Seit Mitte April läuft aus dem gesunkenen Fischtrawler im Atlantik Öl aus Foto: dpa

Seit mehr als einer Woche fließt Treibstoff aus einem russischen Schiffswrack in den Atlantik. Mittlerweile sind 20 Strände auf Gran Canaria verunreinigt.

Las Palmas/Santa Cruz - Reinigungsar­beiter in weißen Schutzanzügen kratzen am Strand Playa de Veneguera die schwarzen klebrigen Ölflecken ab, die sich über Sand und Steine verteilt haben. Das Öl kommt an der Südwestküste von Gran Canaria nicht flüssig an, sondern in Klumpen – so groß wie ein Kuhfladen oder auch nur wie ein Keks.

Nun bedroht die große Ölpest, die draußen auf dem Meer treibt, auch noch die Nachbarinsel Teneriffa – die mit Abstand beliebteste Urlaubsinsel des kanarischen Vulkanarchipels, der mehrere Flugstunden von Europa entfernt im Atlantik vor Westafrika liegt.

Die Urlaubsidylle ist gefährdet: Seit der große russische Fischtrawler Mitte April rund 28 Kilometer südlich von Gran Canaria sank, fließt Schiffstreibstoff aus dem Wrack, das in 2700 Meter Tiefe liegt. Der 120 Meter lange Schleppnetzkahn hatte 1400 Tonnen zähflüssiges Diesel-Schweröl im Tank.

Auf dem Meer bildete sich ein riesiger Ölteppich, der zunächst von der Insel weg ins offene Meer trieb. Dann aber teilte er sich und bedroht nun gleich mehrere kanarische Inseln. Bergungsexperten prüfen, ob der Tank abgedichtet oder leergepumpt werden kann. Doch das kann dauern.

Noch wurden keine Strände geschlossen

Auch Freiwillige aus dem Gran-Canaria-Dorf Veneguera stürzen sich in den Kampf gegen die herantreibende schwarze Pest: „Wir werden da nicht mit verschränkten Armen zusehen“, sagen einige Bewohner und stürzen sich in Badeshorts und mit einem großen Fischernetz bewaffnet ins trüb-schwarze Wasser, um auf der Oberfläche treibende klumpige Ölflecken abzufischen.

Ein paar Kilometer weiter südlich, an der touristischen Playa de Taurito, liegen bereits die ersten Urlauber im Sand und lassen sich von der Sonne wärmen. Sie beobachten schläfrig, wie Helfer mit Keschern, Schaufeln und Plastiktüten sich langsam von einer Seite der Bucht, die von mehreren Hotels gesäumt ist, zur anderen Seite arbeiten und Ölreste einsammeln.

Das Thermometer markiert bereits 21 Grad im Schatten, auch Baden kann man bei 19 Grad Wassertemperatur schon. Etliche Strandbesucher tummeln sich in der Brandung, weichen den schwarzen Klumpen aus – so wie es man sonst auch mit herumtreibenden Quallen macht.

Mehr als 20 Strände und Badebuchten im Südwesten Gran Canarias sind bisher von antreibenden Ölresten betroffen, teilten die Behörden mit. Gesperrt wurde bisher aber noch kein Strand.

Ölteppich bewegt sich in Richtung Teneriffa

Auch die Fischerei wurde bisher im Unglücksgebiet nicht beschränkt, obwohl draußen auf dem Atlantik ein mehr als 200 Kilometer langer Ölteppich treibt, dessen Ausläufer nun gegen die Südwestküste Gran Canarias schwappt. Und der nun weiter Richtung Teneriffa schwimmt und dort den Südosten der Insel treffen könnte.

Die Kanarenbewohner beten derweil, dass die unheilvollen Prognosen nicht Wirklichkeit werden, wonach das größte Unheil erst noch bevorstehen könnte. „Dieser Albtraum ist noch nicht zu Ende, sondern das Schlimmste kommt vielleicht noch“, warnt Luis Ferreirim von der Umweltorganisation Greenpeace.

Auch eine Sprecherin des Meeresinstituts der Universität Las Palmas prophezeit, „dass sich der Ölteppich weiter Richtung Gran Canaria und Teneriffa bewegen“ werde – wenigstens bei den derzeitigen Wind- und Strömungsverhältnissen.

Spaniens für die Seefahrt und den Küstenschutz zuständige konservative Regierung muss sich derweil vorhalten lassen, das Ölunglück kleinzureden: Die einflussreiche Umweltorganisation Ecologistas en Acción wirft der Verkehrsministerin Ana Pastor vor, „die Wahrheit zu verstecken“. In der Tat schläferte die Ministerin die Öffentlichkeit tagelang mit Informationen ein, wonach sich die Ölpest weit weg von der Insel befinde und keine Gefahr für die Kanaren bestehe.