Es ist wieder Normalität eingekehrt auf dem Betriebsgelände der Firma Kaatsch. Foto: Philipp Braitinger

Knapp eine Woche nach dem Feuer auf einem Schrottplatz im Plochinger Hafen sind die Ermittlungen zur Ursache abgeschlossen. Hinweise auf Brandstiftung gibt es laut Polizei nicht. Die betroffene Firma sieht nur einen sicheren Weg, eine Wiederholung zu verhindern.

Plochingen - Seit Donnerstag laufen wir wieder normal“, sagt Ralph Wager von der Geschäftsleitung der Wertstofffirma Kaatsch in Plochingen. Auf dem Betriebsgelände des Unternehmens sorgte ein Brand in der vergangenen Woche für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Stundenlang waren die Einsatzkräfte in der Nacht zum Mittwoch und bis in den Vormittag hinein damit beschäftigt, ein Feuer mit bis zu 15 Meter hohen Flammen zu löschen. Nach Angaben des Plochinger Feuerwehrkommandanten Michael Fuchs wurde der Brand am effektivsten mit Wasser von oben bekämpft. Dafür setzte die Feuerwehr auch zwei Drehleitern ein, die mit je einem Löschtrupp samt Schlauch bestiegen wurden. „Wir hatten Glück, dass das Feuer komplett im Freien war und sich nicht ausgedehnt hat“, sagte Fuchs am Montag.

 

Lastwagenfahrer alarmierte die Feuerwehr – und seine Kollegen

Gemeldet wurde das Unglück gegen 3.15 Uhr von einem Lastwagenfahrer des Unternehmens, der seine Fahrt beginnen wollte. Er alarmierte neben der Feuerwehr auch die Baggerfahrer der Firma. Im Einsatz waren rund hundert Feuerwehrleute aus Plochingen, Esslingen, Ostfildern, Nürtingen und Deizisau mit 17 Fahrzeugen. Die Rauchwolke des Brands war weit zu sehen. Dass die Löscharbeiten so lange dauerten, lag auch daran, dass ein Bagger in einem rund 200 Tonnen schweren Haufen aus Misch- und Haushaltsschrott zunächst Zugänge zu den Brandherden, die mit Wärmebildkameras ermittelt wurden, schaffen musste. Zum Löschen nutzte die Feuerwehr Neckarwasser.

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Erste Vermutungen zur Brandursache lauteten, dass ein falsch entsorgter Lithium-Ionen-Akku, wie er in Mobiltelefonen, Notebooks oder Spielzeugen verbaut wird, für den Ausbruch des Feuers gesorgt hatte. Der gelagerte Stahlschrott enthält nach Wagers Angaben 15 bis 20 Prozent „Fremdanhaftungen“, also andere Stoffe wie Plastik, Textilien und Holz. „Das ist der Teil, der brennt“, so der Geschäftsführer. Irgendwann erreiche die Hitze 1500 Grad Celsius, sodass auch Stahl schmelze. Die Wasserschutzpolizei aus Stuttgart war ebenfalls vor Ort und ermittelte zur Brandursache. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Einsatz mit Sitz in Göppingen, zu dem organisatorisch auch die Wasserschutzpolizei gehört, sind die Ermittlungen abgeschlossen. „Man geht von einer Selbstentzündung aus“, sagt der Sprecher Jens Czechtizki. Anzeichen, dass der Brand gelegt worden sei, gebe es nicht. Den Schaden beziffert die Polizei mit 350 000 Euro.

Gefahr durch Rauch nur im näheren Umfeld

Eine Gefahr durch giftigen Rauch bestand den Angaben zufolge nur im näheren Umfeld des Brandes, nicht aber für die Öffentlichkeit. Die Einwohner Plochingens und umliegender Orte waren dennoch vorsorglich über Warnapps und Meldungen im Radio aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Am Morgen nach dem Brand konnte die Firma zunächst keine Lieferungen mehr annehmen. Die Lastwagenladungen mussten an andere Standorte, an Partnerunternehmen und zu Kunden umgeleitet werden. Zwischen 1000 und 1500 Tonnen Material würden üblicherweise täglich angeliefert, sagte Wager. Man habe dennoch „Glück im Unglück“ gehabt. Es seien keine Personen zu Schaden gekommen und keine Umweltschäden verursacht worden. „Alle haben richtig reagiert“, so Wager.

Aufruf zu verantwortungsvoller Mülltrennung

Seit einigen Jahren verursachen unsachgemäß entsorgte technische Geräte immer wieder für Brände in Recyclinganlagen, vor allem an den Schreddermaschinen. Meist geht alles glimpflich aus. Dass es nun zu einem Großbrand gekommen ist, war auch für Wager eine neue Erfahrung. „Das muss man nicht haben“, sagte er. In diesem Fall habe eine kleine Ursache zu einem großen Unglück geführt. Verhindern ließe sich eine Wiederholung aus seiner Sicht durch eine verantwortungsvolle Mülltrennung.

Gefährliche Bauteile

Brandursache
Vermutet wird, dass sich ein falsch entsorgter Akku selbst entzündet und das Feuer bei der Plochinger Recyclingfirma ausgelöst hat. Elektrische Geräte sollten nicht in den Hausmüll geworfen, sondern bei Wertstoffhöfen, Schadstoffmobilen oder im Elektrohandel zurückgegeben werden.

Akkus
Lithium-Ionen-Akkus sind zwar leicht und klein. Das Metall ist aber sehr reaktionsfähig und leicht brennbar. Durch die hohe Energiedichte komm es immer wieder zu einem sogenannten Thermischen Durchgehen. Ein Kurzschluss oder eine Überladung in einer Kettenreaktion sorgen innerhalb von Sekundenbruchteilen für ein Aufheizen, das in einer Stichflamme mündet.

Kaatsch
Das Unternehmen mit rund 140 Mitarbeitern recycelt seit Jahrzehnten Wertstoffe in Plochingen. 2018 hatte die Firma ihre neue, mehr als 5000 Quadratmeter große Lagerhalle zwischen Neckar und B 10 in Betrieb genommen.