Kunst statt nacktem Beton: Jan Haas vor dem Wasserreservoir an der Haußmannstraße Foto: Caroline Friedmann

Der Graffiti-Künstler Jan Haas hat einen Trinkwasserbehälter der EnBW an der Stuttgarter Haußmannstraße mit einem mystischen Waldmotiv verschönert.

S-Ost - Ein türkisfarbener See mitten im Wald. Im Wasser spiegeln sich die Bäume. Auf einer kleinen Insel steht ein Hirsch und blickt in die Ferne, um ihn herum kreisen Vögel. Kleine Nebelschwaden ziehen über das Wasser hinweg, die Sonne blinzelt durch die Baumwipfel hindurch, die Stimmung ist mystisch. Dieses Motiv ziert ein Trinkwasserreservoir oberhalb des Kreisverkehrs am Urachplatz. Gemalt hat es der Graffiti-Künstler Jan Haas, in der Sprüher-Szene auch als Dingo Babusch bekannt. Der 42-Jährige lebt selbst im Stuttgarter Osten und hat das neue Wald-Graffiti im Rahmen des „Projekts Farbe“ der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft im Auftrag des Energieversorgers EnBW entworfen.

„Da es ein Trinkwasserbehälter ist, sollte auch das Motiv etwas mit Wasser zu tun haben“, erklärt Jan Haas. „Außerdem sollte sich das Bild in den begrünten Hang oberhalb des Behälters einfügen. So kam ich auf die Idee, einen See im Wald zu gestalten.“ Am Motiv hat Haas etwa eine Woche lang gearbeitet, das Sprühen des Graffitis hat weitere vier Tage gedauert.

In den 1990er-Jahren mit dem Sprühen angefangen

Auftragsarbeiten wie diese übernimmt Jan Haas regelmäßig. Denn seit der gelernte Werbetechniker im Jahr 2005 umgesattelt und sich als Künstler selbstständig gemacht hat, lebt er von seiner Graffiti-Kunst. In den 1990er-Jahren habe er mit dem Sprühen angefangen, erzählt er. „Damals kam die Hip-Hop-Welle und die Musik und die Szene haben mich total geflasht“, sagt Haas. „Tanzen war allerdings nicht so mein Ding, Graffiti dagegen haben mich begeistert, das wollte ich unbedingt lernen.“

Das Sprühen hat Haas sich schon in jungen Jahren selbst beigebracht. Videoanleitungen auf Youtube oder soziale Online-Netzwerke gab es damals noch nicht. Trotzdem wurde er immer besser und brachte 2005 schließlich das Buch „Sprüher im Rudel“ heraus, eine Dokumentation über die Stuttgarter Graffiti-Szene. „Das war auch der Moment, wo ich mich selbstständig gemacht habe“, erzählt er. „Seither lebe ich von meiner Kunst.“

Gegenseitiger Respekt

Stuttgart öffnet sich immer mehr für Streetart, meint der Künstler. Und auch für viele Unternehmen würden Graffitis im öffentlichen Raum immer interessanter, da Trinkwasserreservoirs oder Stromkästen, die mit professionellen Gemälden verziert sind, nicht so oft beschädigt würden. „Die Sprüher kennen sich untereinander, gerade wenn man in der gleichen Stadt lebt“, sagt Jan Haas. „Und der gegenseitige Respekt ist meistens so groß, dass man nicht einfach die Sachen von anderen übersprüht.“

Unter seinem Künstlernamen Dingo Babusch verschönert Haas aber nicht nur Trinkwasserbehälter oder ein Umspannhäuschen in Stuttgart-Münster. Seine Kunst ziert auch Gebäudefassaden und die Wände von Kinderzimmern. Außerdem malt er Kunstwerke auf Leinwand, die er bei Ausstellungen oder Künstlermärkten verkauft.

Bei Auftragsarbeiten sei das Oberthema oder Hauptmotiv meist vorgegeben, so Haas. Das sei immer wieder eine Herausforderung, der er sich gerne stelle. „Manchmal würde ich mir aber auch ein bisschen mehr künstlerische Freiheit wünschen“, sagt er. „Denn wenn ich malen kann, was ich mir vorstelle, wird es einfach am besten.“

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