Königinnen unter sich: Taylor Swift (links) überreicht Beyoncé den Grammy für das beste Country-Album. Später erhält sie auch noch den Preis für das beste Album überhaupt. Foto: AFP/VALERIE MACON

Bei der Grammy-Verleihung in der Nacht von Sonntag auf Montag gingen die wichtigsten Preise an Chappell Roan, Kendrick Lamar – und endlich auch an Beyoncé.

Ein Platz bleibt am Sonntagabend in der Crypto.com Arena in Los Angeles erst einmal leer. Wieder einmal. Als der Comedian Trevor Noah, der zum fünften Mal die Grammy-Gala moderiert, bei der Eröffnung durch die Reihen geht, vorbei an Lady Gaga und Alicia Keys, an Stevie Wonder und Billie Eilish, an Taylor Swift und Miley Cyrus, fehlt Beyoncé noch. Allerdings ist man bei diesem Musikpreis die Unpünktlichkeit der Königin des R’n’B, die sich neuerdings auch als Country-Queen verdingt, gewöhnt.

 

Und offenbar sind die 13 000 Mitglieder der Recording Academy, die jedes Jahr diesen Musikpreis vergeben, nicht nachtragend. Sie werden Beyoncé an diesem Abend mit gleich drei Auszeichnung ehren: Zusammen mit Miley Cyrus bekommt sie für den Song „II Most Wanted“ einen Grammy in der Kategorie Beste Country-Performance eines Duos oder einer Gruppe. Und ihre Platte „Cowboy Carter“ wird nicht nur als bestes Country-Album, sondern auch als bestes Album des Jahres überhaupt ausgezeichnet – jenem Preis, der immer noch als der wichtigste der Grammy-Show gilt – auch wenn in Zeiten von Spotify und Co. das Popalbum als Medium mehr und mehr an Bedeutung verliert.

Wenn man Beyoncé oder ihren Ehemann Jay Z fragt, würden diese jedoch sagen, nicht die R’n’B-Diva hat sich verspätet, sondern die Recording Academy. Denn das Power Couple der US-Musikindustrie hat in den vergangenen Jahren kein Geheimnis daraus gemacht, dass es es als Affront empfindet, dass Beyoncé bisher stets bei der Album-des-Jahres-Kateogorie leer ausgegangen ist. Dass sie ausgerechnet jetzt gewonnen hat, als sie sich als schwarze Musikerin ein sehr weißes Genres angeeignet hat, ist kurios.

Frauen dominieren das Popgeschäft

Den Preis für das Beste Countryalbum überreicht am Sonntagabend Taylor Swift an Beyoncé. Und obwohl Swift, die für sechs Grammys nominiert ist, diesmal genauso leer ausgeht, wie Billie Eilish, die sogar sieben Preise hätte gewinnen können, bestimmen Frauen wie schon in den vergangenen Jahren das Feld der Preisträger.

Zwar wird der Rapper Kendrick Lamar an diesem Abend gleich mit fünf Grammys ausgezeichnet, doch um ihn herum gibt es fast nur Gewinnerinnen: drei Grammys gehen an Charli XCX („Brat“), drei an Sabrina Carpenter („Short n’ Sweet“), drei an St. Vincent („All Born Screaming“). Chappell Roan, die sechsmal nominiert ist, wird zwar nur als beste Newcomerin ausgezeichnet, setzt aber mit ihrer „Pink Pony Club“-Show ein Ausrufezeichen – ebenso wie Charli XCX mit einem Medley aus „Von Dutch“ und „Guess“. Und dann gibt es da ja auch noch die Rapperin Doechii („Alligator Bites Never Heal“), der es gelingt, als erst dritte Frau überhaupt (nach Lauryn Hill und Cardi B), den Preis für das beste Rap-Album zu gewinnen.

Wer allerdings an diesem Abend auf politische Statements hofft, wird meistens enttäuscht. Immerhin traut sich Moderator Trevor Noah, der aus Südafrika stammt, eine Bemerkung zu den geänderten Machtverhältnissen in den USA: „Ihr habt vielleicht gemerkt, dass sich was in Washington geändert hat“, sagt er, „vielleicht ist es deshalb das letzte Mal, das ich hier so eine Show moderieren darf.“ Die Kolumbianerin Shakira, die für das beste Latin-Pop-Album ausgezeichnet wird, sagt in ihrer Dankesrede. „Ich widme diesen Preis all meinen Freunden, die in dieses Land eingewandert sind. Ich werde mit und für euch kämpfen.“ Und Alicia Keys, die mit dem Dr. Dre Global Impact Award geehrt wird, sagt: „Wir müssen verhindern, dass die Vielfalt der Stimmen verstummt.“

Spenden für Opfer der Waldbrände

Statt um Trumps Machtübernahme und seine rigorose Einwanderungspolitik geht es bei der Grammy-Gala zwischen der Preisverleihung und den Showeinlagen diesmal vor allem um die Waldbrände in Südkalifornien und Los Angeles, die nach drei Wochen endlich unter Kontrolle sind, aber eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben.


Bei der Show werden Spenden für die Opfer der Waldbrände gesammelt, mehrere Programmpunkte widmen sich dem Thema, eine Allstar-Band um John Legend, Sheryl Crow und St. Vincent spielt Randy Newmans „I Love L.A.“, Bruno Mars und Lady Gaga singen „California Dreaming“. Und Beyoncé bekommt den Preis für das beste Album des Jahres im Finale nicht etwa von einem anderen Popstar, sondern von Mitgliedern der Feuerwehr von Los Angeles überreicht.

67. Grammy Awards: Die wichtigsten Gewinner

Album des Jahres
Beyoncé für „Cowboy Carter“

Song des Jahres
Kendrick Lamar für „Not Like Us“

Aufnahme des Jahres
Kendrick Lamar für „Not Like Us“

Beste neue Künstlerin
Chappell Roan

Beste Pop Solo Performance
Sabrina Carpenter für „Espresso“

Beste Pop Duo Performance
Lady Gaga und Bruno Mars für „Die With a Smile“

Bestes Rap-Album
Doechii für „Alligator Bites Never Heal“

Bestes Pop-Gesangsalbum
Sabrina Carpenter für „Short n’ Sweet“

Bestes Dance/ Electronic-Album
Charlie XCX für „Brat“

Bestes Rock-Album
The Rolling Stones für „Hackney Diamonds“

Bestes Country-Album
Beyoncé für „Cowboy Carter“

Bestes Alternative-Album
St. Vincent für „All Born Screaming“

Beste Musik Filme und TV-Serien
Hans Zimmer für die Filmmusik zu „Dune: Part Two“