Rami Malek als Freddie Mercury in einer Szene des Films „Bohemian Rhapsody“ Foto: dpa/Fox Deutschland

Unberechenbarkeit als Markenzeichen: Auch die diesjährige Verleihung der Golden Globes hat wieder alle Klischees bestätigt. Der Film über Freddie Mercury und die Popgruppe Queen darf nun trotz seiner Schwächen auf Oscar-Ehren hoffen. Der Rest war erwartbar.

Los Angeles - Zum 76. Mal wurden in der Nacht auf Montag in Los Angeles die Golden Globes verliehen, und einmal mehr bestätigte die Hollywood Foreign Press Association (HFPA), deren rund 90 Mitglieder über die Film- und Fernsehauszeichnungen entscheiden, dass es bei keiner Preisverleihung so unvorhersehbar zugeht wie bei ihrer.

Abräumer des Abends, durch den der Komiker Andy Samberg und die Schauspielerin Sandra Oh (die in dessen Verlauf für ihre Hauptrolle in der Serie „Killing Eve“ selbst einen Golden Globe gewann) führten, wurde einigermaßen überraschend „Bohemian Rhapsody“, das musiklastige Biopic über die Popgruppe Queen und ihren Sänger Freddie Mercury. Noch bis vor kurzem hatte kaum jemand den Film für die großen US-Filmpreise auf dem Schirm, was an teilweise verheerenden Kritiken ebenso lag wie an der schwierigen Produktionsgeschichte. Nun war der bei den Golden Globes als Drama statt als Musical geführte Film trotz gerade einmal zwei Nominierungen in beiden Fällen erfolgreich. „Bohemian Rhapsody“ wurde als Bester Film ebenso ausgezeichnet wie Rami Malek als Bester Hauptdarsteller.

Ob sich die in Los Angeles lebenden Auslandsjournalisten der HFPA bei ihrer Entscheidung vor allem von Maleks tatsächlich mitreißender Performance und dem sensationellen Kassenerfolg des eigentlich ärgerlich zahmen und beschönigenden Band-Porträts überzeugen ließen oder ob doch auch die allen Mitgliedern spendierte Reise zum Queen-Konzert in Barcelona eine Rolle spielte, sei dahingestellt. Auffällig war jedenfalls, wie sorgfältig sowohl Malek als auch Produzent Graham King sich in ihren Dankesreden bemühten, den mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Regisseur Bryan Singer nicht zu erwähnen, der nach der Hälfte der Dreharbeiten gefeuert wurde und nur aus vertraglichen Gründen weiter im Abspann genannt wird.

„A Star is Born“ musste sich mit dem Preis für den besten Song begnügen

Für die Oscar-Nominierungen, über die seit gestern abgestimmt wird, bevor sie am 22. Januar von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences bekannt gegeben werden, liegt „Bohemian Rhapsody“ nun ebenso gut im Rennen wie Peter Farrellys „Green Book – Eine besondere Freundschaft“, der sich fast genauso unerwartet in der Kategorie Bester Film/Komödie & Musical durchsetzte. Die arg gefällige und sentimentale Geschichte der wahren Freundschaft zwischen einem schwarzen Musiker und seinem weißen Fahrer in den 60er Jahren wurde obendrein mit Golden Globes für das Beste Drehbuch und Nebendarsteller Mahershala Ali bedacht.

Die bislang als größte Favoriten der Filmpreis-Saison gehandelten Kandidaten hatten derweil durchwachsene Erfolgsbilanzen vorzuweisen. Während Alfonso Cuaróns beeindruckendes und von Netflix produziertes Schwarzweiß-Drama „Roma“ erwartungsgemäß als Bester fremdsprachiger Film (wo auch „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck nominiert war) ebenso ausgezeichnet wurde wie in der Kategorie Beste Regie und während für den humorvollen Kostümfilm „The Favourite“ immerhin Hauptdarstellerin Olivia Colman zum Zuge kam, musste sich „A Star is Born“ mit dem Preis für den Besten Song begnügen. Als die Beste Hauptdarstellerin/Drama verkündet wurde, war es nicht Lady Gaga, sondern Glenn Close, die auf die Bühne gerufen wurde. Kaum jemand schien darüber überraschter als sie selbst, die anlässlich der Ehrung für ihren Film „Die Frau des Nobelpreisträgers“ eine der bewegendsten Dankesreden des Abends hielt und alle Frauen dazu aufrief, sich nie verbieten zu lassen, den eigenen Träumen zu folgen.

Regina King will sich für mehr Frauen am Set einsetzen

Ähnlich leidenschaftlich bedankte sich Regina King, als Beste Nebendarstellerin für die James Baldwin-Verfilmung „Beale Street“ geehrt, für ihren Golden Globe und verpflichtete sich öffentlich, innerhalb der kommenden beiden Jahre dafür zu sorgen, dass bei von ihr produzierten Projekten die Hälfte aller Jobs mit Frauen besetzt werden. Einen anderen Tonfall schlug Christian Bale an, der mit dem Preis als Bester Hauptdarsteller/ Musical & Komödie den einzigen Globe für den sechsfach nominierten „Vice – Der zweite Mann“. Der Brite spielt in dem von Adam McKay inszenierten Film den einstigen US-Vizepräsidenten – und bedankte sich für all die Inspiration nicht zuletzt bei Satan persönlich. Stehende Ovationen gab es derweil für die beiden Ehrenpreisträger: Jeff Bridges erhielt den Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk, Carol Burnett machte als erste Gewinnerin des neu geschaffenen und nach ihr benannten Fernseh-Spezialpreises Geschichte.

Apropos Fernsehen: In der TV-Sparte der Golden Globes waren „The Assassination Gianni Versace“ (Beste Miniserie & Bester Hauptdarsteller/Miniserie) sowie „The Kominsky Method“ (Beste Comedy-Serie & Michael Douglas als Bester Comedy-Hauptdarsteller) Doppelgewinner, als Beste Drama-Serie wurde die jüngst zu Ende gegangene Spionage-Geschichte „The Americans“ ausgezeichnet. Daniel Brühl, der für seine Rolle in „The Alienist – Die Einkreisung“ nominiert war und seine Lebensgefährtin mit zur Gala ins Beverly Hilton-Hotel gebracht hatte, musste wie schon vor fünf Jahren mit leeren Händen nach Hause gehen.

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