Kunden haben für das Grab von Tom Mueller gespendet. Es befindet sich auf dem Neuen Friedhof in Degerloch. Foto: Cedric Rehman

Kunden des 77-jährig verstorbenen Buchhändlers Tom Mueller haben für ein würdiges Grab gespendet. Diese noch recht neue Gedenkstätte befindet sich auf dem Neuen Friedhof in Degerloch.

Degerloch - Auf einer schwarzen Steinplatte steht ein englischer Schriftzug: „Shh, he’s reading.“ Auf Deutsch übersetzt heißt das: „Psst, er liest“. Es klingt, als sei Tom Mueller noch quicklebendig und würde lediglich an einem anderen Ort das tun, was er auch zu Lebzeiten gern getan hat: in aller Muße sich in ein Buch vertiefen.

Die Grabstätte ist noch neu

Das Grab des Buchhändlers auf dem Neuen Friedhof in Degerloch ist noch frisch. Im November 2013 ist Mueller im Alter von 77 Jahren gestorben. Einige der ehemaligen Stammkunden des Ladens an der Rembrandtstraße sahen sich in der Pflicht, die letzte Ruhestätte des Amerikaners auszustatten und mit einem Grabstein zu versehen.

Ein Marmorquader auf einem Kiesfeld trägt die Platte mit dem englischen Grabspruch. Ungefähr 4000 Euro habe das Grab mit dem Gedenkstein gekostet, sagt Lothar Ziegler. Gemeinsam mit Wolfgang Ruge, einem anderen Kunden des Buchhändlers, hat er Spenden gesammelt, die einen beträchtlichen Teil der Kosten abdecken. „Den Rest haben wir aus eigener Kasse gezahlt“, sagt er.

Der Amerikaner ist vielen ans Herz gewachsen

Der Amerikaner, der seit den 60er-Jahren in Deutschland gelebt hat, muss vielen Menschen ans Herz gewachsen sein. Ziegler nennt einen einfachen, aber überzeugenden Grund: Mueller sei ein „wahnsinnig lieber Mensch“ gewesen, sagt er. Sein Aussehen habe zu seiner Freundlichkeit gut gepasst. „Er hätte als Santa Claus auftreten können“, sagt Ziegler.

Mueller habe sich aber nicht nur als angenehmer Zeitgenosse Freunde gemacht. Auch sein wenig am Profit orientiertes Geschäftsprinzip habe viele Kunden zu Stammkunden gemacht, sagt Ziegler. „Bei Mueller gab es Bücher für einen Euro. Wenn man sie zu Ende gelesen hat, konnte man sie zurückgeben, und bekam 50 Cent wieder zurück“, sagt er.

Literaturfundus wird nach Afrika verschifft

Dem altruistischen Büchernarren fühlen sich Lothar Ziegler und Wolfgang Ruge auch nach seinem Tod verpflichtet. Sie organisieren zurzeit eine Verschiffung des Literaturfundus aus dem Sonnenberger Laden nach Afrika. Ziegler setzt sich außerdem dafür, ein, dass Bürger das nun ungenutzte Gebäude mieten und zu einem sozialen Treffpunkt machen. Der Geist des menschenfreundlichen Literaturfans soll an der Rembrandtstraße lebendig bleiben.

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