Im IGH gibt es 144 Plätze für Männer in sozialen Schwierigkeiten. Foto: Bernd Zeyer

Das Leben und Arbeiten im Immanuel-Grözinger-Haus ist während der Coronakrise stark beeinträchtigt. Trotz aller Schwierigkeiten gab es bislang aber noch keine Infizierten – weder bei den Bewohnern, noch beim Personal.

Zuffenhausen -

Sehr viele der Männer, die im Immanuel-Grözinger-Haus (IGH) wohnen, gehören zur Corona-Risikogruppe. Entweder, weil sie Vorerkrankungen haben, oder aber, weil sie körperlich sehr geschwächt sind. Nicht zuletzt spielt bei einigen auch das höhere Alter eine Rolle. Dennoch ging bislang alles gut: „Wir hatten keinerlei Verdachts- oder gar Infektionsfälle“, sagt der Einrichtungsleiter Armin Bubser. Auch vom Personal sei bislang noch niemand erkrankt.

Im IGH wohnen Männer mit sozialen Problemen

144 Plätze für alleinstehende Männer in sozialen Schwierigkeiten hat das Wohnheim an der Böckinger Straße. Die Zimmer sind gerade einmal elf Quadratmeter groß, sie haben weder Toilette noch Bad. Das ist unter normalen Umständen schon eine Herausforderung, in Coronazeiten wird dieser Zustand zur besonderen Belastung. Zwar wird regelmäßig gereinigt und desinfiziert, dennoch bleibt ein gewisses Risiko. Gemeinschaftsräume wurden geschlossen, im Speisesaal wird nur noch mittags gemeinsam gegessen (unter Einhaltung von Abstandsregeln). Frühstück und Abendessen bekommen die Männer ausgehändigt und können es in ihren Zimmern zu sich nehmen.

Dass mittags noch ein wenig Gemeinsamkeit herrscht, hat laut Bubser einen wichtigen Grund: „Der soziale Kontakt ist für viele der Männer überaus wichtig.“ Umso mehr, da seit Ende März ein Besuchsverbot im Haus herrscht, private Gäste dürfen nicht mehr herein. Therapeuten, Sozialarbeiter und Ärzte natürlich schon, sie müssen sich aber auf einer Liste eintragen. So weit es geht laufen Beratungsgespräche übers Telefon. Es gibt auch persönliche Termine, die dürfen aber maximal 15 Minuten dauern, beide Teilnehmer müssen Masken tragen und den Mindestabstand einhalten.

„Die Bewohner zeigen großes Verständnis und arbeiten gut mit“, sagt Bubser. Das habe ihn etwas verwundert. Problematisch sei vor allem, dass bei vielen Männern die dringend notwendige Tagesstruktur wegfalle. Psychische Krisen seien die Folge. Verlassen dürfen die Männer das Haus nach wie vor, was gut, aber auch schlecht sein kann – es kann nicht kontrolliert werden, was sie mit ins Haus bringen. Dabei geht es nicht nur um Viren, sondern auch um Alkohol und Drogen. Und wer unter deren Einfluss steht, der macht sich um Regeln naturgemäß weniger Gedanken.

Flexible Lösungen statt Schockstarre

„Die ersten beiden Wochen waren sehr schwer“, sagt Bubser. Man habe keinesfalls in eine Schockstarre fallen dürfen, sondern auf flexible Lösungen setzen müssen. Wie anderswo auch, so ging im IGH das Desinfektionsmittel zu Neige und es gab zu wenig Masken. Das hat sich mittlerweile deutlich verbessert. Für die Mitarbeiter gibt es im Haus eine Maskenpflicht, für die Bewohner nicht.

„Wir müssen dieses Jahr mit der Situation leben“, sagt Bubser. Sollte im Herbst wieder eine Verschärfung der Lage eintreten, wäre man sicherlich besser vorbereitet. Was die Belegung der Plätze angehe, sei man momentan sehr zurückhaltend. Gab es vor der Coronakrise zehn bis 15 Ein- und Auszüge monatlich, seien es jetzt nur noch drei bis vier. Und sollten sich Bewohner nicht an die Regeln halten, könne man wegen der augenblicklichen Lage keinen rauswerfen.

Gäbe es im Wohnheim einen Coronafall, müsste laut Bubser schnell gehandelt werden. Da es wegen der beengten Platzverhältnisse nicht möglich sei, einen eigenen Quarantänebereich einzurichten, müsste der Patient schnellstmöglich außerhalb versorgt werden. „Gut ist, dass momentan die Pflegeberufe sehr im Fokus stehen“, sagt Bubser. Gerade in der Wohnungslosenhilfe habe man keine große Lobby. Allerdings frage er sich, wie lange die öffentliche Aufmerksamkeit weiter bestehe, wenn die Krise überwunden sei.

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