Im Katastrophenfall soll der Landkreis gewappnet sein. Doch welche Lösung ist sinnvoll und bezahlbar? Foto: Roman

Das Katastrophenschutzzentrum für den Kreis Ludwigsburg ist wegen seiner Ausmaße und der hohen Kosten umstritten. Wird an den Umfängen noch weiter geschraubt?

Die Entscheidungen um das geplante Katastrophenschutzzentrum für den Kreis Ludwigsburg waren von Anfang an stets eine Zitterpartie. Denn das Projekt ist wegen seiner Ausmaße und der Kosten von geschätzt 20 Millionen Euro – das ist der Stand von Januar 2025 – umstritten. Mittlerweile fährt der Landkreis einen harten Sparkurs. Allein für den Haushaltsplan 2026 wurde an allen möglichen Stellschrauben gedreht, um Kosten einzusparen. Das Katastrophenschutzzentrum in seinem bisher geplanten Umfang kommt daher nicht bei allen Fraktionen gut an. Das Projekt steht im neuen Jahr erneut zur Diskussion.

 

In dem Katastrophenschutzzentrum auf Asperger Gemarkung soll die Integrierte Leitstelle (ILS), die zwingend einen neuen Standort benötigt, unterkommen, außerdem Arbeitsplätze für unterschiedliche Krisenlagen, eine große Fahrzeughalle, und es soll im Katastrophenfall Platz für 5000 Menschen bieten.

LuV findet keine Mehrheit für Vorstoß

Vor dem Hintergrund des aktuellen Sparkurses brachte zuletzt die Fraktion LuV (Linke und Vielfalt) im Kreistag das Thema wieder aufs Tapet. Im Sommer hatte sie den Antrag gestellt, das Projekt in Gänze zu kippen und die Integrierte Leitstelle in einer Bestandsimmobilie unterzubringen.

Für diesen Vorstoß fand die LuV zwar keine Mitstreiter. Wohl aber mit ihrem Wunsch, „nicht schon mit dem Haushaltsbeschluss am 12. Dezember vollendete Tatsachen zu schaffen“, wie es Cem Ercetin von der LuV formuliert. Die eine Million Euro, die 2026 in die Planung des Zentrums fließen soll, hat mit großer Zustimmung des Gremiums einen Sperrvermerk erhalten. Das bedeutet, dass das Geld erst eingesetzt werden darf, wenn der Kreistag das ganz konkret beschließt. „So kann das Thema 2026 in Ruhe diskutiert werden“, so Ercetin.

Und wie bewerten die übrigen Kreistagsfraktionen inzwischen das Projekt? Die CDU jedenfalls, die sich in den Anfängen noch sehr kritisch zeigte, steht jetzt voll und ganz hinter dem Katastrophenschutzzentrum. „Für Katastrophenfälle wie Hochwasser und Sturm ist es notwendig, aber auch für Fälle mit größeren Einsatzlagen“, sagt Klaus Herrmann, Sprecher der CDU. Auch die AfD und die Grünen sehen das Vorhaben insgesamt positiv.

Knackpunkt bleiben selbst für die Befürworter die hohen Kosten. Die Freien Wähler legen Wert darauf, das Katastrophenschutzzentrum „jetzt vollständig“, dafür aber „schlank und finanziell sauber hinterlegt“ umzusetzen, wie es in einem Antrag der Fraktion heißt: „Ohne Schnickschnack.“ Für die Finanzierung wollen sie auf das Sondervermögen des Bundes setzen und damit Kreditaufnahmen reduzieren.

SPD: Zu wenige Alternativen aufgezeigt

Deutlich kritischer äußern sich SPD und FDP. So stellt die FDP „die Kosten und das Ausmaß des KSZ infrage“, so Fraktionssprecherin Viola Noack. „Unsere Überlegung ist, die Fahrzeuge vorerst nicht zentral zu stationieren, sondern diese verteilt im Landkreis zu belassen.“ Zwar ist der Umzug der ILS aus Sicht von Jürgen Kessing, Fraktionsvorsitzender der SPD, unstrittig. „Bedauerlicherweise ist uns als Lösung aber nur eine Kombination aus ILS und Katastrophenschutzzentrum angeboten worden.“ Die SPD erwarte daher, „dass alternative Lösungsansätze endlich geprüft und in bewertbarer Form vorgelegt werden“.

Der Landrat Dietmar Allgaier hat seit dem ersten Vorstoß der LuV stets die Wichtigkeit des Projekts hervorgehoben. „Wir haben die Planung seit dem Kreistagsbeschluss im Januar 2025 optimiert“, ergänzt er. „So ist es uns gelungen, auf einen zweiten Aufzug, eine Umfahrung der Fahrzeughalle und auf eine mechanische Lüftungsanlage zugunsten einer freien Lüftung zu verzichten.“ Dadurch seien weitere Einsparungen erreicht worden, „ohne die Leistungsfähigkeit der ILS und des Bevölkerungsschutzzentrums zu beeinträchtigen“. Die Ergebnisse dieser Optimierungen sollen in der betreffenden Kreistagssitzung der Öffentlichkeit präsentiert werden.