Die Baustelle in der Ortsdurchfahrt stellt die Einwohner und auch die Geschäftsleute des Leonberger Teilorts vor einige Herausforderungen. Vor allem der Ausweichverkehr erhitzt die Gemüter.
Die Baustellen-Kiebitze sind allgegenwärtig. Egal, ob der Weg am Mittwochmorgen zu den Ständen auf dem Höfinger Marktplatz führt, zur Metzgerei, zum Bäcker, zum Optiker oder zum Getränkemarkt auf der anderen Seite der Pforzheimer Straße – so mancher schaut ganz genau hin. Wird auf der Baustelle auch ordentlich gebaggert und gebuddelt? Schließlich soll die Sperrung aufgrund der Arbeiten dort bis ins Frühjahr 2025 andauern. Unter anderem wird der Entwässerungskanal ausgetauscht, zudem werden Wasserversorgungs- und Stromleitungen verlegt. Bei der Gelegenheit wird die Straße auf einer Länge von rund 300 Metern auch optisch aufgehübscht.
Bürgerinitiative: Aktuelle Situation ist eine „Zumutung“
Gründe, genau hinzuschauen, haben viele. Zum Beispiel die Mitglieder der Bürgerinitiative Verkehrsberuhigung Höfingen. Sie bezeichnen die aktuelle Situation als „Zumutung“ und beziehen sich auf den Ausweichverkehr, der sich seit Beginn der Bauarbeiten vor gut zwei Wochen durchs Wohngebiet an der Sonnen- und der Goldäckerstraße zwängt – und damit direkt entlang des Schulweges für die Grundschulkinder. Die Initiative fordert daher ein Durchfahrtsverbot für Nicht-Anlieger sowie Kontrollen, vor allem morgens und abends.
Ein weiterer Vorschlag sind Schülerlotsen für die Schulwege sowie temporäre Zebrastreifen. Auch weitere Zuschriften, die unsere Zeitung erreicht haben, belegen: Das Problem wird wahrgenommen. „Richtig gefährlich“ sei die Situation speziell morgens vor Schulbeginn, schreibt zum Beispiel Wolfgang Keil, Anwohner der Ulmenstraße.
Die eigentliche, großräumige Umleitung hatte die Stadtverwaltung anders erdacht: ab Ditzingen über die Feuerbacher Straße durch Leonberg sowie über die Rutesheimer Straße bis Rutesheim. In Gegenrichtung von Rutesheim aus soll es über Gebersheim jeweils durch Leonberg hindurch sowie über die Feuerbacher Straße bis Ditzingen gehen. Nur wenige orientieren sich daran.
Anwohner dürften mit den städtischen Maßnahmen nicht zufrieden sein
Das weiß man auch im Rathaus, wie die Antwort der Stadtverwaltung auf eine entsprechende Nachfrage zeigt. Leila Fendrich, stellvertretende Pressesprecherin, schreibt: „Die Stadtverwaltung hat bereits nachgebessert: So wurden in der Goldäckerstraße Halteverbote ausgeweitet, um den sich begegnenden Fahrzeugen mehr Platz auf der Fahrbahn zu geben und so ein Überfahren des Gehwegs zu verhindern.“ Ob das den Unmut der Anwohnerinnen und Anwohner dämpft, darf bezweifelt werden.
In der Sonnenstraße sei laut Fendrich zudem eine Einbahnregelung umgesetzt worden, welche den Begegnungsverkehr verhindern solle. „Auf einem kurzen Stück der Uhlandstraße wird ebenfalls eine Einbahnregelung kommen, damit der Verkehr die Lachentorstraße nutzt – unabhängig davon, ob es sich um Verkehrsteilnehmende aus Höfingen oder Durchgangsverkehr handelt“. Diese Straße könne auch stärkere Verkehrsmengen bewältigen. „Die Situation in der Goldäckerstraße wird vom Tiefbauamt und durch den Vollzugsdienst im Auge behalten“, so Fendrich. Und weiter: „Leider stehen in dieser Straße keine Gehwege auf beiden Seiten der Straße zur Verfügung, sodass hier keine provisorischen Querungsmöglichkeiten geschaffen werden können.“
Geschäftsleute haben Schwierigkeiten – mal größere, mal kleinere
Mit ganz anderen Schwierigkeiten müssen derweil die Geschäftsleute an der Pforzheimer Straße klarkommen. Nicht nur, dass sie die lärmende Baustelle nur wenige Meter vor den Eingangstüren haben. Bemerkbar werden die Einschränkungen hier und da auch beim Kundenaufkommen. Roland Hess, Inhaber der Metzgerei direkt am Baustellen-Anfang, sagt: „Die Stammkunden finden immer einen Weg, aber die Laufkundschaft fällt weg.“ Es habe bei vielen die Runde gemacht, dass in Höfingen derzeit Chaos herrsche und niemand mit dem Auto durchkomme. „Also kaufen viele einfach gleich woanders ein.“
Für Hess ist allerdings sonnenklar: Dass die Baustelle notwendig ist, darüber brauche man überhaupt nicht zu diskutieren. Dieser Meinung ist auch Johannes Schnetzer, der zwei Häuser neben der Metzgerei sein Optik-Geschäft betreibt. „Macht man nichts, jammert jeder“, bringt er es auf den Punkt. Natürlich sei die Baustelle eine Herausforderung für Geschäftsleute und Händler. „Immerhin ist es die Hauptschlagader durch den Ort.“ Für seinen Betrieb seien die Einschränkungen jedoch nicht extrem. „Wir haben sehr wenig Laufkundschaft“, sagt Schnetzer, „ein Brillenkauf ist nichts Spontanes.“ Und außerdem komme man auf dem Gehweg nach wie vor gut durch.
Getränkehändler: „Mittags ist es tot“
Anders sieht es auf der anderen Seite am Marktplatz aus. Dort, in der Kirchstraße, ist unter anderem Rene Sojka mit seinem Getränkehandel fast von der Außenwelt abgeschnitten. „Wir haben erhebliche Einbußen“, sagt er, „mittags ist es tot.“ Und das, obwohl auch Sojka eigentlich viele Stammkunden hat.
Beim Blick in Richtung Baustelle fällt dieser unweigerlich auf die Terrasse der Trölsch-Bäckerei. Dort sitzen die Menschen bei Kaffee und Butterbrezel, es ist auch im Innenbereich einiges los. Auch sie werden – fast gezwungenermaßen – zu Baustellen-Kiebitzen. Wie sich die Bauarbeiten auf den laufenden Betrieb auswirken, kann Geschäftsführer Fabian Trölsch noch nicht genau sagen. „Wir sehen aber, dass die Tage seitdem sehr unterschiedlich sind, was die Personalplanung etwas schwierig macht.“ Auch die Versorgung der Filiale mit Lebensmitteln sei nicht einfach zu kalkulieren. „Über Einbußen klagen wir aber noch nicht“, so Trölsch, „für eine Einschätzung ist es noch zu früh.“
Weitere Großbaustellen im Umkreis
Ditzingen
Die Baustelle am Gleiskarree, dem Neubau am Bahnhof, ist bald beendet. Daher wird nun im nächsten Abschnitt die Stuttgarter Straße saniert. Die Arbeiten dauern wohl bis September. Auch wird der Kreuzungsbereich neu gestaltet.
Engelbergtunnel
Die Sanierung der Oströhre geht bald weiter. Hierfür wird auf der Autobahn derzeit die Verkehrsführung geändert.
Böblingen
Die A 81 wird sechsspurig, hinzu kommen elf neue Brücken, Lärmschutz und ein Tunnel.