Wenn der Esslinger Marktplatz bis 2027 umgestaltet wird, soll er nicht nur attraktiver, sondern auch „autoarm“ werden. Foto: Roberto Bulgrin

Wenn Esslingen 2027 sein Stadtjubiläum feiert, soll der Marktplatz in neuem Glanz erstrahlen. Jahrelang wurde die Aufwertung der zentralen Veranstaltungsfläche angemahnt – nun will die Stadt loslegen. Aus dem Gemeinderat gibt es viele positive Signale.

Die Zeit drängt: Bis zum Stadtjubiläum 2027 soll sich der Esslinger Marktplatz so attraktiv wie lange nicht präsentieren. Gelingt bis dahin der geplante große Wurf, könnte die Stadt eine Diskussion beenden, die die Esslingerinnen und Esslinger schon lange beschäftigt. Viele beklagen seit langen Jahren, dass eine gestalterische Aufwertung dringend nötig sei. Nun will die Stadt in den kommenden Jahren 11,2 Millionen Euro investieren. Als der gemeinderätliche Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) die Pläne erstmals öffentlich diskutierte, waren die Reaktionen positiv – vor der finalen Ratsentscheidung am 10. Februar zeichnet sich eine klare Mehrheit ab. Manche Ratsmitglieder merkten allerdings süffisant an, dass die Verwaltung das Thema reichlich lange vor sich her geschoben habe.

 

OB Matthias Klopfer verspricht sich vom neuen Marktplatz „eine dauerhafte Verbesserung der Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger“. Zum Stadtjubiläum vor 50 Jahren habe die Stadt die Burg hergerichtet – 2027 sei ein schöner Anlass, nun den Marktplatz auf Vordermann zu bringen. Klopfer verhehlte nicht, dass die Innenstadt und ihre Bewohner bis 2027 vor großen Herausforderungen stehen, zumal auch die Bebauung des Karstadt-Areals und der Fernwärme-Ausbau anstehen: „Das geht nur mit viel Verständnis und gegenseitiger Rücksicht.“ Die Neugestaltung des Marktplatzes sei „ein Aufbruchsignal, dass wir an die Zukunft der Innenstadt glauben“.

„Ein neuer Wohlfühlraum“

So soll der Esslinger Marktplatz künftig aussehen. Foto: Visualisierung Loomn Architektur/Jost Hauer

Michael Höger, der frühere Leiter der Abteilung Planung, Bau und Sanierung im Grünflächenamt, hatte im April 2024 erste konzeptionelle Überlegungen vorgestellt. Auf deren Grundlage haben Yvonne Bast-Schöning, Abteilungsleiterin Städtebau im Stadtplanungsamt, und ihr Team zusammen mit den Esslinger Landschaftsarchitekten Gänssle und Hehr einen Entwurf erarbeitet, der nun im ABMK diskutiert wurde und einhellige Zustimmung fand. Stefanie Schantze (CDU) zeigte sich „grundsätzlich froh, dass sich beim Marktplatz endlich etwas bewegt“. Ärgerlich findet sie nur, dass das Projekt „im Schnelldurchlauf“ realisiert werden muss, obwohl lange klar ist, dass sich etwas tun muss. Aspekte wie die Abstimmung mit dem Wochenmarkt, Sicherheitsvorkehrungen, laufende Kosten für das Fontänenfeld, die Verschmutzungsanfälligkeit des Pflasterbelags oder die Anregungen des Bürgerausschusses Innenstadt zur Möblierung müssten trotzdem sorgsam bedacht werden.

„Große Chance für die Stadt“

Für den Weihnachtsmarkt wird die Marktplatz-Erneuerung Pause machen. Foto: Roberto B/ulgrin

Michael Weinmann (Freie Wähler) lobte die „hervorragende Planung“. Ihn interessieren die Kosten für Betrieb und Wartung des Fontänenfelds, die Befahrbarkeit des Platzes durch schwere Feuerwehrfahrzeuge, die laut Sigel aber gewährleistet ist, und der Reinigungsbedarf beim Pflaster. Rena Farquhar (FDP/Volt) freut sich, dass das Stadtjubiläum Bewegung in die Sache bringt: „Wenn wir das so hinbekommen, wie es geplant wird, ist das ganz wunderbar.“ Bedauerlich findet sie, dass der Kleine Markt ob der Kürze der Planungszeit nicht einbezogen wurde: „Der muss auch auf die Agenda.“ Gerne würde Farquhar Informationsstelen am Marktplatz sehen. Tobias Hardt (Linke/FÜR) sieht „ein Konzept, von dem alle etwas haben“. Seine Frage, was die Umgestaltung des Marktplatzes für die alljährliche Mai-Demonstration des DGB bedeute, blieb unbeantwortet. Jürgen Häußler (AfD) spürt, „dass die Planer mit viel Herzblut dabei sind“. Er wünscht sich entlang der Abt-Fulrad-Straße höhere Bäume. Und Hermann Beck (WIR/Sportplätze erhalten) lobte eine zeitgemäße und zukunftsfähige Planung. Zweifel hat er, ob sich der anvisierte Fertigstellungstermin Pfingsten 2027 halten lässt.

Wissenswertes zum Marktplatz der Zukunft

Idee
 Der neue Marktplatz soll als „moderne Multifunktionsfläche im Herzen der Stadt“ zum zentralen Treffpunkt aller Bürgerinnen und Bürger werden. Er soll die historische Umgebung in Szene setzen und eine Kulisse für Events aller Art bieten. Künftig wird der Marktplatz „autoarm“ gestaltet: Bis auf die Zufahrt zur Tiefgarage Kleiner Markt und wenige Behindertenparkplätze spielen Autos keine Rolle mehr.

Pläne
 Ein heller Pflasterbelag wird den bisherigen Asphalt-Flickenteppich ersetzen und den Platz im Sommer weniger stark aufheizen. Zusätzliche Bäume spenden Schatten, begrünte Baumbeete sorgen für Flair. Ein Fontänenfeld und ein Trinkwasserbrunnen bringen Abkühlung. Rings um den Marktplatz gibt es künftig rund 300 Quadratmeter mehr Fläche für die Außengastronomie. Größere Bänke an den Baumbeeten laden zum Verweilen ein. Der neue Marktplatz wird barrierefrei gestaltet, ein Blindenleitsystem bietet Sehbehinderten Orientierung. Dezente Lichtinszenierungen heben die historische Bedeutung des Platzes hervor.

Infos
 Die Stadt lädt am Dienstag, 4. Februar, um 17.30 Uhr zur Informationsveranstaltung ins CVJM-Haus in der Kiesstraße ein. Einlass ist ab 17 Uhr. OB Matthias Klopfer, Baubürgermeister Hans-Georg Sigel und die Planer werden dort die detaillierten Pläne vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen. Zur Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich unter www.esslingen.de/infoveranstaltung-marktplatz