Die Nachricht passt zum Jubiläum: Die Robert-Bosch-Stiftung will ihren Health-Campus in Stuttgart in großem Stil erweitern und dort ein breit gefächertes, integriertes Gesundheitsangebot machen. Geplant sei „ein sehr großes Gebäude“.
Gute Nachricht zum 60-Jahr-Jubiläum: Die Robert-Bosch-Stiftung will in den kommenden fünf Jahren 500 Millionen Euro für die Weiterentwicklung ihres sogenannten Bosch-Health-Campus im Bereich des Robert-Bosch-Krankenhauses auf dem Burgholzhof in Stuttgart investieren. Das kündigte der Geschäftsführer Bernhard Straub auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Christof Bosch, Enkel Robert Boschs und Kurator der Stiftung, am Mittwoch an. Diese Investitionssumme komme zu den rund 600 Millionen Euro hinzu, die die Stiftung bereits 2019 für einen weiteren Bettenbau genannt hatte.
Bis 2029 soll der Gesundheitscampus fertig sein
Straub erklärte, man habe unter dem Eindruck der Krankenhausstrukturreform und dem Wandel im Gesundheitswesen die bisherigen Planungen überdacht und plane keinen reinen Bettenbau mehr. Ziel sei jetzt, den 2022 gegründeten Bosch-Health-Campus, bestehend aus Robert-Bosch-Krankenhaus und weiteren medizinischen Einrichtungen, um ein großes Gesundheitszentrum zu erweitern, in dem unterschiedliche, jedoch aufeinander abgestimmte Gesundheitsleistungen angeboten werden.
Geplant sei „ein sehr großes Gebäude“, das den stationären Teil bediene und zugleich Anschlussmöglichkeiten für Behandlungsformen biete, die man sonst nicht in einem Krankenhaus finde – etwa Angebote zur Gesundheitsvorsorge und zur Gesundheitskompetenz. Straub betonte: „Wir wollen nicht nur reine Apparatemedizin machen, sondern die Gesundheit insgesamt befördern und in der Lage sein, mit großer Flexibilität auf die Entwicklungen und Trends im Gesundheitswesen reagieren zu können.“ Entstehen soll der Bau am Rande des bisherigen Gebäudekomplexes. Dafür müsse zunächst ein Baufeld freigeräumt werden. Der Baubeginn ist für 2025 geplant. Bis 2029 soll der Gesundheitscampus stehen.
Nach den Worten Straubs handelt es sich bei dem Vorhaben absehbar „bei weitem um unsere größte Investition“. Schwankungen in der Dividende des Unternehmens, aus dem die Stiftung ihre Mittel bezieht, hätten darauf keinen Einfluss. Die Finanzierung ist laut Stiftung über Rücklagen für Infrastrukturmaßnahmen gesichert: „Stand heute sind die Finanzierungsnotwendigkeiten über die nächsten fünf Jahre abgedeckt.“ Man gehe nicht davon aus, „dass eine komplette Katastrophe vom Ausmaß einer großen Wirtschaftskrise eintritt“, sagte Straub. Dank einer modularen Bauplanung könne man selbst darauf reagieren.
20 Millionen Euro für zivile Projekte in der Ukraine
Fortsetzen wird die Stiftung auch ihre Ukraine-Hilfe, aufbauend auf Netzwerken, die sie über viele Jahre hinweg in Osteuropa geknüpft hat. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Stiftung nach eigenen Angaben rund acht Millionen Euro vorwiegend in die Nothilfe gesteckt. Nun sollen verstärkt zivilgesellschaftliche Projekte beim Wiederaufbau unterstützt werden. Dafür hat die Stiftung in den nächsten fünf Jahren rund 20 Millionen Euro eingeplant. Mit diesem Engagement, das auch Christof Bosch „am Herzen liegt“, steht die Bosch-Stiftung nach dem Eindruck ihres Geschäftsführers in der Stiftungslandschaft weitgehend allein auf weiter Flur: „Wir sind eine der wenigen Stiftungen, die die Ukraine-Hilfe fortführen.“
Im Bereich Bildung legt die Bosch-Stiftung, die ihr 60-Jahr-Jubiläum am Mittwochabend mit einem festlichen Empfang am Stiftungssitz in der Heidehofstraße feierte, ein Augenmerk auf Nachwirkungen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen. Bereichsleiterin Dagmar Wolf berichtete von teils „extremen Folgen“. Man sei dabei, bundesweit zu eruieren, wie stark die psychische Belastung sei und wolle gemeinsam mit Partnern ein Barometer über die ambulante Versorgungslage erstellen.
Die Stiftung will das Demokratiebewusstsein von Schülern stärken
Ihre Arbeitsschwerpunkte sieht die Bosch-Stiftung als „Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen“. Entsprechend hat auch das Thema Demokratie Gewicht. Die Stiftung ist Teil der bundesweiten Initiative #IchstehAuf, die an diesem Donnerstag, abgestimmt mit den Kultusministern der Länder, einen Aktionstag an rund 1600 Schulen mit mehr als 300 000 Schülerinnen und Schülern ausrichtet. „Wir wollen vor der Europawahl ein großes Zeichen setzen und zeigen, dass Schulen ein wichtiger Teil der Demokratie sind“, sagte Dagmar Wolf. Schulen sollten auch künftig darin unterstützt werden, das Demokratiebewusstsein von Kindern und Jugendlichen zu stärken.
Was würde Firmengründer Robert Bosch zu alledem sagen: „Er würde sich freuen, dass seine Richtlinien bis heute Richtschnur für die Stiftungsarbeit sind“, meint sein Enkel. Dazu gehöre die „Linderung von allerlei Not“. Für diese und andere Anliegen wendet die Stiftung beträchtliche Mittel auf. Im vergangenen flossen insgesamt knapp 100 Millionen Euro in gemeinnützige Projekte.