Fast jedes Kind kennt die Tonkrieger aus China, aber kaum jemand weiß etwas über die Figuren. Die Ausstellung in Ludwigsburg soll das ändern. Foto: AP

Körperwelten, Tutanchamun, Tierkörperwelten – und bald die Terrakotta-Armee: in der MHP-Arena in Ludwigsburg wird 2016 wieder eine Großausstellung gezeigt. Die Tonkrieger aus China gelten als Publikumsmagnet, aber es gibt auch Risiken.

Ludwigsburg - Mit Nachbildungen von berühmten Originalen hat man in der Ludwigsburger MHP-Arena keine guten Erfahrungen gemacht. Seit 2012 werden in der Halle große Ausstellungen gezeigt, immer im Sommer, wenn die Basketballer der Neckar-Riesen pausieren. Die Tutanchamun-Schau im Jahr 2013, bei der ausschließlich Repliken präsentiert wurden, verzeichnete mit Abstand am wenigsten Besucher. Dennoch versucht es die Ludwigsburger Eventstifter-Agentur, die bisher alle Ausstellungen in der Arena veranstaltet hat, bald wieder mit einem historischen Thema – und Nachbildungen.

„Die Terrakotta-Armee und das Vermächtnis des ewigen Kaisers“ heißt die Ausstellung, die seit 2002 durch Deutschland, Österreich, Spanien und Tschechien wandert und die bis jetzt mehr als eine Million Menschen besucht haben. Nach insgesamt 19 Stationen – etwa in Frankfurt, München, Bonn, Berlin, Wien oder Prag – werden die Tonkrieger bald in Nürnberg und von Ende Juni bis Mitte September in Ludwigsburg gezeigt. „Das genaue Datum steht noch nicht fest“, sagt die Kuratorin Jaana Klumpp.

Das Design der Ausstellung wurde kürzlich überarbeitet

Die Schau beinhaltet 150 originalgetreue Nachbildungen von Kriegern und weitere 100 Repliken von Waffen, Streitwagen oder Gewändern. Die Originalarmee mit ihren fast 7300 Soldaten war 1974 entdeckt worden: in einer riesigen, im dritten Jahrhundert vor Christus erbauten Grabanlage des ersten chinesischen Kaisers. „Jeder kennt diese Armee, aber kaum jemand weiß etwas darüber“, sagt Klumpp. Das Ziel sei daher, das „eingeschränkte Bild von den in einer Grube und einer Reihe stehenden Kriegern, das jeder im Kopf hat, zu erweitern“. Man wolle einen tieferen Einblick in die Grabanlage des Kaisers Qin Shi Huang Di vermitteln, sagt Klumpp, auch anhand von Grafiken und Filmsequenzen. Für Schulklassen werde umfangreiches Material bereitgestellt. Das Konzept und Design sei in diesem Jahr überarbeitet und die gesamte Ausstellung vergrößert worden. „Wenn man sie schon gesehen hat, lohnt es sich trotzdem, sie zu besuchen“, betont Klumpp.

Bislang hält die Körperwelten-Schau den Besucherrekord

Der Hinweis ergibt Sinn, immerhin gastierten die Tonkrieger schon 2003 in Mannheim und 2005 Stuttgart. Die 150 Figuren wurden vor 15 Jahren im Auftrag der Eventstifter angefertigt: von Handwerkern, die an den Grabungen in China teilgenommen haben und „die Originale sehr gut kennen“, wie Klumpp betont. Der Wert der Repliken belaufe sich „auf einen Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich“.

Mit wie vielen Besuchern die Eventstifter in Ludwigsburg rechnen, sagen sie nicht. Was womöglich auch daran liegt, dass die Agentur mit ihren Prognosen zuletzt häufig daneben lag – im Guten wie im Schlechten. Vor der ersten Schau in der Arena, der Körperwelten-Ausstellung von Gunther von Hagens, rechnete man mit 150 000 Gästen, es wurden mehr als 200 000. Vor Tutanchamun im Jahr 2013 war von bis zu 100 000 Besuchern die Rede, am Ende waren es lediglich 35 000. Nur bei den Tierkörperwelten stimmte die Vorhersage – 65 000 Gäste – ziemlich genau. 2015 gab es in der Arena keine Großausstellung, weil die Agentur keinen passenden Partner gefunden hatte. Der Vorverkauf für die Terrakotta-Armee beginnt am 15. Januar.