Was kommt rund um Baden-Württembergs längsten und verkehrsreichsten Autobahntunnel im nächsten Jahr – und was ist 2025 passiert? Ein Überblick.
Kein Vulkanausbruch, dennoch denkwürdig – und ein Anblick, den viele Pendler noch vor Augen haben dürften: Die Lüftungsanlage über dem Nordportal des Engelbergtunnels spuckte Mitte August dunklen Rauch aus. Grund dafür war keine Naturgewalt, sondern ein vergleichsweise kleiner Renault Twingo. Dieser hatte am 13. August gegen 16.30 Uhr in der Weströhre in Fahrtrichtung Stuttgart/Singen Feuer gefangen. Verletzt wurde niemand, der 28-jährige Fahrer des Kleinwagens konnte sich durch einen Querschlag in die Oströhre retten.
Durch das Feuer wurde die Brandmeldeanlage im Tunnel ausgelöst, was die automatisierte Sperrung beider Tunnelröhren zur Folge hatte. Insgesamt musste die Feuerwehr 53 Personen aus dem Tunnel in Sicherheit bringen. Allein die Brandschützer waren mit 49 Fahrzeugen und 250 Helfenden vor Ort, auch Polizei, Rettungsdienst und THW waren ausgerückt. Wie gewohnt bei gesperrtem Tunnel herrschte auch diesmal auf den Straßen im Umland riesiges Verkehrschaos.
Nicht nur Staus, sondern auch gute Nachrichten vom Engelbergtunnel
Es dürfte der denkwürdigste Vorfall im Engelbergtunnel in diesem Jahr gewesen sein. Von der Großbaustelle am längsten und verkehrsreichsten Autobahntunnel Baden-Württembergs – ihn passieren täglich etwa 120 000 Fahrzeuge, die auf der A 81 unterwegs sind – gibt es jedoch auch gute Nachrichten. „Die bauliche und betriebstechnische Ertüchtigung des Engelbergtunnels ist im Jahr 2025 gut vorangeschritten“, antwortet Petra Hentschel, der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest, auf eine Anfrage unserer Zeitung. Es habe keine Verzögerungen gegeben.
Grund für die groß angelegte Sanierung ist das Mineral Anhydrit. Es drückte schon von Beginn an von außen auf die Tunnelwände und deformierte sie. In beiden Röhren waren die Schäden auf einer Länge von jeweils rund 180 Metern so massiv, dass nichts anderes übrig blieb, als die Tunnelschalen zu verstärken und Zwischendecken einzuziehen. „Tunnel im Anhydrit haben grundsätzlich ein höheres Risiko, immer wieder saniert werden zu müssen“, schreibt die Autobahn GmbH. Ab 2016 lief die Vorbereitung für die Sanierung, 2019 ging sie los.
Die nächsten Etappen bei der Sanierung des Engelbergtunnels
„Die nächsten Meilensteine sind nun die Fertigstellung der Montage der Zwischendecken, die Inbetriebnahme der neuen Abluftanlage sowie der neuen Betriebstechnik im Frühjahr 2026“, so Hentschel weiter. Dann werde die „Hauptbaumaßnahme mit Eingriffen in den Verkehr im Sommer 2026 abgeschlossen“. Die Bauarbeiten in der Weströhre sind bereits seit Juni 2024 beendet.
Im Februar dieses Jahres liefen die Arbeiten an der gewölbten Außenwand der Oströhre an – die „Bauphase 6“: Zunächst ging es um den Einbau der Rahmensockel und des Stahlbetongewölbes inklusive Stahlträger. Auch mit der Montage der Zwischendecken wurde begonnen. Die Montage der Betriebstechnik stand ebenfalls auf der Agenda.
Für jene Betriebstechnik war auch neue Software vonnöten. Um sie aufzuspielen, war der Tunnel in der Nacht von 22. auf 23. Februar komplett dicht, eine von einigen planmäßigen Vollsperrungen. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: nur zwei Tage, nachdem ein Sattelzug nachts in der Weströhre in Fahrtrichtung Stuttgart/Singen an der Tunnelwand entlang geschrammt war und dabei Strom- und Steuerungsverbindungen der Betriebstechnik beschädigt hatte. Der 53-jährige Lasterfahrer fuhr zunächst weiter, setzte sich jedoch später mit der Polizei in Verbindung. Am Lkw entstand ein Schaden in Höhe von etwa 30 000 Euro. Der Schaden im Tunnel war um ein Vielfaches höher.
Engelbergtunnel: einige Sperrungen im Vorfeld angekündigt
Auch Ende September sowie Anfang November musste der Tunnel aufgrund von Wartungsarbeiten gesperrt werden, was jeweils im Vorfeld angekündigt worden war. „Um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen, erfolgten die Arbeiten nachts in der verkehrsarmen Zeit“, betont Pressesprecherin Petra Hentschel.
Und auch wenn vieles nach Plan lief – passiert im oder am Engelbergtunnel etwas Unvorhergesehenes, bedeutet es für den Verkehr in und um Leonberg meist Stillstand. Das Jahr 2025 liefert dafür genügend Beispiele.
- Gleich zweimal krachte es am Nachmittag des 22. November, insgesamt elf Personen wurden dabei verletzt.
- Am Mittag des 18. Oktober brachte ein rauchendes Wohnmobil den Verkehr rund um den Engelbergtunnel aus dem Takt.
- Am 14. Oktober löste morgens die Brandmeldeanlage aus. Der Tunnel blieb stundenlang gesperrt.
- Ein brennendes Auto führte Mitte Juni zu Unbehagen bei den Verkehrsteilnehmenden.
- Auch im Mai löste die Brandmeldeanlage aus. Nur wenige Tage zuvor verursachte ein Unfall im Tunnel Chaos.
- Generell löste die Brandmeldeanlage einige Male Sperrungen aus, wie zum Beispiel im April.
- Zuvor erregte Ende März ein Unfall Aufsehen, wobei zwei Fahrzeuge in die sich schließenden Tunnelschranken krachten.
Im neuen Jahr geht die Sanierung nun in den Endspurt – es könnte also wieder mehr Normalität auf der A 81 einkehren.