Mary Bosch bessert mit dem Flohmarkt ihre Rente etwas auf. Foto: Georg Linsenmann

Mit rund 200 Anbietern ist der Gablenberger Flohmarkt auch in diesem Jahr wieder ein Erfolg gewesen. Und Geschichten aus dem Stuttgarter Osten gab es dort auch wieder jede Menge.

S-Ost - Ist das nicht die pure Überfülle, schon auf dem Schmalzmarkt? Aus dem Hubschrauber muss das wirken wie ein kurioses altes Kaufhaus, auf eine Ebene aufgeklappt. Schuhspanner, Schallplatten, Luftdruckprüfer und Geschirr, mit und ohne Sammlerwert. Kinderkleider, Sommerkleider und was Warmes, denn der nächste Winter kommt bestimmt. Nützliches und Nostalgisches. Sogar die Ruine eines Spinnrades soll hier Käufer locken. Dabei ist das nur der Anfang! Denn der Gablenberger Flohmarkt zieht sich, eine halbe Hauptstraße lang, bis runter zum Schulhof. Ein Paradies für Schnäppchenjäger und Bummler! Und für Geschichtensammler, denn hier sind es nicht zuletzt Einheimische, die etwas loswerden wollen.

Nachlass eines Jägers, rosa Kindersachen

Bereits zum dritten Mal ist eine 57-Jährige schon mit elterlichem Nachlass dabei. „Und das ist noch nicht das Ende dieses Jahr!“, sagt sie, obwohl sie schon nach einer Stunde „gut verkauft“ hatte. Kristallgeschirr, Schmuck, Bücher zählt sie auf. Auch ausgestopfte Vögel, Gehörne, die Hülle eines Teleskop-Fernrohres, denn ihr Vater war Jäger: „Heute ist sogar der Unterkiefer eines Rotwildes weggegangen, für drei Euro. Ich bin zufrieden!“

Sogar sehr zufrieden ist Sabine Effey, die ganz in der Nähe wohnt und jedes Jahr dabei ist: „Hier trifft man sich, hier hat man Spaß!“ Vor allem, wenn „ein paar Euro zusammenkommen“. Kein Problem, denn Kinderkleider und Spielzeug gehen gut, alles unter fünf Euro: „Die Tochter stürmt durchs Teenie-Alter und hat ausgeräumt. Alles, was rosa ist und nach Kind aussieht!“

Mit 20 Kisten auf den Platz gekommen

Mit einem Minus ist Mary Bosch auch schon nach Hause gegangen, heute sieht es besser aus, auch wenn das Reiseschach und die Herzvase zusammen nur fünf Euro bringen: „Ein bisschen was geht noch für den Fahrer weg, aber es bleibt was übrig.“ Sie wirkt erleichtert, denn auch das Bisschen tut gut: „Ich habe eine sehr schmale Rente, da zählt jeder Euro.“ Viele kennen Mary Bosch noch vom „Blumenhandwerk“, dem Geschäft, das die Floristin nach einem Unfall „mit Verlust aufgeben musste“, wie sie erzählt. Sie räumt zuhause aus, Nachbarn und Freunde schenken ihr Sachen für den Markt. Mit 20 Kisten ist sie gekommen, „drei weniger werden es schon sein“. Die Rentnerin freut sich auch „über die vielen netten Leute“, und manchmal macht sie sich ihren Spaß: Die aufgerollte Kordel, das sei „ein Sprungseil für Elefanten“. Womit das Interesse schwindet: „Vielleicht kommen Sie wieder, wenn Sie einen Elefanten gefunden haben!“

Die Musik spielt jetzt gegenüber, wo der „Neu-Rentner aus der Bergstraße“ sein Knopfakkordeon vorführt. Jörg Massek bekommt glänzende Augen: „Das hat mich magisch angezogen“, bekennt er, „damit werde ich viel Freude haben!“ 40 Euro kostet das Instrument, das auch als Sammlerstück durch ginge. „Der Preis ist gleich geblieben“, schmunzelt der Vorbesitzer, „ich habe das 1975 auf einem Flohmarkt gekauft, für 80 D-Mark, und damit Straßenmusik gemacht und auf Hochzeiten gespielt.“ Jetzt freut er sich, dass der jüngere Neu-Besitzer diese Musik für sich entdecken will: „Als Grabbeigabe brauche ich das nicht.“ Jetzt braucht der Rentner mehr Zeit für seine Bienen, hat auch eine Schauwabe mit kleinem Volk dabei: „Steht in der Küche, mit Ausgang durch die Wand. Das ist mein Bienen-Fernseher. Aber heute ist Flugverbot.“ Honig ist er auch losgeworden: „20 Kilo, frisch geschleudert!“

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