Bei Greenpeace ist Inga Ritter in der Meeresgruppe. Die gibt unter anderem die Stuttgarter Fischliste heraus. Foto: Judith A. Sägesser

Inga Ritter will die Welt ein bisschen besser machen. Daher mischt sie bei Greenpeace mit. Hier ist sie Mitglied der Meeresgruppe, die unter anderem die Stuttgarter Fischliste herausgibt.

Sillenbuch - Das Meer hat es ihr angetan. „Es ist mein Gesundheitsmittel“, sagt Inga Ritter. Daher schmerzt es die Sillenbucherin sehr, dass es dem Ozean recht schlecht geht. Im Urlaub am Meer genießen sie und ihr Mann nicht nur die steife Brise, sie haben es sich zudem angewöhnt, Plastiktreibgut zu sammeln. Seit anderthalb Jahren ist sie bei Greenpeace Stuttgart, Inga Ritter ist in der Meeresgruppe.

Seit 20 Jahren Vegetarierin

Die Gruppe trifft sich einmal die Woche. Dann diskutieren Inga Ritter und die anderen, oder sie arbeiten an einer neuen Auflage der Stuttgarter Fischliste. „Dafür muss man viel recherchieren“, sagt sie. In dem Faltblatt steht, welche Fischarten auszusterben drohen und welche Siegel für nachhaltigen Fang stehen. Dafür ist Inga Ritter durch die Läden getingelt und hat sich an der Kühltheke dies und jenes notiert.

Sie hat es für andere getan. „Ich esse weder Fisch noch Fleisch“, sagt sie. Sie ist seit 20 Jahren Vegetarierin. Des Tierschutzes wegen. „Ich halte die Massentierhaltung für eines der größten Verbrechen der Nachkriegszeit“, sagt die 50-Jährige. „Die Tiere geben dem Menschen so viel, sei es Fleisch oder Fell, und dann werden sie so schlecht behandelt.“ Inga Ritter krault ihre Katze, die auf ihrem Schoß schnurrt. „Das sind Sachen, die stechen in mein Herz.“

Verbesserungspläne für die Insel Naxos

Dann ist sie wieder beim Meer. Sie möchte Kontakt zu Greenpeace Griechenland knüpfen und für den Bau einer Müllverbrennungsanlage auf Naxos werben. Sie sagt, sie kenne ein paar Leute, die ihr helfen würden. Auf der Insel staple sich der Plastikmüll, die Bürger wüssten nicht, wohin damit. Das Problem sei die Korruption.

Dass Inga Ritter die Welt ausgerechnet auf Naxos ein bisschen verbessern will, ist kein Zufall. Sie kennt die Insel. Vor Kurzem hat sie sich dort sogar ein Appartement gekauft. Mit wunderbarem Blick auf das Meer. Es befindet sich in einer einstigen Ferienanlage, in der sie früher einmal gearbeitet hatte. Drei Sommer lang war sie Reiseleiterin und Betreuerin auf Naxos. Sie hat mit den Gästen unter anderem das gemacht, was sie am besten kann: tanzen.

In Möhringen hatte sie 10 Jahre lang eine Tanzschule

Inga Ritter hätte Druckvorlagenherstellerin werden können. Diese Ausbildung hat sie immerhin beendet, aber nur, weil die Eltern darauf bestanden. Danach ist sie ihrem Herzen gefolgt. Sie hat sich in Hamburg zur Tanzpädagogin ausbilden lassen, zuvor hatte sie in Monheim am Rhein Tanztherapie studiert. In Möhringen hatte Inga Ritter zehn Jahre eine Tanzschule. Bis die Immobilie verkauft wurde, und ihr der neue Besitzer kündigte. „Das war ein schwerer Schlag“, sagt sie. Zumal sie hinterher kein neues Studio gefunden hat.

Nach eineinhalb Jahren Suche hat sie aufgegeben. Heute unterrichtet sie freiberuflich Salsa und Pilates. Und sie berät Menschen, die im Job aufgestiegen sind und die an ihrem Auftreten arbeiten wollen. Das ist vielleicht brotloser als Druckvorlagenhersteller. Doch erstens findet sich letzterer Beruf heute in keinem Branchenbuch mehr. Und zweitens: „Ich bin immer schon mit wenig ausgekommen“, sagt Inga Ritter. Sie braucht kein teures Auto und keinen edlen Schmuck. „So macht man sich frei“, sagt sie. Das dürfte sich ähnlich anfühlen wie im Wind zu stehen – am Meer.

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