Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Oktober 2012 den damaligen OB-Kandidaten Sebastian Turner auf dem Marktplatz unterstützt. Sie wurde ausgepfiffen. Foto: Leif Piechowski

Stuttgarts CDU ist in den Startlöchern. In eineinhalb Wochen beginnt ihr Bundestagswahlkampf. Eine Großkundgebung mit der Kanzlerin ist nicht vorgesehen. Angela Merkel soll nicht wieder ausgepfiffen werden.

Stuttgart - Eine Kundgebung mit der Kanzlerin auf dem Marktplatz wollte Stuttgarts CDU in diesem Bundestagswahlkampf bewusst nicht. Was sich beim Auftritt von Angela Merkel im OB-Wahlkampf abgespielt hatte, sei „einer Kanzlerin unwürdig“, sagte der Bundestagsabgeordnete, Bundestagskandidat und Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann. Am 11. Oktober musste sich die Kanzlerin gegen Trillerpfeifen und Buhrufe durchsetzen.

Bei der OB-Wahl hatte die CDU erkennen müssen, dass Stuttgart 21 unerwartet stark den Ausgang beeinflusste. Bei der Bundestagswahl wird das Projekt nach Kaufmanns Überzeugung nun aber wirklich keine große Rolle mehr spielen. „Es ist kein mobilisierendes Thema“, meint er. Außerdem: Sein Grünen-Rivale im Wahlkreis Stuttgart 1 (Süd), Cem Özdemir, sei auch nicht gerade das Ideal der S-21-Gegner. Kaufmanns Abgeordnetenkollegin Karin Maag, die im Wahlkreis Stuttgart 2 (Nord) antritt, will den Menschen gezielt vermitteln, dass auch S-21-Gegner CDU wählen könnten, weil dieses Thema ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem bundespolitischen Themenspektrum sei.

Kaufmann und Maag wollen vor allem eines: ihre Direktmandate verteidigen, also wieder die Mehrheit der Erststimmen erringen. Denn via Parteienliste werden sie nicht ins Parlament einziehen – höchstens später einmal als Nachrücker für ausscheidende Abgeordnete der CDU. Daneben gehe es um ein gutes Zweitstimmen-Ergebnis für die CDU und um eine Art Kurswechsel im zuletzt recht grünen Stuttgart. Die Voraussetzungen halten sie für gut. Die Kanzlerin sei über Parteigrenzen hinweg populär. Wechselstimmung gebe es nicht. Die Sozialsysteme seien gut finanziert. Sie selbst hätten gute Arbeit für Stuttgart geleistet, nah an den Bürgern. Die Grünen verprellten schon die zuletzt gewonnenen Wählergruppen.

Plakate aus wetterfestem Pappkarton

Kaufmann hofft, die 4,5 Prozentpunkte Vorsprung vor Özdemir im Jahr 2009 wenigstens zu halten. Ute Vogt (SPD), mit der er ganz kollegial schon gemeinsame Initiativen und Pressekonferenzen bestritt, werde im Wettbewerb um das Direktmandat wohl keine Rolle spielen. Maag gilt in ihrem Wahlkreis als klare Favoritin, weil das SPD-Urgestein Ute Kumpf in den politischen Ruhestand tritt. Maag will trotzdem „bis zum letzten Tag kämpfen“. Dabei setzen sie und Kaufmann auch auf neue Technologie.

Die Plakate, die am 10. August auftauchen werden, bestehen diesmal aus sehr wetterfestem Pappkarton, im Offsetdruck mit glanzvolleren Bildern versehen als die früheren Hohlkammerplakate. Die Flyer sind auch aus Umweltpapier. Neu ist zudem, dass es diesmal nicht nur 52 Großflächenplakate der Bundes-CDU in Stuttgart geben wird. Die Kandidaten wollen an insgesamt 22 Standorten auf Großflächenplakaten als Duo erscheinen. Die Wähler seien ja auch oft im jeweils anderen Stuttgarter Wahlkreis unterwegs. Daneben wird es in jedem Revier noch etwa 1500 Kandidatenplakate des Formats H0 geben. Maag will außerdem wieder kleine Plakate ohne Bild platzieren. Darauf soll stehen: „Karin Ma(a)g Stuttgart“.

Mit Podiumsdiskussionen will man sich – in Absprache mit der Konkurrenz – nicht sehr verzetteln. Prominenz wird selten bemüht. Kaufmann beginnt am 22. Juli um 19 Uhr im Augustinum in Riedenberg mit der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Maag startet am 24. Juli um 18 Uhr bei VW-Automobile in der Wangener Straße 66 mit Umweltminister Peter Altmaier durch.

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