Metzgermeister Marvin Kefer befüllt den Grillfleischautomaten. Foto: Gottfried Stoppel

Sogar am Wochende oder nachts Würstchen, Steak und Co. kaufen: Eine Metzgerei in Winterbach setzt auf einen vollautomatischen Helfer. Wo es weitere Grillfleisch-Automaten gibt, zeigt unsere interaktive Karte.

Winterbach - Der große Kasten erregt Aufmerksamkeit: Die beiden Jungs, die mit ihrer Mutter gerade in den „Frischemarkt Kefer“ in Winterbach gehen, kommen aus dem Staunen gar nicht heraus. Am Eingang steht ein Automat – ähnlich jenen, an denen man an Bahnhöfen Snacks und Nüsse kaufen kann. Doch diese Kiste spuckt Oberländer, Steaks und Sauerbraten aus.

In der vergangenen Woche hat der Familienbetrieb den Grillfleischautomaten aufgestellt, um seinen Kunden 24 Stunden täglich und auch am Wochenende Grillgut verkaufen zu können. Das kam gut an. Der Betriebsinhaber Ernst Kefer zückt sein Smartphone: „Keiner unserer Facebook-Beiträge wurde bislang so oft geteilt wie das Foto vom Automaten“, erzählt der 56-Jährige stolz.

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Sein Sohn Marvin Kefer hatte die Idee, den Apparat anzuschaffen. „Immer wieder haben mich Kumpels am Wochenende angerufen, weil sie spontan grillen wollten. Mach mal deine Metzgerei auf, haben sie gesagt.“ Auf Dauer war das natürlich keine Lösung für den kleinen Betrieb. Und so sah sich der 26-jährige Metzgermeister auf einer Fachmesse nach passenden Automaten um – und wurde fündig.

Unsere interaktive Karte zeigt alle uns bekannten Grillfleisch-Automaten im Rems-Murr-Kreis:

Die Bedienung ist äußerst simpel: Geld einwerfen, die zweistellige Nummer der gewünschten Ware eingeben – und schon schwebt ein kleiner Aufzug in die Höhe, um Dosenwurst oder sogar Hühnereiern einen unfallfreien Abgang zu ermöglichen. Durch eine Klappe nehmen die Kunden ihre Beute in Empfang.

Nun gibt es Fleisch auch an vielen Tankstellen, die ebenfalls lange geöffnet haben. „Aber dort kommt das Fleisch doch aus dem Supermarkt. Bei uns ist die Qualität viel besser“, ist der Juniorchef überzeugt. Und sein Vater betont, das Fleisch komme aus der Region – „das Rindfleisch zum Beispiel ist aus Manolzweiler.“

Das Fleisch im Automaten wird auf drei Grad gekühlt

Am Tag unseres Besuchs knallt die Sonne vom Himmel. Zur Sicherheit wird der Automat daher von einem Schirm beschattet, zur Unterstützung der internen Kühlung. Ein Display zeigt an: rund drei Grad sind es im Innern, damit die empfindliche Ware nicht verdirbt. Nachts wird das Gerät sogar mit LEDs beleuchtet – im Dunkeln ist er ein echter Hingucker. Ob sie keine Angst vor Aufbrüchen oder Sachbeschädigungen haben? Marvin Kefer zeigt nach oben. Dort hängt ein Warnschild vor der Überwachungskamera. „Und selbst wenn mal was wäre, wir wohnen doch direkt daneben“, sagt er.

Der Grillfleisch-Automat nimmt Scheine und Münzen an und gibt sogar Rückgeld, die Produkte kosten zwischen zwei Euro (für eine Dose Red-Bull) und zehn Euro (für zwei marinierte Rostbraten). Wegen zusätzlicher Verpackung kosten die Waren im Automaten etwas mehr als im Geschäft, erklärt Ernst Kefer. „Wir wollen bald auch auf biologisch abbaubare Verpackungen umstellen“, verrät er. Welche Produkte sie im Automaten anbieten, testen die Kefers gerade aus. „Vielleicht kommen sogar noch vegetarische Produkte dazu“, sagt Ernst Kefer.

Immer mehr kleine Betriebe setzen auf Regiomaten

Eine gehörige Investition ist so ein Automat natürlich – gerade für kleinere Betriebe. Rund 15 000 Euro kostet ein Automat, wie er in Winterbach steht. Doch die Kefers sind zuversichtlich, dass sich das Geld lohnt: Bislang sei der Automat gut angenommen worden.

Die Winterbacher Metzgerei ist nicht die erste, die auf die Idee mit dem Automaten gekommen ist: Inzwischen setzen mindestens fünf Fleischer und Bauern im Rems-Murr-Kreis auf die mechanischen Verkäufer. Hinzu kommen die Regiomaten von Bauernläden und Gärtnereien. Für sie bedeuten die Maschinen eine große Chance – manche haben sogar komplett auf den automatischen Verkauf umgestellt.

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