Das Konzept für den Neubau von Schulen am West-Campus lässt viele Wünsche offen. Trotzdem gibt der Schulausschuss grünes Licht. Die Schulleitungen tragen das mit, sind aber enttäuscht über die Verschiebung des Baustarts.
Ludwigsburg - Ach, hätten wir diese Schulen doch schon früher gebaut! Als am Mittwoch im Ludwigsburger Schulausschuss über den Neubau des Bildungszentrums West diskutiert wurde, schwang mit jeder Stellungnahme auch ein Seufzer der Enttäuschung mit. Denn der 2018 von allen mit Begeisterung aufgenommene Siegerentwurf für neue Schulen und Sporthallen muss nun wegen der Finanznot hart beschnitten werden. Außerdem wurde der geplante Baubeginn von 2022 auf 2025 verschoben.
„Verschiebung ist schon ein Schock“
Grundsätzlich freue er sich über „die wohlwollende Begleitung“ des Großprojekts Bildungszentrum, sagte Mathias Hilbert, der der Ausschusssitzung zugeschaltet war. Dass sein Gymnasium nun ohne die erst vorgesehene fünfte Etage auskommen müsse, sei der Kraft des Faktischen geschuldet, sagte der Leiter des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG). Dass allerdings der Start der Bauarbeiten „auf 2025 verschoben worden ist, war schon ein Schock“. Das große Problem im Bestandsgebäude an der Kaiserstraße ist die hohe Belastung der Luft mit Schadstoffen.
„Wir haben damit erhebliche Probleme“, sagte Hilbert. „Ich kann manche Kollegen und auch Schüler wegen Vorerkrankungen in bestimmten Räumen nicht unterrichten lassen.“ Wenn sich nun der Neubau verzögere, müsse ein neues Konzept gefunden werden. Hochbauamtsleiter Mathias Weißer meinte dagegen, es bestehe derzeit keine Gefährdung. Neueste Messungen hätten gezeigt, dass die installierten Lüftungssysteme die Schadstofflast unter die kritische Marke drückten.
Unterricht im Container statt in neuen Räumen
Das OHG hat sich bereit erklärt, im Falle einer Fünfzügigkeit Klassenräume in der benachbarten Königin-Olga-Kaserne zu nutzen. Darum kann nun auf den Bau eines weiteren Geschosses verzichtet werden. „Es ist schmerzhaft, aber wir sind auch Realisten“, sagte Hilbert. Allerdings war im Konzept von 2018 auch vorgesehen, dass am West-Campus zusätzliche Räume „für den Überlauf aus der Innenstadt“ – sprich: die weiter wachsende Zahl der Schüler der Innenstadtgymnasien – entstehen sollen.
Diese Reserve ist nun gestrichen. Sie stelle sich auf den Bau von mobilen Klassenräumen ein, sagte die künftige Erste Bürgermeisterin, Renate Schmetz. Diese seien zwar ungeliebt, aber es gebe dazu in der gegenwärtigen Finanzsituation keine Alternative. Außerdem sind sogenannte Clusterflächen für diverse Nutzungen um 30 Prozent beschnitten worden, und wo zwei Lichthöfe vorgesehen waren, soll es nun nur noch einen geben. Aus einem geplanten Stadtteilzentrum, das in der Außenstelle der Stadtbibliothek andocken sollte, wird nichts, da auch die Fläche für die Bücherei sehr viel kleiner wird, und das Museum, das im West-Zentrum neue Depoträume bekommen sollte, muss andernorts nach Ersatz suchen.
45 Millionen Euro weniger?
Trotz vieler Abstriche werde „ein zukunftsfähiger und neuer Schulcampus im Westen entstehen“, glaubt CDU-Stadtrat Claus-Dieter Meyer. „Für uns ist wichtig, dass es ein nachhaltiger und klimaneutraler Bau wird“, sagte Elfriede Steinwand (Grüne). Die Reduzierungen schmerzten sehr, sagte Gabriele Moersch (FW), aber der Neubau sei so dennoch vertretbar. „Jetzt fällt es uns auf die Füße, dass wir so lange gewartet haben“, sagte Hubertus von Stackelberg (SPD).
Die Kosten für den Neubau in der ursprünglichen Planung waren auf 177 Millionen Euro geschätzt worden. Für die kleinere Variante, die der Ausschuss einstimmig billigte, veranschlagt der Fachbereich Hochbau 132 Millionen Euro. „Das ist ein akzeptabler Kompromiss“, meinte Johann Heer (FDP). „Immerhin bekommen wir ein neues Gymnasium und eine neue Realschule. Das ist nicht nichts.“