Schriftzüge auf Straße und Gehweg bei der Hall of Fame Foto: Sandra Hintermayr

Unter der Brücke der Autobahn 831 in Stuttgart-Vaihingen gibt es seit zwei Jahren eine legale Graffiti-Wand. Die ist aber nicht die einzige, die bunt besprüht wurde.

Vaihingen - Von den ursprünglichen Graffiti sind nur noch etwa die Hälfte sichtbar: die, die so weit oben sind, dass man nur mithilfe einer Leiter an sie ran kommt. Die Bilder darunter sind größtenteils übermalt, mal mehr, mal weniger kunstvoll. Auch die gegenüberliegende Wand unter der Autobahnbrücke der A 831 ist bunt. Doch nicht nur an den Wänden finden sich Graffiti. Die Mülleimer, die die Stadt eigens aufgestellt hat, damit die Sprayer ihre Dosen fachgerecht entsorgen können, sind längst verziert worden. Mittlerweile finden sich auch Graffiti auf dem Boden, den Gehwegen und den Randsteinen an der Kurmärker Straße. Meist sind es Schriftzüge, teils gar nicht zu entziffern.

Die Stadt kontrolliert die Flächen regelmäßig

„Uns ist bekannt, dass der Gehweg und die Straße vor der Hall of Fame besprüht wurden“, teilt Ann-Katrin Gehrung, Pressesprecherin der Stadt, mit. Das Ausmaß bezeichnet die Verwaltung als „momentan noch überschaubar“. Dass die Wände nicht das einzige bleiben, das an legalen Graffiti-Flächen besprüht wird, ist nichts Neues. In Bad Cannstatt unter der König-Karls-Brücke bietet sich dem Betrachter dasselbe Bild. „Nach unseren Erfahrungen lässt sich das bei solchen Einrichtungen nur schwer vermeiden“, sagt Gehrung.

Das Tiefbauamt sei regelmäßig vor Ort, um die Flächen und das umliegende Gelände zu kontrollieren und gegebenenfalls für Ordnung zu sorgen. „Dabei achten wir besonders auf Abfall, der nach dem Sprühen zurückgelassen wird“, sagt Gehrung nach Rücksprache mit dem Tiefbauamt. Auf die bunten Schriftzüge haben die städtischen Mitarbeiter ebenfalls ein Auge, sowohl auf die auf den Wänden als auch auf dem Boden. „Sollten Graffiti mit anstößigen oder beleidigenden Inhalten gesprüht werden, werden wir diese entfernen“, sagt die Pressesprecherin. Dafür setzen die Mitarbeiter des Tiefbauamts einen speziellen Hochdruckreiniger ein, der das verschmutze Wasser gleichzeitig absaugt, erklärt Gehrung. Damit wird verhindert, dass die Farbe ins Grundwasser gelangt.

Im Juni 2017 ist die Wand eingeweiht worden

Seit 2017 gibt es die Hall of Fame unter der A-831-Brücke. Sie ist nach der Fläche unter der König-Karls-Brücke die zweite legale Fläche in Stuttgart, an der Graffitikünstler sich verewigen dürfen, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Die Idee zur zweiten Hall of Fame war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre alt. Im Jugendforum 2015 haben sich Jugendliche dann intensiver mit dem Thema befasst und Befürworter sowie geeignete Stellen im Stadtbezirk Vaihingen gesucht. Fündig wurden sie an der Unterführung an der Kurmärker Straße. Die Jugendlichen konnten Grünen-Stadträtin Anna Deparnay-Grunenberg als Projektpatin gewinnen und fanden weitere Unterstützung bei der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft.

Auch die Bezirksbeiräte in Vaihingen waren angetan von der Idee einer legalen Graffiti-Fläche. Im März 2017 warben die Schüler der Graffiti-AG des Hegel-Gymnasiums im Gremium um Unterstützung. Die Kosten für eine legale Graffiti-Fläche seien geringer als die, die bei der Beseitigung von illegalen Graffiti anfielen, argumentierten sie. Das koste die Stadt jährlich etwa 250 000 Euro. Die Bereitstellung von Mülleimern und deren regelmäßiger Leerung an einer legalen Fläche schlage nur mit etwa 2600 Euro zu Buche, hatten die Gymnasiasten ausgerechnet. Das überzeugte die Bezirksbeiräte. Sie unterstützten den Wunsch der Jugendlichen einstimmig. Nur drei Monate später wurde die Wand bei einem kleinen Straßenfest eingeweiht und angemalt.

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