Die 29 Tonnen schwere Brunnenstube für den Esslinger Marktplatz ist jetzt an ihrem Platz. Für den Weihnachtsmarkt wird die Grube Mitte November kurzfristig zugeschüttet und asphaltiert.
Der Schwertransport mit der 29 Tonnen schweren Brunnenstube stand lange im Stau auf der Autobahn. Als er mit rund einstündiger Verspätung eintraf, stand der schwere Kran schon auf dem Esslinger Marktplatz bereit. „Das schwere Betonteil muss jetzt zentimetergenau in die Grube gehievt werden“, erklärte der Projektleiter Norbert Seidel. Die Arbeiter hatten pinkfarbene Markierungen in der Grube aufgebracht. „Auf gar keinen Fall“ dürfe die Brunnenstube die Ränder der Baugrube berühren.
Aus der Brunnenstube wird künftig nicht nur das Fontänenfeld auf dem neuen Marktplatz mit Wasser versorgt. Auch die Bewässerung der Bäume wird so automatisch gesteuert. Als der Koloss über die ausgehobene Grube am Marktplatz vor der Stadtkirche schwebte, sammelten sich Schaulustige um das Baufeld. An Stahlseilen und schweren Haken war der Fertigbaukörper aus Beton befestigt. Immer wieder korrigierte der Bauleiter die Richtung, ließ den Kranführer in der Kabine nachsteuern. Da ging es um Details: „Weiter nach rechts.“
Die exakte Platzierung ist nach Norbert Seidels Worten auch deshalb wichtig, „weil auf dem Marktplatz die Grundmauerreste des ehemaligen Katharinenhospitals zu finden sind. Das mittelalterliche Gebäude wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf den Marktplatz verlegt; Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Bau abgerissen. Um die Bausubstanz zu erhalten, begleitet der Denkmalschutz die Arbeiten.
Historische Mauerreste des ehemaligen Spitals in Esslingen bleiben erhalten
„Unser Ziel bei der Neugestaltung des Marktplatzes ist es, die historischen Mauerreste zu sichern und zu erhalten“, sagt Uwe Heinemann, der das Tiefbauamt der Stadt Esslingen leitet. An einem Rand der Baugrube ist ein Mauerrest zu sehen. Beim Ausheben der Grube waren immer Fachleute des Landesdenkmalamts dabei. „Nach jedem Baggerbiss haben sie die Stelle fotografiert und die Funde dokumentiert“, schildert Heinemann die spannende Zusammenarbeit. Das brauche zwar Zeit, gab der Fachmann zu bedenken. Aber der Erhalt historischer Mauern habe für ihn und sein Team hohen Stellenwert.
Beim Einbau der Brunnenstube legten die Arbeiter mächtig Tempo vor. „Zeit ist Geld“, sagte Projektleiter Seidel. Denn die Miete für den Spezialkran ist teuer. Das Team der Baufirma stand schon ab 6 Uhr morgens bereit. Als die Brunnenstube samt Abdeckung dann nach 7 Uhr eintraf, legten die Arbeiter gleich los. Trotz der Verspätung ging der Einbau dann zügig voran. Als die Brunnenstube passgenau in die Grube eingebracht war, kletterten zwei Männer mit Leitern ins Innere, um das Dichtungsband aufzubringen. Sie saßen auf der Mauer, lösten die weiße Folie vom schwarzen Material und bewegten sich schnell um die zwei Kammern herum. Die Leitern hoch- und herunterzuklettern, meisterte das Team der Baufirma leicht und schwindelfrei.
Derweil hatten die Haken des Krans schon die zwölf Tonnen schwere Abdeckung der Brunnenstube vom Schwertransporter in die Luft gehievt. Auch dieses Teil landete passgenau auf der Brunnenstube. „Was noch jetzt fehlt, ist die gesamte Technik“, sagte Projektleiter Seidel. Weil der mittelalterliche Weihnachtsmarkt vor der Tür steht, der jedes Jahr etwa eine Million Besucher anzieht, wird die Grube zunächst wieder zugeschüttet. „Bis Mitte November muss die Grube zugeschüttet und asphaltiert sein“, schildert Heinemann den straffen Zeitplan. Denn dann füllt sich der Platz mit Ständen und Marktbummlern.
Im Frühjahr wird die Grube dann wieder aufgemacht, und der Einbau der Technik geht weiter. Vor dem Weihnachtsmarkt 2026 muss die Grube dann nach Heinemanns Worten ein weiteres Mal geschlossen werden, bevor der Brunnen dann 2027 zum Stadtjubiläum in Betrieb gehen kann. Der strenge Termindruck macht die Arbeiten nach Heinemanns Worten „herausfordernd“. Da ist exakte Planung gefragt.
Der Esslinger Marktplatz wird zum belebten Zentrum
Projektleiter Norbert Seidel freut sich, dass er die lange geplante Neugestaltung des Marktplatzes noch vor seinem Ruhestand realisieren darf. Er findet es spannend, den bislang eher schmucklosen Platz vor der schönen Kulisse der Fachwerkbauten mit Leben zu erfüllen. Das Fontänenfeld mit der Brunnenstube allein kostet voraussichtlich 700 000 Euro. Ein besonderes Augenmerk haben die Planer auf die Technik gelegt. „Da in dem Brunnen Kinder spielen, muss die Wasserqualität einwandfrei sein.“ Wann und wie lange die Fontänen in Betrieb sein werden, steht nach Seidels Worten noch nicht fest. Tagsüber werde der Marktplatz mit den Wasserspielen auf jeden Fall belebt, wenn die Temperaturen entsprechend hoch seien.