Entlang der Remstalstraße soll das neue Remsecker Rathaus als Teil der Neuen Mitte gebaut werden. Foto: factum/Granville

Mehr als 20 Jahre Planung, 35 Millionen Euro Kosten und eine Bauzeit von drei Jahren: Das neue Zentrum ist das größte Projekt in der Geschichte von Remseck. Mit einem Spatenstich haben die Arbeiten nun offiziell begonnen – der Weg dahin war nicht immer einfach.

Remseck - Es ist eines der größten Bauvorhaben im Landkreis, das größte in der Remsecker Stadtgeschichte und sicherlich jenes mit dem längsten Vorlauf. Am Freitag nun konnte, mehr als 20 Jahre nach den ersten Überlegungen, der Spatenstich für die sogenannte Neue Mitte erfolgen. Auf dem Gelände des derzeitigen Rathauses im Stadtteil Neckarrems wird von der kommenden Woche an ein neuer Verwaltungssitz, eine Stadthalle und ein Gebäude für eine Mediathek, eine moderne Bücherei, gebaut. Zudem entsteht am Zusammenfluss von Rems und Neckar ein rund 2500 Quadratmeter großer Markt- und Festplatz für die Große Kreisstadt.

„Identitätsstiftend“ für die Reformkommune solle das neue Zentrum werden, meinte der Oberbürgermeister Dirk Schönberger vor dem symbolischen Stich in die Erde. Andere Städte, die wie seine in den 1970er Jahren aus mehreren Dörfern zusammengelegt worden seien, renovierten in diesen Tagen bereits ihr Zentrum, beispielsweise die Stadt Freiberg. „Doch wir hatten nie eines“, sagte der Rathauschef. Dabei sei genau das wichtig für die Entwicklung der Stadt.

Rund 35 Millionen kostet das neue Remsecker Zentrum

Der Spatenstich ist der symbolische Auftakt. In der kommenden Woche rücken tatsächlich die Bagger an der Kreuzung von Fellbacher Straße und Remstalstraße an. Dann werden Garagen und Treppen abgebrochen, im Dezember, spätestens im Januar, soll die Baugrube ausgehoben werden. Während das neue Rathaus entlang der Remstalstraße wächst, wird die Stadthalle an der Fellbacher Straße entstehen. Besucher sollen in einer ebenfalls neuen Tiefgarage unter den Gebäuden ihre Autos abstellen können. Geplant ist, das alte Rathaus erst abzureißen, wenn der neue Verwaltungssitz steht. Bis dahin wird das alte Gebäude weiterhin genutzt.

Läuft alles nach dem Plan des Ludwigsburger Architektenbüros HHL, könnten die neuen Häuser im Frühjahr 2020 fertig sein, der endgültige Umzug der rund 165 Rathausmitarbeiter dann im Sommer erfolgen. Mitte 2020, erklärt der Planer Uwe Hein, wird im letzten Schritt das alte Rathaus abgerissen und an gleicher Stelle der Marktplatz gepflastert.

Doch nicht nur die Größe macht die Neue Mitte zum wichtigsten Remsecker Projekt derzeit, auch die Kosten von rund 35 Millionen sind bei Weitem die größten Ausgaben, die die traditionell klamme Stadtkasse je verkraften musste. Nach langen Debatten hatte der Gemeinderat deshalb entschieden, das Gebäude für die Mediathek, von der Verwaltung Kubus getauft, erst dann abzusegnen, wenn die exakten Kosten bekannt sind – was in der kommenden Woche so weit sein wird. Dann liegen die Ergebnisse einer europaweiten Ausschreibung vor.

Der Kurs der Verwaltung ist dabei klar: Sie wollte von je her den Aufsatz auf die Stadthalle bauen. Die dortige Bibliothek werde zusammen mit einem Lesecafé und einer Bäckerei wichtiger Publikumsmagnet für das neue Zentrum, meinte der Baubürgermeister Karl Velte am Freitag.

Mehrere Rechtstreite begleiteten das Projekt

Ohne Hürden war der Weg zur Neuen Mitte gleichwohl nicht: Als die Stadtspitze im Herbst 2015 den ehemaligen Architekten aus Frankfurt wegen einer befürchteten Kostensteigerung kündigte, folgte ein langer Rechtsstreit. Am Ende musste die Stadt 58 000 Euro für einen Vergleich zahlen. Auch die Wahl der neuen Architekten HHL wurde im vorigen Jahr juristisch angefochten: Ein unterlegenes Stuttgarter Büro hat zunächst Widerspruch gegen die Vergabe nach Ludwigsburg eingelegt, diesen später aber zurückgezogen.

Die Neue Mitte ist in den Köpfen ihrer Planer weit mehr als nur das Rathausareal. Östlich davon soll nach dem Willen der Stadt ein Wohngebiet entstehen, auf dem Areal eines heutigen Betonwerks. Dessen Betreiber waren in der Vergangenheit aber alles andere als angetan von einem möglichen Umzug. Eine weitere Hürde ist in den Augen von OB Schönberger auch die viel befahrene Remstalstraße, die für eine Ausdehnung der Neuen Mitte weichen müsste. „Dafür brauchen wir die Westrandbrücke“, sagte Schönberger. Das nächste Großprojekt steht also schon an.

Wer der Neuen Mitte in Remseck beim Wachsen zuschauen will, kann das im Netz tun: Unter der Adresse www.remseck.de/webcam sind die Bilder einer Kamera zu finden, die alle zehn Minuten ein Foto von der Baustelle schießt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: