Freude bei den Spielerinnen des GC Solitude um Trainer Heiko Burkhard über Platz drei im Final Four. Foto: Deutsche Golf Liga

Die Damen des Stuttgarter Golf-Clubs Solitude aus Mönsheim kämpfen sich beim Final Four in München auf Platz drei. Die dramatische Entscheidung fällt am letzten Loch.

Sophia Zeeb war gefordert. Immens gefordert. Drei Löcher waren beim Final Four im Kampf um Platz drei noch zu spielen, die Kapitänin des Stuttgarter Golf-Clubs Solitude lag gegen Anna Lina Otten vom GC Hubbelrath drei Löcher zurück – das bedeutete: Nur wenn Zeeb alle drei Löcher noch gewinnt, würde der Club aus Mönsheim Bronze sicher haben, andernfalls würde es ein Stechen geben.

 

Die 27-Jährige hatte ihre Nerven genauso wie ihren Schläger im Griff. Mit Par beendete Sophia Zeeb ihre Runde, ihre Gegnerin leistet sich an Loch 18 einen Bogey – dann brandete lauter Jubel auf beim GC Solitude. Platz drei im Final Four mit einem 5:4 über das Team aus dem Düsseldorfer Stadtteil Hubbelrath. „Das war das Highlight, wie Sophia am letzten Loch den Sieg eingefahren hat und das gesamte Team da war zum Jubeln“, sagte Spielerin Alena Oppenheimer.

Danach wurde Bronze bei der ersten Teilnahme des Clubs am Final Four standesgemäß und ausgiebig gefeiert, dabei erschien Platz drei den Spielerinnen und Funktionären des GC Solitude sympathischer als Rang zwei. „So sind wir mit einem Erfolg aus dem Final Four gegangen“, befand Coach Heiko Burkhard, „da feiert man befreiter als wenn man zuvor im Finale verloren hat.“

Den bitteren Geschmack der Niederlage musste die Mannschaft aus Mönsheim am Samstag zu sich nehmen – gegen den favorisierten Hamburger Golf-Club gab es im Halbfinale ein knappes 3,5:5,5. Nach den drei Viererteams hatte die Equipe um Helen Briem, der Nummer eins der Amateur-Weltrangliste, sogar mit 2:1 geführt, doch dieses Momentum konnten die Solitude-Spielerinnen nicht komplett in die sechs Einzel mitnehmen.

Helen Briem bleibt ungeschlagen

Lediglich die 18 Jahre alte Briem punktete in ihrer Partie gegen Emilie von Finckenstein, Sophie Renner steuerte gegen Susanna Brenske noch einen halben Zähler bei. Mehr war nicht drin. „Der Sieg wäre aber durchaus möglich gewesen“, meinte Heiko Burkhard, „letztlich hat sich die große Erfahrung sowie die Abgeklärtheit der Hamburgerinnen unterm Strich ausgezahlt.“ Das Team aus der Hansestadt sicherte sich am Sonntag den Titel des deutschen Mannschafts-Meisters der Damen mit einem 5:4-Erfolg über den badischen GC St. Leon-Rot.

Golf, das bedeutet Präzision und Nervenstärke zu vereinen. Aber nicht ausschließlich. Es ist zudem hilfreich, wenn man im Team-Wettbewerb eine Portion taktische Schläue besitzt. Die darf man Heiko Burkhard ganz sicher nicht absprechen. Denn der Trainer schaute sich vor dem Spiel um Platz drei die Startliste des GC Hubbelrath genau an, zog seine Schlüsse und baute die Mannschaft noch ein wenig um. Er variierte Positionen, tauschte die im Halbfinale nicht ganz überzeugende Yana Beeli aus, rückte Sophia Zeeb ins Team. Toptalent Helen Briem wurde an eine höhere Position gestuft. Alles ganz legal, eine taktische Finesse. „Damit haben wir unsere Chance auf Punkte gesteigert“, bemerkt Burkhard.

Im Endspurt zur Bronzemedaille

Der Schachzug zahlte sich aus. Nach den drei Vierern stand es zwar 1:2 zugunsten der Düsseldorferinnen, das Duo Sophia Zeeb/Sophie Renner steuerte den Punkt für den GC Solitude bei. Doch in den folgenden sechs Einzeln gelangen dann der erfahrenen Anna Lena Kaperek, der im Final Four ungeschlagenen Helen Briem und Alena Oppenheimer jeweils ein Sieg. Eva Ringwald und schließlich im entscheidenden Match Kapitänin Zeeb trennten sich Remis und erhielten dafür je einen halben Punkt zum 5:4-Endstand.

Ein bronzener Schlusspunkt unter die Saison der Damen des GC Solitude, der die Vereinsoberen ein Stück darüber hinweg tröstet, dass die Herren aus der Bundesliga abgestiegen sind. Für Heiko Burkhard, der die Damen seit 16 Jahren als Coach betreut, ein zweiter herausragender Erfolg in diesem Jahr, nachdem der 43-Jährige im April zum Golf-Trainer des Jahres in Deutschland gewählt worden ist. „Das war bislang ein Mega-Jahr“, sagte er, „aber es ist noch nicht vorbei.“ Bald bricht Heiko Burkhard als Bundestrainer der Gehörlosen nach Australien auf, wo Ende August die WM stattfindet. Taktische Kniffe packt er mit ins Gepäck.