Kleiner als eine Milchtüte und zwölfeinhalb Kilo schwer: die Goldbarren der Bundesbank. Foto: dpa

Fast 700 Tonnen Gold sind seit 2013 von Paris und New York nach Frankfurt gebracht worden. Dort lagert jetzt die Hälfte des deutschen Goldschatzes. Der Rest soll allerdings für Krisenfälle in den USA und Großbritannien bleiben.

Frankfurt - Beim Gedanken an den Goldtresor der britischen Notenbank gerät Carl-Ludwig Thiele regelrecht ins Schwärmen. „Das ist ein Raum in Fußballfeldgröße mit Goldbarren auf riesigen Paletten“, berichtete der Bundesbank-Vorstand am Mittwoch vor Journalisten. „Sehr beeindruckend.“ Auf die Frage nach der Größe des Bundesbank-eigenen Tresors reagierte Thiele allerdings schmallippig: Sie sei „ausreichend“.

Diese Antwort ist typisch für die Kommunikationspolitik der Bundesbank in Sachen Gold. Zwar verkündete die Notenbank voll Stolz, dass ihr jahrzehntelang auf vier Länder verteilter Goldschatz jetzt zur Hälfte in Frankfurt liegt. Über Einzelheiten zu den Transporten – immerhin 674 Tonnen Edelmetall wurden seit 2013 von New York und Paris aus an den Main gebracht – schwieg sie sich jedoch aus. Ob die Barren mit Flugzeugen oder Schiffen über den Atlantik verfrachtet oder auf der Schiene aus Frankreich herbeigeschafft wurden, könne man aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Lediglich die Kosten von 7,7 Millionen Euro wurden bekannt gegeben. Thiele sprach dennoch von einer für eine Notenbank „fast beispiellosen Transparenzoffensive“.

Der Transport nach Frankfurt ist die Reaktion auf Kritik

In die Offensive ging die Bundesbank allerdings nur, um aus der Defensive zu kommen: 2012 hatte der Bundesrechnungshof in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags die Kontrollen der im Ausland verwahrten Goldreserven als unzureichend bewertet. Diese Kritik entfachte eine öffentliche Debatte über die Sicherheit der Goldreserven an. Die Bundesbank veröffentlichte daraufhin 2013 erstmals Zahlen zu den an einzelnen Lagerstätten aufbewahrten Mengen und kündigte an, bis 2020 die Hälfte der Goldreserven in Frankfurt zusammenzuführen. Ein Ziel, das nun drei Jahre früher erreicht wurde.

„Die Hälfte ist noch viel zu wenig“, sagte der CSU-Politiker Peter Gauweiler dieser Zeitung. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete hatte damals den Bericht des Rechnungshofs initiiert. Dass 36,6 Prozent der deutschen Goldreserven in den USA bleiben sollen, bereitet Gauweiler Kopfschmerzen: „Die Vereinigten Staaten sind ja heftig bemüht, deutlich zu machen, dass sie ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen“, sagte er mit Blick auf die America-First-Politik von US-Präsident Donald Trump. „Stellen Sie sich vor, dass die USA mal irgendeine offene Forderung gegenüber Deutschland haben – dann gehen Sie mit den Goldreserven ein Risiko ein, das meiner Ansicht nach unverhältnismäßig ist.“

Gegen Gauweilers Sicherheitsbedenken stehen die der Bundesbank

Die Bundesbank begründet ihr Festhalten an ausländischen Lagerstätten indes ebenfalls mit Sicherheitserwägungen. „Mit den in Frankfurt gelagerten Reserven könnten im Notfall nicht unmittelbar ausländische Währungen organisiert werden, deshalb wäre eine vollständige Verlagerung aller Goldbestände nicht sachgerecht“, sagte Vorstandsmitglied Thiele.

Ein Argument, das Gauweiler grundsätzlich akzeptiert: „Eine Diversifizierung von Vermögensanlagen ist immer sinnvoll.“ Seiner Ansicht nach sollte die in New York aufbewahrte Goldmenge aber „maximal“ so groß sein wie die in London, wo 12,8 Prozent der deutschen Reserven lagern. Im Übrigen müssten die Kontrollen im Ausland verbessert werden.

Im Ausland gibt es bisher nur Stichproben

In den vergangenen Jahren haben Bundesbank-Mitarbeiter die Bestände in New York und London mehrfach stichprobenartig überprüft. Ein Fortschritt, denn bis 2013 hatte sich die Notenbank auf Angaben ihrer ausländischen Partner verlassen. Diese „belegmäßige Aufnahme“ hatte der Bundesrechnungshof in seiner Stellungnahme gerügt. Die Prüfung von Stichproben in den ausländischen Lagerstätten will die Bundesbank nun fortsetzen. Weitergehende Forderungen wies sie mit dem Argument zurück, sämtliche nach Frankfurt verbrachten Barren seien einer Einzelprüfung unterzogen worden. Rund 55 Tonnen Gold aus den USA wurden sogar eingeschmolzen, um den Feingehalt genauer zu untersuchen. „Damit verfügen wir jetzt über eine sehr große Stichprobe, bei der es keine Beanstandungen gab“, sagte eine Sprecherin.

Aufteilung hat historische Gründe

Die Verteilung des Goldschatzes auf mehrere Länder hat historische Gründe: Im Kalten Krieg strebte die Bundesbank nach Thieles Worten eine Lagerung „möglichst weit westlich“ an. Hinzu kam ein ganz praktischer Aspekt: Unter dem bis Anfang der Siebzigerjahre gültigen Bretton-Woods-System mit festen Wechselkursen wurden Leistungsbilanzüberschüsse teilweise in Gold ausgeglichen. Die exportstarke Bundesrepublik bekam also von anderen Staaten Gold, das dann auch im Ausland verwahrt wurde.

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