Im Kaufland Herrenberg ist Kühlmittel ausgetreten. Foto: SDMG

Im Kaufland kommt es zu zwei Großeinsätzen wegen ausgetretenem Kühlmittel. Mehrere Menschen haben Atemwegsreizungen. Der Markt muss schließen – am Samstag ist er wieder geöffnet.

Im Kaufland ist bei Handwerksarbeiten Kühlmittel ausgetreten. Nach einem ersten Großeinsatz in der Nacht auf Freitag musste die Feuerwehr am Morgen erneut ausrücken. Beide Einsätze zogen sich über mehrere Stunden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde ein Mensch verletzt, mehr als ein Dutzend Personen mussten vom Rettungsdienst untersucht werden.

 

Der Supermarkt an der Ecke Nagolder Straße/Schießtäle wird derzeit umgebaut, weswegen dort auch nachts gearbeitet wird. Wie Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei berichten, war es bei diesen Handwerksarbeiten kurz nach Mitternacht zu einer Leckage mit dem gasförmigen Austritt von Kühlmittel gekommen. Der zur Lebensmittelkühlung verwendete Stoff kann zu starken Reizungen der Atemwege führen.

Ein Augenzeuge spricht von 13 Verletzten

Laut Augenzeugen haben sich 13 Personen Atemwegsverletzungen zugezogen. Foto: SDMG

Laut Philipp Löffler, Pressesprecher der Feuerwehr Herrenberg, handelt es sich bei dem Kühlmittel um einen „hochflüchtigen Stoff“. Die Feuerwehr habe deshalb bei dem nächtlichen Einsatz „umfangreiche Abschiebe- und Messmaßnahmen“ durchgeführt. Dieser erste Einsatz war gegen 2.30 Uhr beendet. Laut Feuerwehr wurde dabei eine Person verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. „Die Feuerwehr übergab das Objekt an den Betreiber“, heißt es in Löfflers Bericht zum Abschluss dieses Nachteinsatzes, bei dem 32 Kräfte mit acht Fahrzeugen beteiligt waren.

Wie Löffler berichtet, nahmen dann gegen 7 Uhr, kurz vor der geplanten Marktöffnung, einige Mitarbeitende im Kaufland erneut Gerüche wahr. Diese wurden durch unkritische Ölrückstände ausgelöst, vermutet die Feuerwehr. Die Marktleitung habe dann zur Sicherheit erneut die Rettungskräfte alarmiert. Alle Mitarbeitenden wurden vom Rettungsdienst untersucht. Die Feuerwehr rückte mit 31 Kräften und zehn Fahrzeugen an. Die Polizei und ein Rettungshubschrauber, der einen Notarzt zum Einsatzort transportierte, waren ebenfalls vor Ort.

Auch nach dem Einsatz blieb der Kaufland-Markt am Freitag aus Sicherheitsgründen geschlossen. „Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die durch die Handwerksarbeiten entstandene Leckage zu reparieren“, teilt eine Pressesprecherin des Unternehmens mit Sitz in Neckarsulm in einer Stellungnahme mit. Bis zur endgültigen Freigabe durch die Behörden bleibe die Filiale geschlossen. „Wir gehen derzeit von einer Öffnung am morgigen Samstag aus. Wir bitten alle Kunden, die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Am Freitagabend teilte das Unternehmen dann mit, dass die Filiale am Samstag wieder aufmachen werde.

Laut einem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburgs musste bei dem zweiten Einsatz eine „zweistellige Zahl“ von Personen vom Rettungsdienst behandelt werden. Ein Augenzeuge sprach von 13 Betroffenen. Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Löffler konnten bei dem morgendlichen Einsatz jedoch alle Personen vor Ort behandelt werden und es musste niemand in ein Krankenhaus gebracht werden.

Entsprechend der Dimension dieses Einsatzes hatte die Herrenberger Feuerwehr Unterstützung von außerhalb angefordert. Neben dem eigenen, speziell für solche Umwelt- und Gefahrguteinsätze eingesetzten Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess) unterstützte auch das Sindelfinger Gegenstück (Florian Sindelfingen 1/94) die Herrenberger Wehr. Kreisbrandmeister Martin Amler war ebenfalls vor Ort, um die Arbeit der Rettungskräfte zu begleiten.

Für Herrenbergs speziell geschulte Einheit beim sogenannten Umweltschutzzug Süd war dies übrigens nach dem Reizgasalarm am 16. März an der Böblinger Eichendorffschule bereits ein weiterer Großeinsatz dieser Art innerhalb nur eines Monats.