Foto: Hans-Wolfgang Bock

Vor kurzem hatte der Historische Verein Bottwartal zu einer Führung in Liebenstein mit dem Historiker Frank Merkle eingeladen.

 

Durch das heutige Eingangstor ging es in den Oberen Schlosshof, wo die Anfänge Liebensteins im Hochmittelalter geschildert wurden. Um 1235 begann der Bau des Bergfrieds (Turm), eines Wohnhauses und der Umgebungsmauer der alten Burganlage unter Albrecht I. von Liebenstein (gest. 1261). Der Bau einer Burg im Hinterland des Neckars war ungewöhnlich, doch wurde diese untere Kernburg wegen Streitigkeiten (1234/35) zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II. und seinem Sohn, König Heinrich (VII.), erstellt. Nach Beendigung des Familienstreits hatte die Burg Liebenstein auch ihre Funktion verloren und ein Baustopp trat ein. Albrecht von Liebenstein stiftete auch das heute abgegangene Kloster Itzingen. Durch Erbteilung 1445 wurde die große Burganlage unter zwei Brüdern aufgeteilt. In der unteren Burg lebte nun ein weiterer Albrecht von Liebenstein. Aus dieser Linie stammte auch der berühmteste Liebensteiner: Jakob von Liebenstein (1462-1508), Kurfürst und Erzbischof von Mainz und Reichskanzler des Hl. Römischen Reiches. Die Liebenstein fingen in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts an, einen zweiten Besitzschwerpunk zu bilden. 1467 wurde Jebenhausen bei Göppingen erworben und damit dort der Grundstein für die jahrhundertelange liebensteinische Herrschaft gelegt. Es blieb ihr wichtigstes Zentrum, insbesondere nachdem sie 1678 ihre Stammburg den Herzögen von Württemberg überließen. 1686 wurde das bis heute erhaltene, Barockschloss Liebenstein in Jebenhausen errichtet und es ist heute immer noch Wohnsitz einer Liebensteiner Linie. Im 16. und frühen 17. Jahrhundert wurden auf Liebenstein umfangreiche Bautätigkeiten durchgeführt. Riesige Wirtschaftsgebäude und die einzigartige Kapelle entstanden, die Wohnbauten wurden im Stil der Renaissance umgestaltet. Ihr heutiges Aussehen verdankt die ganze Anlage dieser Zeit. Das 19. Jahrhundert brachte politische und gesellschaftliche Umbrüche für den Adel, der seine Sonderrechte einbüßte, aber seinen Privatbesitz behielt. 1985 ging die Neckarwestheimer Schlossanlage in den Besitz der Schloss Liebenstein GmbH & Co. KG. Die ehemalige landwirtschaftliche Domäne beherbergt heute eine Golfplatzanlage. Auf dem Weg zur unteren Burg befand sich die ehemalige Zehntscheuer des Oberen Schlosses,1557 in der Renaissance-Umbauphase errichtet. Auch die anderen umliegenden Wirtschaftsgebäude wie das der Küferei (Bandhaus, in dem die Weinfässer gebunden werden) und das Schafhaus erhielten ihren bis heute prägenden Baustil. In dieser Scheune wurde hauptsächlich Getreide eingelagert. Der Zehnt war damals die Steuer, die von den Grundbesitzern auf den Rohertrag von Äckern und Weinbergen erhoben wurde. Liebenstein hatte keine eigenständige Kelter. Damals wurde die Zehntscheuer für Weinpressen genutzt wegen des dort ausreichenden Platzes für die massiven Kelterbäume. Der Weinbau spielte im Neckar- und Bottwartal eine wichtige Rolle. Beeindruckend die freistehende, 1599 erbaute Schlosskapelle: Sie gilt als ein herausragendes, kunsthistorisch bedeutendes Kulturdenkmal der württembergischen Renaissance. Unvermögende Liebensteiner hätten sie sich nicht leisten können. Nur der Bergfried aus lokalen Muschelkalkblöcken ist von der alten Kernburg noch erhalten. Er weist nur Steine mit glatter Oberfläche und keine staufertypischen Buckelquader auf. Der original erhaltene Hochzugang ist in 6,50 Metern Höhe angebracht. Nach der Besteigung des Turmes ging es, vorbei an Schafhaus und Reiterhaus, zurück in den Oberen Schlosshof. Die Verbindung des Großbottwarer Bauernführers Matern Feuerbacher mit den Liebensteinern im Bauernkrieg 1525 bestand in der Ausstellung eines Schutzbriefes, der die Plünderung und Zerstörung Liebensteins verhinderte. Großen Applaus gab es für Frank Merkle, der in lockerer Art die 800-jährige Geschichte des Liebensteiner Adelsgeschlechts näherbrachte.

Hans-Wolfgang Bock

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