Große Landesausstellungen ohne Landesbezug: Ägyptische Mumien in Stuttgart (2007/2008). Foto: dpa

Mal standen die Vandalen im Fokus, mal die alten Syrer: Thematisch überschritten die Großen Landesausstellungen zuletzt oft die Landesgrenzen. Das soll sich ändern: Grün-Rot schränkt die Schauen thematisch und finanziell ein.

Stuttgart - Die elf staatlichen Museen im Südwesten müssen ihre Großen Landesausstellungen thematisch abspecken. Dies sieht ein Reformkonzept vor, das Kunststaatssekretär Jürgen Walter (Grüne) jetzt mit den Direktoren der Landesmuseen erörtern will.

„Ich finde, dass wir zu viele dieser Ausstellungen haben“, sagte Walter unserer Zeitung. Im vergangenen Jahr fanden fünf solche Veranstaltungen statt – unter anderem die derzeit noch laufende Kelten-Schau. In den nächsten vier Jahren sind jeweils vier Große Landesausstellungen geplant. Ob es dabei bleibt, ist allerdings noch offen: Künftig sollen zwei dieser kulturellen Groß-Events pro Jahr ausreichen.

Großen Wert legt das Kunstministerium auf die Rückbesinnung auf landesspezifische Themen. „Es gab zu viele Schauen, die keinerlei Bezug zum Land hatten“, sagte Walter. Die Veranstaltungen sollten wieder auf ihre ursprüngliche Idee zurückgeführt werden und landesgeschichtliche Themen mit überregionaler Bedeutung darstellen.

Diese Kritik war etwa im Winter 2009/2010 aufgekommen, als das Landesmuseum Württemberg „Schätze des Alten Syrien“ gezeigt hatte. Das Badische Landesmuseum widmete sich zur selben Zeit dem Königreich der Vandalen.

Auch bei der Schau „Ägyptische Mumien – Unsterblichkeit im Land der Pharaonen“ (Stuttgart) oder bei der Präsentation von Funden aus dem alten Anatolien (Karlsruhe) tauchte die Frage nach dem Landesbezug auf.

Kunstsammlungen oder völkerkundliche Häuser wie das Stuttgarter Linden-Museum könnten die Anforderung des Landesbezugs ohnehin nicht erfüllen

Zwar verfolgen die Ausstellungen seit ihrer Einführung 1977 auch den Zweck, den Museen die Möglichkeit zur Präsentation ihrer Bestände zu geben. Walter räumt auch ein, dass Kunstsammlungen oder völkerkundliche Häuser wie das Stuttgarter Linden-Museum die Anforderung des Landesbezugs ohnehin nicht erfüllen können. Um sie nicht zu benachteiligen, soll es deshalb künftig das Instrument der Großen Sonderausstellung geben.

Ob diese Reform, die Walter am 18. Februar mit den Direktorinnen und Direktoren erörtern will („noch ist nichts beschlossen“), lediglich ein Etikettenwechsel ist, wird derzeit in den staatlichen Museen heiß diskutiert. „Wenn sie nicht zulasten der anderen Häuser geht, finde ich die Beschränkung der Großen Landesausstellungen auf landesspezifische Themen sinnvoll“, sagt etwa Thomas Schnabel, der Chef des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg.

Auch seine Kollegin Cornelia Ewigleben vom Landesmuseum Württemberg hat prinzipiell nichts gegen die Reform: „Es ist richtig, das Profil der Großen Landesausstellungen zu schärfen und sie auf landesgeschichtliche Themen zu beschränken.“ Allerdings pocht sie gleichfalls darauf, dass auch die Kunstsammlungen die Möglichkeit haben, mit dem Siegel „Land“ für ihre Sonderschauen zu werben – und natürlich Zuschüsse anzuzapfen. Das allerdings ist der neuralgische Punkt der Pläne. Denn in den Museen fragt man sich, ob der Etikettenwechsel der Auftakt für eine weitere Sparrunde ist. Grund dazu haben die Häuser, denn für den Haushalt 2013/2014 hat Grün-Rot bereits Kürzungen vorgenommen: Bei den Großen Landesausstellungen, die bisher rund 3,6 Millionen Euro erhielten, werden ab 2014 rund 580.000 Euro eingespart.

Misstrauen ist groß

Das hat zum Beispiel zur Folge, dass das Haus der Geschichte die geplante Ausstellung über den Ersten Weltkrieg in Südwestdeutschland nur mit großzügiger Hilfe des Fördervereins zeigen kann. Federn lassen müssen aber auch die für 2015 geplante Pfahlbauten-Ausstellung sowie die in der Baden-Badener Kunsthalle geplante Präsentation des Phänomens Kurhotel.

Das Misstrauen ist auch deshalb groß, weil die Höhe der Zuschüsse für eine Große Landesausstellung hinter verschlossenen Türen bestimmt wird. Niemand in den Museen weiß so genau, warum etwa die Konstanzer Konzilsausstellung den Betrag x, die Schlemmer-Schau aber den Betrag y erhält. Bekannt ist lediglich, dass historische Themen wegen ihrer aufwendigeren Präsentation mit höheren Zuschüssen rechnen können. Welche Rolle der Einfluss örtlicher Abgeordneten spielt, ist jedoch alles andere als transparent.

Einstweilen haben die Museen immerhin das Bekenntnis von Staatssekretär Walter, dass die Neukonzeption nichts an der Finanzierung ändern werde. Doch klar ist auch: Schon im Herbst soll es einen Nachtrag geben, und da werden die Karten neu gemischt.

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