Beim Einkaufen begegnen einem immer häufiger Produkte mit Aufschriften wie „nachhaltig“, „fair“ oder „klimaschonend“. Foto: dpa/Oliver Berg

Viele Unternehmen werben heute mit grünen Etiketten oder nachhaltigen Produkten. Doch was steckt wirklich hinter den Kampagnen und Produkten?

Stuttgart/Berlin - Unternehmen werben immer häufiger damit, dass ihre Produkte nachhaltig oder klimafreundlich sind – ohne dass dies zwangsläufig der Fall ist. „Wir sehen definitiv eine Zunahme an grün eingefärbten Produkten“, sagte Kathrin Krause vom Verbraucherzentrale-Bundesverband unserer Zeitung. „Wir brauchen dringend gesetzliche Mindestkriterien für sozial und ökologisch verantwortungsvolle Produktion für alle Branchen“, so die Konsum-Expertin.

Laut dem Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg wird es für Verbraucher „immer schwieriger, bei der derzeitigen Vielfalt an Siegeln und Werbebotschaften den Überblick zu behalten. Nötig seien einheitliche Standards auf europäischer Ebene – nicht nur im Bereich Lebensmittel.

Ethische und ökologische Aspekte spielen beim Konsum für viele eine Rolle

Für ein Drittel der Menschen in Deutschland spielen ethische und ökologische Aspekte heute beim Konsum eine große Rolle, zeigt eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Der Umsatz von Textilien mit Fairtrade-Siegel lag 2018 bei 146 Millionen Euro, zeigt eine Auswertung des Verbands Trans Fair – eine Verdopplung zu 2016. Gemessen am Gesamtumsatz mit Bekleidung und Textilien von 65 Milliarden Euro ist der Anteil dennoch gering.

Textilhersteller machten zuletzt Zusagen für nachhaltigere Herstellungsprozesse. „Wenn man bei Unternehmen wie Adidas oder H&M genau hinschaut, kann man das Nachhaltigkeitsversprechen am Ende doch wieder nur auf eine Marketingstrategie herunterbrechen“, sagte Kai Nebel, Textilforscher an der Hochschule Reutlingen. „Man macht zwar punktuell etwas, zeigt ein paar schöne Bilder mit ein bisschen Meeresplastik, und am Ende übersteigen die Marketingkosten dafür die Investitionen in neue, nachhaltige Produkte um ein Vielfaches.“ So könne etwa das Versprechen, alte Textilien zu recyceln, gar nicht eingehalten werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: