Augen auf beim Möbelkauf fordert Greenpeace mit seiner Aktion. Foto: Sybille Neth

Wissen Sie, woher Ihr Bett stammt? Greenpeace will mit einer Aufklärungsaktion am Fernsehturm in Stuttgart-Degerloch die Verbraucher aufklären. Viele Möbel sind aus illegal geschlagenem Holz gefertigt.

Stuttgart - Wer sich als Verbraucher verantwortungsvoll verhalten will, hat es schwer: Greenpeace Stuttgart hat zum Tag des Waldes am 21. März mit einer Aktion beim Fernsehturm auf die illegalen Machenschaften beim Holzhandel hingewiesen. Wer Möbel kauft, sollte deshalb darauf achten, dass das Holz aus legalem Einschlag stammt. Das ist einfacher gesagt als getan, denn der Handel tappt hier selbst im Dunkeln. „Wir bekamen bei unseren Recherchen oft gesagt, dass sich die Kunden nicht für die Herkunft des Holzes interessieren“, berichtet Tanja Pfeiffer von der Stuttgarter Greenpeace-Gruppe. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Theodor Hetzer hat sie in 20 Möbelgeschäften in Stuttgart nach der Kennzeichnung der verwendeten Hölzer geschaut. Nur in zwei Läden gab es solche Hinweise.

Überwachung des Holzhandels

Greenpeace fordert die vollständige Kennzeichnung von Möbelstücken mit einer Ampel. Diese zeigt unter anderem an, ob es sich um eine Holzart handelt, die überhaupt für den Einschlag zugelassen ist. Auch das Herkunftsland sowie das Herstellungsland des Möbelstücks sind benannt. Außerdem soll die Überwachung des Holzhandels durch die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft verbessert werden und auf den Handel so Druck ausgeübt werden. In den vergangenen zwei Jahren wurden bei der Hälfte aller verwendeten Hölzer beanstandet, dass ihre Herkunft nicht verzeichnet war. Die Missstände beim Holzhandel sind mit denen in der Textilindustrie vergleichbar: Material aus illegaler Herkunft zerstört das Ökosystem, und die Menschen arbeiten unter unzumutbaren Bedingungen.

Ein Drittel des Marktes ist illegal

150 Bäume rund um den Infostand trugen zum Tag des Waldes einen Trauerflor. „Das ist die Zahl an Bäumen, die weltweit pro Sekunde gefällt werden“, erklärt Pfeiffer. Die Resonanz bei den Spaziergängern sei durchweg positiv, berichtet sie. Greenpeace mache durch die Aktion die Leute auf ein Thema aufmerksam, über das sich bisher kaum jemand Gedanken gemacht habe. Dabei gebe beim Holzhandel in großem Maße organisierte Kriminalität, so die Greenpeace-Vertreterin. „Man schätzt, dass der illegale Handel ein Drittel des gesamten Wirtschaftszweigs ausmacht“, weiß Pfeiffer. In Polen schreitet derzeit die Abholzung des Bialowieza-Forstes, dem letzten Urwald Europas, immer weiter voran. Mittlerweile beschäftigt dies den europäischen Gerichtshof in Brüssel. Fast alles Holz, das hierzulande in den Handel kommt, stammt aus Polen.

Wald ist unverzichtbar

Auf die unverzichtbaren Funktionen des Waldes für das Ökosystem wiesen Pfeiffer und Hetzer ebenfalls hin: 17 Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emission gehen auf das Konto der Abholzung. Das ist mehr als die Emissionen von Straßenverkehr, Schifffahrt und Flugverkehr zusammen.

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