Das Thema des Gottesdienstes in der Januariuskirche ist „Hände“. Foto: Imago/Werner Kuhnle

Wie muss ein Gottesdienst sein, damit Menschen mit Demenz etwas davon haben? Ein erster mit diesem Schwerpunkt findet am 23. Januar in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) statt.

Wenn ein geliebter Mensch an Demenz erkrankt, ist vieles nicht mehr so, wie es vorher war. Der Alltag ändert sich enorm, einfache Dinge wie etwa ein Gottesdienstbesuch sind nicht mehr – oder zumindest nicht mehr so einfach – möglich.

 

Was, wenn der demenziell erkrankte Angehörige im Gottesdienst plötzlich aufsteht und herumläuft? Was, wenn er während der Predigt einfach dazwischen spricht? Was, wenn ihm der Kirchgang zu lang wird oder er am Sonntagmorgen einfach noch nicht fit ist?

Erster Demenz-Gottesdienst

All diese Bedenken fängt der „Gottesdienst im Zeichen der Demenz“ auf, der am Freitag, 23. Januar, erstmals in der evangelischen Januariuskirche in Erdmannhausen stattfindet. Monika Trefz leitet die örtliche Demenzgrupppe „Vergiss-mein-nicht“ des Krankenpflegevereins und hatte von einem solchen Format zum ersten Mal im vergangenen Herbst erfahren.

„Eine schöne Idee“, dachte sich Monika Trefz und wandte sich an die örtliche Pfarrerin Annegret Weigl, die ebenfalls gleich Feuer und Flamme war. Gemeinsam mit der Diakonin Carmen Meinhardt-Pfleiderer, die bereits zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Demenz initiiert hat, bereitete sie den besonderen Gottesdienst vor.

Wie muss ein Gottesdienst sein, damit Menschen mit Demenz etwas davon haben? Ein „Gottesdienst im Zeichen der Demen“ findet am 23. Januar in Erdmannhausen statt. Er ist der erste seiner Art in der Region.

Er soll, so Monika Trefz, in einer lockeren und ruhigen Atmosphäre stattfinden und insgesamt recht kurz gehalten sein. Etwa eine halbe Stunde wird er dauern. Wichtig für demenziell Erkrankte sei, dass es Raum gibt, sich zu bewegen und dass dort Gesichter sind, die er kennt. Die Angehörigen, aber auch Interessierte, sind ausdrücklich ebenfalls eingeladen, teilzunehmen.

Pfarrerin Annegret Weigl erklärt, dass es ein „Gottesdienst mit allen Sinnen“ sein wird, der da am 23. Januar gefeiert wird. So werde es etwas zum Anfassen geben, Bewegungen, keine große Predigt, dafür einzelne Gedanken und bekannte Lieder wie „Großer Gott wir loben dich“. „Wir wollen an vertraute Dinge anknüpfen.“

Annegret Weigl hat selbst die Erfahrung gemacht, dass – sobald Demenz im Raum steht – langjährige Gottesdienstbesucher nicht mehr kommen. „Aus Scham, oder weil sie sich zurückziehen.“ Hier soll der spezielle Gottesdienst gegensteuern. „Wir wollen das Thema Demenz aus der Tabuzone holen“, sagt auch Monika Trefz.

Durch ihre Arbeit im Vergiss-mein-nicht weiß sie zum einen, wie viele Menschen von der Krankheit betroffen sind. Zum anderen merkt sie, wie schambehaftet das Thema ist. „Wir wollen die Gesellschaft sensibilisieren, auch durch diesen Gottesdienst.“

Entlastung für Angehörige

13 Jahre ist es her, dass der Krankenpflegeverein Erdmannhausen die Demenzgruppe Vergiss-mein-nicht gründete. Das Betreuungsangebot richtet sich an dementiell erkrankte Menschen, es wird gebastelt, Kuchen gegessen, Gymnastik gemacht, ... Kurz: „Wir wollen den Betroffenen eine gute Zeit bereiten“, so Trefz. „Und die Angehörigen für ein paar Stunden entlasten.“

Zum Gottesdienst am Freitag, 23. Januar, sind alle eingeladen, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, aber auch Interessierte und Freunde. Beginn ist um 16 Uhr in der Januariuskirche in Erdmannhausen. Vorab, von 14.30 Uhr an, gibt es Kaffee und Kuchen im evangelischen Gemeindehaus.