Vinzenz Geiger, Fabian Rießle, Eric Frenzel und Johannes Rydzek (v. li.): Das deutsche Quartett hat allen Grund zum Jubeln. Foto: dpa

Was für eine sagenhafte Leistung von Johannes Rydzek, Eric Frenzel, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger: Die deutschen Kombinierer gewinnen nach den beiden Einzelrennen auch den Teamwettbewerb.

Pyeongchang - Die deutsche Mannschaft räumt bei den Winterspielen in Pyeongchang weiter ab, 13 Olympiasiege bedeuten einen Rekord – und natürlich hat jeder Erfolg seine ganz eigene Geschichte. Es gibt das emotionalste Gold (Wellinger/Skispringen), das schönste (Savchenko, Massot/Eiskunstlaufen), das knappste (Friedrich/Bob), das überraschendste (Jamanka/Bob), das doppelte (Dahlmeier/Biathlon) – und seit gestern auch das klarste. Durch die Kombinierer.

Theoretisch hätte Johannes Rydzek die letzte 2,5-km-Schleife komplett mit der deutschen Fahne in der Hand laufen können. Oder ohne Stöcke. Oder rückwärts. Tat er natürlich nicht, aber der Vorsprung wäre auch für solche Spielchen groß genug gewesen. Am Ende lag das deutsche Quartett mit den Einzel-Olympiasiegern Johannes Rydzek und Eric Frenzel, die sich an den Position drei und vier nicht mehr hatten verausgaben müssen, sowie Fabian Rießle und Vinzenz Geiger 52,7 Sekunden vor Norwegen und 1:07 Minuten vor Österreich.

Demonstration der Stärke

Der Favorit ist nicht nur in seiner eigenen Liga gelaufen, sondern in seiner eigenen Welt. „Das war eine Demonstration unserer Stärke“, sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem dritten Gold im dritten olympischen Rennen (darunter ein Dreifachsieg im Wettbewerb von der Großschanze), „im Weltcup würde man in so einer Situation ein paar Kräfte sparen. Hier nicht. Wir wollten zeigen, dass wir wer sind. Und dass wir richtig viel drauf haben.“ Das ist gelungen.

Eindrucksvoll.

Nach dem Springen hatten die vier Deutschen dank starker Leistungen von Rydzek und Frenzel, die Weinbuch gerne „die beiden Chefs“ nennt, eine glänzende Ausgangsposition. Vinzenz Geiger startete sechs Sekunden hinter dem Österreicher Lukas Klapfer, am Ende hatte er zehn Sekunden Vorsprung. Danach vergrößerte Fabian Rießle das Loch. Der Rest war Formsache.

„Wir haben pure Leidenschaft gezeigt und Bronze gewonnen“, meinte der Österreicher Bernhard Gruber, „wir haben schon nach dem ersten Wechsel gemerkt, dass nach vorne nichts geht. Unglaublich, wie die Deutschen den Turbo gezündet haben. Das ist eine richtig starke Mannschaft.“ Nicht nur sportlich.

Die vier Olympiasieger wurden nicht müde zu betonen, wie wichtig der Teamgeist für ihren Erfolg ist. „Dass wir dreimal Gold geholt haben, ist unfassbar. Wir sind schon eine coole Truppe“, sagte Fabian Rießle. „Wir haben einen unglaublich tollen Spirit“, erklärte Johannes Rydzek, der nach seinen vier Weltmeister-Titeln 2017 in Lahti nun auch Doppel-Olympiasieger ist, „solche Erfolge sind alles andere als selbstverständlich.“ Und Eric Frenzel meinte: „Jeder hat getan, was er tun musste. Es ist ein unglaublicher Tag, den wir sehr genießen – vor allem nach der knappen Niederlage vor vier Jahren in Sotschi gegen die Norweger.“

Weinbuchs Sammlung jetzt komplett

Die Jungs freuten sich umso mehr, weil sie ihrem Coach nicht nur die 49. Medaille bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften beschert hatten. Sie stopften damit auch die letzte Lücke in seiner Sammlung. Nur der Olympia-Sieg in der Teamstaffel fehlte Hermann Weinbuch noch in seiner persönlichen Bilanz. Zu wichtig wollte er die Medaille trotzdem nicht nehmen. „Ich sage immer zu Eric Frenzel, der schon so viel erreicht hat, dass es lauter Geschenke sind, die jetzt noch kommen“, erklärte der Bundestrainer, „und so will ich es jetzt auch bei mir selbst sehen. Ich habe mir bewiesen, dass ich ziemlich gut bin und Ahnung haben, deshalb sage ich jetzt: Es ist geil, mit so einem Team zu arbeiten. Das macht den Erfolg noch viel schöner.“ Und bietet eine gute Perspektive.

Zumindest bis zur WM 2019 im österreichischen Seefeld wird Weinbuch dabei bleiben, auch aus dem goldenen Quartett von Pyeongchang machen alle weiter. „Die Mannschaft ist am Zenit ihrer Schaffenskraft“, sagte der erfolgreichste Bundestrainer des deutschen Wintersports, „wir werden mit diesen Jungs noch das eine oder andere schöne Jahr erleben.“

Weinbuch sorgt sich um zweite, dritte Reihe

Trotzdem geht den Verantwortlichen die Arbeit nicht aus. Sie haben die schwierige Aufgabe, hinter dem Weltcup-Team junge Leute aufzubauen und heranzuführen. Das ist in den vergangenen Jahren zwar vorbildhaft gelungen, aber noch lange keine Garantie, dass es auch in Zukunft klappen wird. „Im zweiten und dritten Glied brechen wir leistungsmäßig gerade ein bisschen weg, da müssen wir wieder mehr investieren“, sagte Weinbuch im Moment des größten Erfolgs, „sonst kann es in drei, vier Jahren vorbei sein mit der Herrlichkeit.“

Die vier Athleten wollten solche Überlegungen nach ihrem Olympiasieg nicht anstellen. Sie dachten viel lieber an die Feier im deutschen Haus. Dort wollten sie richtig Gas geben. Genügend Kraft war nach der Demonstration der Stärke ja durchaus noch vorhanden.

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