Weil die Leute jetzt Zeit haben, zu entrümpeln, ist viel los auf den Wertstoffhöfen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Recycling- und Abfallbetriebe haben trotz Corona-Krise weiterhin geöffnet. Und der Andrang ist riesig, die Warteschlangen vor den Toren sind dementsprechend lang. Es gelten aber besondere Vorschriften für Mitarbeiter und Anlieferer.

Filder - Die Entsorgungsstätten in Stuttgart und im Landkreis Esslingen sind weiterhin geöffnet – trotz Corona-Krise. „Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, auch in diesen Zeiten ihre Wertstoffe und Abfälle zu entsorgen“, sagt Manfred Kopp, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Esslingen. Und die Nachfrage ist derzeit hoch. Kopp berichtet, dass in der vergangenen Woche sogar die Polizei in Esslingen am Zollberg die wartenden Autofahrer wieder wegschicken musste. „Der Ansturm ist groß. Weil gerade jetzt die Menschen daheim sind und Zeit haben, auszumisten.“

Auch in Stuttgart bildeten sich an den Wertstoffhöfen – unter anderem in Plieningen und Vaihingen – Schlangen. „Viele Stuttgarter Bürger sind jetzt zu Hause, räumen Keller und Dachboden auf, kümmern sich um ihre Gärten und bringen das nicht mehr benötigte Material auf die Wertstoffhöfe. Das schöne Wetter der vergangenen Woche war sicher auch ein wesentlicher Grund“, teilt die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) schriftlich mit.

So schlimm wie in Esslingen war es in Filderstadt an der Deponie Eichholz nicht. Dennoch: Eine Kundin berichtet von bis zu 60 Fahrzeugen in der Warteschlange vor den Toren. „Was vorne passierte, war nicht zu erkennen“, sagt Hanna Zakhari. 20 Minuten habe sie im Auto gewartet, wenden war an dieser Stelle nicht möglich, weil der Weg zu schmal war. Dann sei eine junge Reiterin vorbeigekommen, die erzählt habe, dass nur wenige Autos gleichzeitig auf den Recyclinghof fahren dürfen. „Als die Fahrzeuge nach einer weiteren Wartezeit eine etwas erweiterte Stelle erreichten, wendete ich und fuhr unverrichteter Dinge heim. Wie viele andere übrigens“, erzählt Zakhari.

Prüfen, ob der Besuch derzeit tatsächlich erforderlich ist

Gegen die Maßnahme an sich, betont die Bonländerin, sei gar nichts einzuwenden. Sie ärgert sich aber darüber, dass das Prozedere und die lange Wartezeit nirgends angekündigt gewesen seien. Im Internet habe sie zuvor geschaut, ob der Recyclinghof überhaupt geöffnet hat, und dort keine weiteren Informationen gefunden. Sie hätte sich gewünscht, dass das Vorgehen auf der Internetseite der Stadt Filderstadt angekündigt werde. Die Stadt verweist darauf, dass für den Recyclinghof der Landkreis Esslingen verantwortlich ist, genauer gesagt der AWB.

Auf dessen Internetseite steht der Hinweis, dass aus Sicherheitsgründen in Zeiten der Corona-Krise nur eine kleine Anzahl an Anlieferern gleichzeitig auf das Gelände der Entsorgungsanlagen dürfen. „Es kann zu erheblichen Wartezeiten kommen! Prüfen Sie daher, ob es tatsächlich erforderlich ist, jetzt die Anlage aufzusuchen!“, heißt es. Die Stadt Stuttgart appelliert ebenfalls an die Bürger, „die Wertstoffhöfe in nächster Zeit möglichst nicht beziehungsweise nur in dringenden Fällen aufzusuchen“, so die AWS. Im Landkreis Böblingen gilt das selbe: Zwar seien derzeit alle Wertstoffhöfe geöffnet, der Abfallwirtschaftsbetrieb ruft aber dazu auf, die Anlieferungen auf ein Minimum zu beschränken und die Entrümpelungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

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„Wir machen diese Blockabfertigung, damit die Anlieferer und Mitarbeiter möglichst wenig Kontakt untereinander haben“, erklärt Manfred Kopp. Auch in Stuttgart wurde die Zahl derer, die gleichzeitig auf das Gelände der Wertstoffhöfe dürfen, reduziert, aktuell auf maximal vier Fahrzeuge, teilt die AWS mit. In Böblingen sind die Mitarbeiter angehalten, die Zugänge zu den Höfen zeitweise zu sperren, damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten.

Ansteckungsrisiko gering halten

Einige Bürger hätten wenig Verständnis für dieses Verfahren. „Aber ich habe eine Verantwortung meinen Mitarbeitern gegenüber“, sagt Manfred Kopp vom Esslinger Abfallbetrieb. Diese seien angehalten, Abstand zueinander und zu den Anlieferern zu halten und möglichst oft die Hände zu waschen, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus gering zu halten.

Hanna Zakhari schlägt vor, zusätzlich zur Information auf der Internetseite des AWB und in der Handy-App auch einen Anschlag auf dem Weg zu den Recyclinghöfen anzubringen mit dem Hinweis auf die Blockabfertigung und die lange Wartezeit, „um die Leute nicht in eine größtenteils unumkehrbare Waldweg-Schlange zu führen“. Zumal nicht jeder Internet habe. Zudem kommt man, wenn man bei Google „Recyclinghof Filderstadt“ eingibt, auch auf die Seite www.recyclinghofwertstoffhof.de. Dort stehen tatsächlich nur die regulären Öffnungszeiten. Betreiber der Internetseite ist laut Impressum ein niederländischer Verleger und Berater – mit der offiziellen Seite des AWB hat diese Homepage nichts zu tun.

Recyclinghöfe bleiben vorerst geöffnet

Der Abfallwirtschaftsbetrieb in Esslingen will trotz der Corona-Krise seine Höfe zugänglich lassen. „Solange keine Ausgangssperren gelten, werden wir an der Öffnung festhalten“, sagt Manfred Kopp. Auch in Stuttgart bleiben die Wertstoffhöfe und Häckselplätze vorerst geöffnet. Man habe in den vergangenen Wochen doppelt so viele Anlieferer gezählt wie normalerweise. Den Mitarbeitern werden Verhaltensregeln und Hygienevorschriften im Umgang mit den Anlieferern vorgegeben. Neben dem Abstandhalten zählt dazu unter anderem auch, dass die Mitarbeiter nicht beim Entladen der Fahrzeuge helfen dürfen.

Wie lange die Wertstoffhöfe in der Corona-Krise noch geöffnet haben, ist nicht sicher. „Die Entscheidung über eine Schließung wird situationsabhängig täglich neu bewertet“, teilt die AWS mit.

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