So wünscht man sich das Miteinander der Gemeindemitglieder. Und deshalb hat das Heimatmuseum im Schloss Dätzingen, das nicht barrierefrei ist, erstmalig ins Begegnungszentrum Adrienne-von-Bülow eingeladen.
Anlass war der Film "950 Jahre Grafenau - Lebendiges Heimatmuseum". Am 22.10.2025, von 16-18 Uhr war es so weit. Gut über 100 Gäste, so der Heimleiter Jürgen Lechler, waren aus dem Seniorenheim sowie aus Grafenau und Umgebung gekommen - darunter eine Großzahl gehbehinderter Mitmenschen mit Rollstuhl oder Rollator, die damals das Jubiläumsfest im Maltesersaal nicht miterleben konnten. An die freudige Begrüßung durch den Heimleiter knüpfte Joachim Ratz, als ehemaliger Museumssprecher und Insider des
Museums, seine Ausführungen zur Namensgebung der Institution "Adrienne-von-Bülow" an. Er sprach von der letzten Schlossherrin als einer ehrwürdig-sozialen Persönlichkeit, deren Gedenkvitrine er in der Begegnungsstätte eingerichtet hatte. Aus beruflichen Gründen konnte der jetzige Museumssprecher Jörg Marquardt leider nicht dabei sein.
Beim Jubiläumsfest berichtete er von der Neugestaltung des Museums und den erfolgreichen Kontakten zu weiteren Museen und Institutionen. Mit wenigen Worten und Dank an die vielen Mitwirkenden umriss Gudrun Achterberg das Programm aus Film und realen Darbietungen. Sie stellte die Renaissance-Gruppe "Rapunzel" mit Tenor-Krummhorn, Laute, Dudelsack und gotische Harfe vor. Stimmungsvoll wurden die Filmabschnitte damit eingeleitet. Ulrike Dehnen am Klavier begleitete das Szenenspiel "Die grüne Fee und die Schmetterlinge" von der jungen Sportakrobatik, Gruppe Carina Botsch. Akrobatische Elemente in bemalten Schmetterlingskostümen erschienen später im Film hauchzart verwandelt. Schmetterlinge im Museum? Ja, weil sie Metaphern für das Phänomen der Verwandlung sind, von der die Dinge im Museum erzählen. Davon sprach die Diplom-Museumspädagogin, die mit Aktionen das "Lebendige Heimatmuseum"
betonen möchte. Bei der Gestaltung des Films arbeitete sie mit Kameramann Dominik Apanowicz zusammen, der den Schnitt machte.
Mit Ländlerklängen wurden die weiteren Filmszenen angekündigt. Die "Kleine
Trachtenprobe" wurde von vier Trägerinnen und "dem Mann mit dem Hut" gespielt.
Die Gesangsgruppe der Chor(i)feen verzauberte mit ihrem Spinnradlied das Publikum.
Das wiederum durfte aktiv werden bei der Flachsbearbeitung mit Anita Rudolf,
beim Weben am Webstuhl mit Ernst Spingler, Wollvlies verspinnen mit Dorothea Ziegler und beim Kaufmannsladen von Iris Wolff. Lauschend etwas erleben, hieß es beim Zeitstrahl von Joachim Ratz und bei der Führung im Jagdzimmer, bei der Märchenerzählerin, dem Zauberer und der Bildgestaltung im Schlosskeller des Kulturkreises.
Der Film zeigte, dass Bürgermeister Martin Thüringer dies alles bei seiner Begrüßung im Visier hatte. Er dankte allen Teammitgliedern und Mitwirkenden, so auch dem Sprecher des Heimatmuseums Jörg Marquardt und Gudrun Achterberg für ihre aufwändige Organisation des Festgeschehens. Ehrengast Dr. Kristine Scherer, Heidelberg, schloss sich den Dankesworten an und würdigte das Engagement im Heimatmuseum und die ideenreiche Textilkunst. 950 Jahre Grafenauer Geschichte verknüpfte der Bürgermeister mit dem Rückblick auf weitere bedeutende Daten der Gemeinde bis hin zum Zusammenschluss von Döffingen und Dätzingen 1972. Nachdenklichkeit schwang mit, als er an das Geschichtsbewusstsein appellierte und an das
tägliche Brot erinnerte, das es in der Not früherer Zeiten nicht immer gab.
Noch vor 18 Uhr mussten die Hausbewohner zu ihrem Abendessen, so dass
der Film bei Licht mit der Panoramatapete, die der Förderverein Schloss Dätzingen wieder anbringen ließ, zu Ende ging. "Ein voller Erfolg", sagte der Heimleiter Jürgen Lechler, bei dem sich die Gäste dankbar verabschiedeten.
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