In diesem Bereich hinter dem Harzberg möchte die Stadt Großbottwar Strom aus Sonnenkraft gewinnen. Foto: Avanti/Ralf Poller)

Die Stadt Großbottwar im Kreis Ludwigsburg treibt die Pläne für eine große Freiflächen-Solaranlage voran. In Sachen Windkraft geht auf der Gemarkung auch ein Türchen auf.

Rund 75 Prozent des Strombedarfs in Großbottwar wird bereits aus regenerativen Quellen gewonnen. Zu verdanken sei diese hohe Quote insbesondere den zwei Biogasanlagen auf der Gemarkung, sagt der Bürgermeister Ralf Zimmermann. Und es ist gar nicht so abwegig, dass Herdplatten, Wärmepumpen, Kühlschränke und Co. in der Stadt bilanziell gesehen bald komplett nachhaltig mit Energie versorgt werden.

 

Hinter den Kulissen treibt die Kommune nämlich die Pläne für eine gewaltige PV-Anlage in den Weinbergen voran. Außerdem zeichnet sich ab, dass der Verband Region Stuttgart (VRS) auf der Gemarkung einen Standort für ein Windrad ausweisen wird. „Mit den Solarmodulen und der Windkraft würde rein rechnerisch bei uns sogar deutlich mehr Strom produziert als von den Verbrauchern abgenommen“, erklärt Ralf Zimmermann. Allerdings sind auf dem Weg dahin noch einige dicke Bretter zu bohren.

Fläche befindet sich in Schutzgebiet

„Das Hauptproblem bei der PV-Anlage ist, dass sich das Gebiet, das wir dafür für geeignet halten, in einem Landschaftsschutzgebiet befindet“, erklärt der Rathauschef. Deshalb führe man Gespräche mit dem Landratsamt, ob für das Vorhaben eine Freigabe in Aussicht gestellt werden kann. „Falls ja, würden wir als Voraussetzung für eine Umsetzung einen Bebauungsplan aufstellen und, sofern nötig, den Flächennutzungsplan ändern“, sagt Zimmermann. Ziel sei, die Module auf einer zehn bis zwölf Hektar großen Fläche zu montieren. Die Anlage hätte eine Gesamtleistung von grob geschätzt 10 000 bis 12 000 Kilowatt-Peak. Damit könnten nach Einschätzung von Fachleuten bis zu 4500 Haushalte mit grünem Strom beliefert werden.

Als Standort schwebt der Stadt ein Areal hinter dem Harzberg vor. „Ein Vorteil ist, dass die Fläche von der Stadt aus nicht einsehbar ist. Zudem lässt sich der Weinbau in bestimmten Lagen kaum noch auskömmlich betreiben. Insofern würde es den Weinbauern sogar entgegenkommen, wenn man die zehn Hektar aus der Bewirtschaftung nehmen würde und sie sich auf die Restflächen konzentrieren könnten“, erklärt der Bürgermeister. Die Bottwartaler Winzer hätten dafür ihren Segen gegeben, wollten aber nicht selbst als Bauherr agieren. Folglich läge der Ball bei der Kommune. Wahrscheinlich könne man das Projekt aber nur im Verbund mit einem Partner schultern, betont Zimmermann. „Wichtig wäre uns zudem, dass sich die Bürger beteiligen können“, fügt er hinzu. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass man zunächst noch mit den Eigentümern der Stückle handelseinig werden müsste.

Der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann will abklopfen, inwieweit die Nachbarkommunen beim Thema Windrad noch im Boot sind. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Eine Hürde, die sich bei einem Windrad in Großbottwar nicht auftürmen würde. Die Region kann sich aktuell im Forst in der Nähe des Hardy-Walderlebnispfads ein Vorranggebiet für Windkraft vorstellen, auf dem nach Einschätzung des VRS-Chefplaners Thomas Kiwitt maximal zwei Anlagen denkbar sind. Eine davon könnte auf Großbottwarer Gemarkung entstehen. Auf einem Terrain, das der Kommune selbst gehört.

Ursprünglich hatten bis auf Erdmannhausen alle Kommunen der Hardtwald-Betriebsgemeinschaft grünes Licht gegeben, zusammen den Bau von Windrädern in Angriff nehmen zu wollen. Das war allerdings zu einem Zeitpunkt, als man von rund acht Anlagen geträumt hatte. Die Region spielte dabei aber nicht mit, strich das mögliche Areal immer weiter auf nun nur noch zwei Hektar zusammen, weshalb die Karten neun gemischt werden könnten. „Wir müssen jetzt mit unseren Nachbarn sprechen, ob wir das Thema noch interkommunal anpacken sollen“, sagt Zimmermann. Falls die anderen Städte und Gemeinden abspringen, sich der Betrieb eines Windrads aber als wirtschaftlich herausstellen sollte, könne man darüber nachdenken, wie sich ein solches in Eigenregie Vorhaben stemmen ließe.

Genossenschaftliches Modell denkbar

Denkbar wären für Zimmermann mehrere Modelle. Man könne beispielsweise einen Investor mit ins Boot holen oder vielleicht auch ein genossenschaftliches Modell wie beim bislang einzigen Windrad im Landkreis Ludwigsburg in Ingersheim forcieren. Zudem könnten sich mit der geplanten PV-Anlage in den Weinbergen in der Nähe Synergieeffekte ergeben, betont Zimmermann. Für das Windrad, über das wohl nochmals bis zu 4500 Haushalte mit Strom versorgt werden könnten, müsste ein kleines Umspannwerk installiert werden, an das dann auch die Solarmodule angedockt werden könnten. „Andernfalls müssten erst Leitungen zu der PV-Anlage gelegt werden“, gibt Zimmermann zu bedenken.

Darüber hinaus könnten Windrad und Solaranlage beziehungsweise der grüne Strom daraus womöglich ins Portfolio der Energiegesellschaft eingegliedert werden, die Großbottwar mit den Stadtwerken Calw unlängst aus der Taufe gehoben hat. Ziel der Allianz ist schließlich die Förderung, Vermarktung und der Ausbau nachhaltiger Energiequellen. „Das wäre denkbar. Wichtig ist auf jeden Fall, dass der Ertrag der Bürgerschaft zugutekommt“, erklärt Ralf Zimmermann.

Gesetzesänderung in Sicht

Schutzgebiet
Das Landratsamt Ludwigsburg erklärt zu dem Wunsch nach einer PV-Anlage hinter dem Harzberg, dass dafür das Landschaftsschutzgebiet in dem betroffenen Bereich aufgehoben werden müsste. Anschließend müsse ein Bebauungsplan der Stadt Großbottwar an seine Stelle treten. Zumindest nach derzeitiger Rechtslage.

Empfehlung
„Wir wollen uns der PV-Anlage an dieser Stelle nicht grundsätzlich verschließen“, betont Kreishaus-Pressesprecherin Franziska Schuster. Man habe der Stadt aber empfohlen, eine im Raum stehende Gesetzesänderung abzuwarten, „die dann das Errichten einer PV-Anlage trotz bestehendem Landschaftsschutzgebiet ermöglichen soll. Wir gehen davon aus, dass die Gesetzesänderung in absehbarer Zeit erfolgen wird.“ Allerdings bräuchte die Stadt auch dann das Plazet aus dem Kreishaus, und zwar für den Bauantrag.