Starkregenschutz wird erst 2027 gebaut
Ein kleiner Dämpfer bei all dieser Freude über einen erneuten Start in das Projekt Neue Ortsmitte ist trotz allem noch die Zeitschiene: Zwar soll die Rahmenplanung im Jahr 2025 ihren Abschluss finden. Ein für den Schutz vor Starkregen notwendiges Rückhaltesystem samt Abwasserleitungen in Gesamtlänge von einem Kilometer, das in der Porschestraße entstehen soll, wird aber frühestens Mitte 2027 gebaut werden. Abhängig von diesem Projekt in Sachen Hochwasser und Starkregen ist weiterhin die Neue Ortsmitte mit ihrem Baustart.
Bis die Bagger in der Ortsmitte wirklich rollen, wird es also noch einige Jahre dauern. In den Reihen der Gemeinderäte scheint man trotzdem erleichtert, dass es nun voran geht. Auf den Nägeln brennt einigen Gemeinderäten derweil ein Ärztehaus, das man sich einst für die Ortsmitte gewünscht hat. Das, so versprechen es die Planer, habe man nach wie vor auf dem Zettel.