Das Leonberger Dreieck gehört zu den Hotspots auf deutschen Autobahnen. Hier wollten Corona-Kritiker protestieren. Foto: dpa/Schmidt

Mitten im Leonberger Dreieck wollte die Initiative „Querdenken 711“ mit 50 000 Leuten demonstrieren.

Leonberg - So richtig kann man es sich gar nicht vorstellen: Die A 8 in Leonberg ist zwischen den Abfahrten West und Ost gesperrt. Und auch die A 81 zwischen Feuerbach und dem Engelbergtunnel ist zu. Autos können trotzdem auf die mit am stärksten belastete Nord-Süd-Verbindung der Bundesrepublik. Nicht aber, um doch noch das Ferienziel auf der Alb oder im Allgäu anzusteuern.

Vielmehr sind es rollende Demo-Mobile. In ihnen und draußen auf der Fahrbahn hätten, wäre es nach der Initiative „Querdenken 711“ gegangen, bis zu 50 000 Menschen am Sonntag gegen die Corona-Beschränkungen der grün-schwarzen Landesregierung demonstriert.

Viele offene Fragen

Als „großes Fest für Frieden und Freiheit“ hatte sich Michael Ballweg, der Gründer der Initiative, die Massenkundgebung mitten auf dem Autobahndreieck vorgestellt. Mehrere Redner und Künstler sollten auftreten. Insbesondere die wirtschaftlichen Folgen der Zwangsschließungen von Betrieben, Geschäften und Gastronomie sollte thematisiert werden.

Das kann am Sonntag auch geschehen, allerdings nicht auf der Autobahn. „In einem Kooperationsgespräch mit dem Anmelder haben wir uns gemeinsam darauf geeinigt, diesen Ansatz nicht weiter zu verfolgen“, erklärt der Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD). „Zu viele offene Fragen, etwa zum Sicherheitskonzept, konnten vom Anmelder nicht hinreichend beantwortet werden.“

Dreieck wäre lahmgelegt

Hauptproblem, das wurde in dem Kooperationsgespräch – an dem auch Sicherheitsexperten der Polizei, der Feuerwehr, des Regierungspräsidiums und des Landkreises teilnahmen – war das zwangsläufige Verkehrschaos, würde das komplette Leonberger Dreieck lahmgelegt.

„So eine Sperrung gab es noch nie. Da würde der komplette Verkehr im Großraum Stuttgart zusammenbrechen“, räumt denn auch Michael Ballweg ein. „Das wollen wir nicht und nehmen daher die Bedenken der Polizei sehr ernst. Schließlich schützt sie ja auch unsere eigenen Veranstaltungen.“

Demonstranten zufrieden

Nun soll die Kundgebung am Sonntag um 15.30 Uhr auf der Leonberger Heide, dem alten Golfplatz, stattfinden. Um den Sicherheitsabstand zu wahren, sind auf einer Fläche von 50 000 Quadratmetern 7500 Menschen zulässig. Vom Bahnhof fahren Pendelbusse zum Engelberg.

Mit dem von Leonberg angebotenen Alternativstandort sind die Demonstranten zufrieden. „Da wir eine friedliche, freiheitliche und rücksichtsvolle Bewegung sind, haben wir uns entschlossen, das Kooperationsangebot anzunehmen“, erklärt Ballweg. „Ein zusätzlicher Erfolg ist, dass die Stadt Leonberg uns eine Teilnehmerzahl von 7500 Menschen genehmigt.“

Ausweichort Flughafen?

Die Initiative „Querdenken 711“ hat schon mehrere Demos gegen die Corona-Auflagen organisiert. Wegen der Abstandsregeln hatte die Stadt Stuttgart für Pfingsten eine Kundgebung mit nur 5000 Teilnehmern genehmigt. Die Veranstalter hatten 10 000 Menschen angemeldet.

Nicht von ungefähr schaut sich Michael Ballweg nach geräumigen Alternativen für Demos mit Mindestabstand um. „Wir hatten an den Flughafen gedacht“, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber dort ist ja wieder Verkehr.“ Deshalb war ihm die Idee mit dem Leonberger Autobahndreieck gekommen.

Leonberg als offene Stadt

Auch wenn er Verständnis für die Sicherheitsanforderungen hat, will sich Ballweg noch nicht ganz vom Gedanken einer Kundgebung zwischen A 8 und A 81 verabschieden: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir werden das Konzept weiter im Detail ausarbeiten.“

Martin Georg Cohn ist derweil zufrieden, dass es zu einem Kompromiss gekommen ist: „Das Demonstrations- und Versammlungsrecht hat einen hohen Wert“, sagt der Oberbürgermeister. „Leonberg will sich als offene Stadt zeigen, in der aber kein Platz für Extremismus von Rechts oder Links ist.“

Bis zum Sonntag haben nun die Ordnungs- und Rettungskräfte noch viel Arbeit: Straßensperrungen, Umleitungen, Zufahrtswege für die Feuerwehr und die Rettungsdienste – all das muss kurzfristig auf die Beine gestellt werden. Den eigentlichen Ordnungsdienst während der Demo muss aber der Veranstalter stellen.

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