Gutmütige Riesen: Die Leonberger Hunde gelten im Großen und Ganzen als sehr friedlich. Foto: Simon Granville

Groß, etwas kleiner, hell, dunkel – Leonberger Hunde sehen oft ganz unterschiedlich aus. Rund 120 Tiere mit ihren Halterinnen und Haltern aus 15 Nationen waren nun bei der Schau des Deutschen Clubs für Leonberger Hunde in Leonberg dabei.

Alma liegt ausgestreckt auf ihrer Decke und schaut auf die andere Seite der Absperrung. Sie ist erst in ein paar Minuten an der Reihe, noch ist Pause. Gleich aber wird ihr großer Moment kommen, wenn sie sich präsentieren und ihre Runden im Wiesenrechteck drehen darf. Ganz genau betrachtet wird sie dann, ihr Gang beäugt, außerdem werden mit einem beherzten Griff ihre Zähne kontrolliert. Dass sie noch nicht so gut mit den anderen kann, das wird schon noch. Alma ist schließlich erst gut neun Monate alt – dafür aber schon ziemlich groß, wie es Leonberger Hunde nun mal so an sich haben.

 

Eine echte Leonberger-Veteranin aus Weil der Stadt

Almas Frauchen heißt Marianne Wolf. Bei der großen Schau des Deutschen Clubs für Leonberger Hunde (DCLH) hat sich das Duo auf dem Vereinsgelände an der Bettelmannsreute am Rande des Bewertungs-Rechtecks niedergelassen. Während ihre Hündin als Jugendliche durchgeht, zählt die Weil der Städterin zu den echten Veteraninnen in Sachen Leonberger Hunde. „Das habe ich von meinem Großvater“, sagt die 75-Jährige, „und wenn man einmal Leonberger hatte, dann lassen einen die Hunde auch nicht mehr los.“ Ab und zu züchte sie auch, allerdings keineswegs regelmäßig.

Die Schau in Leonberg ist ein großes Familientreffen mit etwa 120 Hunden. Leonbergerbesitzer und -züchter aus 15 Nationen sind an diesem Wochenende zugegen, es wird gefachsimpelt – und man freut sich über ein Wiedersehen. So geht es zum Beispiel Metha Stramer, die zur Szenerie hinzustößt. Die inzwischen 82-jährige Niederländerin und ihr Gatte haben Anfang der 1960er-Jahre bei Marianne Wolfs Großvater ihre ersten beiden Leonberger erstanden. „In Hundebüchern hieß es zu der Zeit, dass das ja bloß eine Bernhardiner-Imitation sei und nur des Geldes wegen gezüchtet wurde“, sagt sie, „aber wir haben uns gedacht: Das kann ja nicht sein. Da wollten wir uns selbst ein Bild davon machen.“ Die Recherche, natürlich noch ohne Internet, habe mit vielen Briefwechseln und Telefonaten rund ein Jahr gedauert.

Blick ins Maul: Bei der Schau werden auch die Zähne der Hunde kontrolliert. Foto: Simon Granville

Bis sie selbst die Tiere züchten konnten, dauerte es danach abermals ein wenig. „Und dabei haben wir bemerkt, dass in den Niederlanden ja niemand diese Hunderasse kennt“, sagt Metha Stramer, die über die Jahre selbst einige Bücher über die Leonberger geschrieben hat. Man habe also kräftig Werbung machen müssen, was sich am Ende schließlich ausgezahlt habe. Inzwischen leben die Stramers in Frankreich – und haben nach wie vor zwei Hunde, die sie allerdings für ihren jährlichen Trip nach Leonberg zuhause gelassen haben. Auf sie passt ein Hundesitter auf.

Aus Frankreich, genauer gesagt aus Grenoble, ist auch Jerome Cuny angereist. Er züchtet seit 2006 Leonberger und ist mit zwei Tieren gekommen, eine davon ist die zweijährige Taikoo. Am anderen Ende von deren Leine steht Ruth Lintonsson aus Göteborg in Südschweden. Auch sie ist eine erfahrene Züchterin, die diesmal ihre Tochter Josefin Winther mitgebracht hat. Das französisch-skandinavische Gespann betont ebenfalls: Die Schau beim DCLH sei ein prima Weg, ins Gespräch zu kommen, auch wenn sie in den vergangenen Jahren etwas umfangreicher gewesen sei.

Gesprächsrunden kennen keine Grenzen

Die Gesprächsrunden auf dem Clubgelände kennen keine Grenzen. Dass die Schau eine internationale Angelegenheit ist – Ruth Lintonsson spricht von Leonberg als dem Mekka der Leonberger Hunde – zeigt sich schon beim Blick auf den gut gefüllten Park- und Campingplatz. Neben Kennzeichen aus den Niederlanden und Frankreich stehen dort auch Vehikel mit Nummernschildern aus Großbritannien oder Finnland. Die Leonberger Hunde, so hat es den Anschein, bringen auf einem kleinen Stückchen nasser Wiese die Welt zusammen.

Leonberger-Fachleute: (von links) Ruth Lintonsson und Josefin Winther sowie Jerome Cuny mit Hündin Taikoo Foto: Marius Venturini

„Richterinnen kommen in diesem Jahr auch aus Virginia und aus Dallas in den USA“, bekräftigt Stefan Pullmann, Vizepräsident des DCLH und am Tag der Schau zuständig für alles Mögliche: Melde-Angelegenheiten, Ansagen über das Mikrofon, Ausgabe der Bewertungsbögen und vieles, vieles mehr. „Es ist wirklich spannend, wer hier alles vorbeischaut.“ In der Tat sind die Hundehalter und -halterinnen gefühlt so unterschiedlich wie ihre Tiere.

Bewertet werden jedoch an diesem Tag ausschließlich die Hunde – Welpen, Heranwachsende und auch ältere Exemplare. Wer bei den Ausgewachsenen ein „vorzüglich“ holt, darf sich zum Beispiel über einen Paradehund freuen. Bei den Jüngeren beurteilen die Richter, wie die Anlagen dafür sind, am Ende ein harmonisches Erscheinungsbild zu haben. „Während sie heranwachsen, sehen die Hunde noch ein wenig durcheinander aus“, sagt Stefan Pullmann und lacht.

Richter nehmen sich Zeit vor allem für die jüngeren Hunde

Am Ende eines langen Tages zieht er eine positive Bilanz. „Die Richterinnen und Richter haben sich vor allem bei den jüngeren Hunden sehr viel Zeit genommen und ausführlich mit den Halterinnen und Haltern gesprochen. Für viele ist es schließlich der erste Leonberger“, so Pullmann. Auch, dass Tierarzt Dr. Marco Djordjevic von der Leonberger Kleintierpraxis Engelberg extra vorbeigeschaut hat, freut den Club-Vize. Der Veterinär stellte den ausländischen Haltern und Züchtern die notwendigen Dokumente für die Rückreise aus.