Das Comeback von Donald Trump hat US-Aktien und Kryptowerte auf Höhenflug geschickt, Gold jedoch brach seine Rekordjagd abrupt ab. Ist die Rallye vorbei?
Für US-Aktienanleger und Bitcoin-Fans war die Wiederwahl von Donald Trump bislang ein voller Erfolg – bei Goldanhängern hingegen herrscht Trübsal. Das Edelmetall brach seine Rekordjagd an den Finanzmärkten – im Gegensatz zu US-Aktien und Kryptowährungen – jäh ab und fiel deutlich zurück. Der Preis pro Feinunze (etwa 31,1 Gramm) rutschte zuletzt auf rund 2575 Dollar (2444 Euro) und lag damit ungefähr 200 Dollar unter seinem Allzeithoch von Ende Oktober. Ist die Gold-Hausse schon zu Ende? Warum wirkt Trump als Dämpfer?
Größter Wochenverlust seit Ende Mai
Von „großer Ernüchterung“ am Goldmarkt spricht Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Der Goldpreis habe nach den US-Präsidentschaftswahlen seinen größten Wochenverlust seit Ende Mai verzeichnet. In nur zehn Handelstagen brach er um über acht Prozent ein.
Dass Trumps Rückkehr ins Weiße Haus das als Inflations- und Krisenschutz bei vorsichtigen Investoren gefragte Edelmetall herunterzieht, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch die Anleger ließen sich den Risikoappetit durch Trumps unberechenbare Art und seine protektionistische Wirtschaftsagenda nicht verderben – im Gegenteil: Die US-Börsen schalteten in Vorfreude auf niedrigere Unternehmenssteuern und Deregulierung voll in die Offensive.
Die Kehrseite ist allerdings, dass Trumps geplante Steuersenkungen den strapazierten US-Staatshaushalt weiter belasten dürften, und seine angekündigten Importzölle die Inflation wieder anfachen könnten. Das würde die US-Notenbank bei weiteren Zinssenkungen bremsen. Diese Annahme hat die US-Anleiherenditen bereits deutlich steigen lassen, bei der richtungsweisenden Laufzeit über zehn Jahre erreichten sie nach der Wahl das höchste Niveau seit vier Monaten.
Mit der Aussicht auf eine längerfristig weniger laxe Geldpolitik in den USA wertet auch der Dollar auf, da höhere Zinsen internationales Finanzkapital anziehen. Hinzu kommt Trumps aggressive „America first“-Politik, die ausländische Konzerne mit Subventionen einerseits und Strafzöllen andererseits zu Investitionen in den USA verleiten sollen.
Zinserwartungen und Dollarstärke drücken Goldpreis
Was hat all das mit Gold zu tun? Der Preis des Edelmetalls hängt stark von der Entwicklung der Zinsen und des Dollars ab. Da die US-Devise die Währung ist, in der Gold weltweit vornehmlich gehandelt wird, wirkt ein starker Dollar wie eine Verteuerung. Die Geldpolitik der großen Notenbanken wie der Fed in den USA hat nicht nur deshalb erheblichen Einfluss. Denn Gold wirft im Gegensatz zu Anleihen, Tages- oder Festgeld keine Zinserträge ab, es gewinnt deshalb an Attraktivität, wenn die Leitzinsen sinken.
Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) und die Fed im Sommer den Abstieg vom Zinsgipfel einleiteten, da die im Zuge von Coronapandemie und Russlands Krieg gegen die Ukraine stark gestiegene Inflation wieder unter Kontrolle schien, reagierte Gold mit deutlichen Preisanstiegen. Doch angesichts des anstehenden Regierungswechsels in den USA könnte die dortige Notenbank ihren Lockerungskurs anpassen. „Denn die von Trump beabsichtigten Zölle dürften zu einer höheren Inflation führen und damit weitere Zinssenkungen der Fed erschweren“, erklärt Commerzbank-Experte Fritsch.
Marktstratege George Saravelos von der Deutschen Bank nennt einen weiteren Grund für die jüngsten Preisrückgänge: „Die Nachfrage von Zentralbanken nach Goldreserven sinkt“. Goldkäufe von Notenbanken, die das Edelmetall als stabile Reservewährung betrachten, sind traditionell eine wichtige Stütze am Markt. Besonders stark tat sich hier zwischenzeitlich die chinesische Zentralbank hervor, doch sie hat ihre Reserven mittlerweile seit sechs Monaten nicht mehr weiter ausgebaut.
Insgesamt halbierten sich die Goldkäufe von Zentralbanken im dritten Quartal im Jahresvergleich fast. Auch die klassische Nachfrage nach Schmuck, Barren und Münzen schwächelte in China zuletzt, nachdem sie im ersten Halbjahr noch eine treibende Kraft hinter dem Boom der Anlageklasse gewesen war. Nach sechs Monaten mit Nettozuflüssen in Folge scheint auch bei Gold-ETFs ein Umdenken eingesetzt zu haben. Laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg sanken die Goldbestände der Fonds seit Anfang November um 15 Tonnen.
Experte: Gold könnte bald wieder als Inflationsschutz gefragt sein
Commerzbank-Fachmann Fritsch geht trotzdem nicht von einer länger anhaltenden Goldpreisschwäche aus. Spätestens, wenn Trumps protektionistische Zollagenda auf die Preise durchschlage, dürfte Gold wieder als Inflationsschutz gefragt sein. Ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor ist, ob der designierte US-Präsident wie bereits öffentlich erwogen, an der Unabhängigkeit der Notenbank Fed rütteln wird – ein Szenario, das große Nervosität an den Märkten auslösen und Gold als sicherem Hafen zugute kommen könnte. „Sollte Trump Einfluss auf die Geldpolitik der Fed nehmen und diese daraufhin nicht im erforderlichen Ausmaß auf die höhere Inflation reagieren, würde der Goldpreis sogar deutlich steigen“, sagt Fritsch. Die von Trump geplanten Steuersenkungen dürften außerdem zu einer deutlichen Ausweitung des Haushaltsdefizits führen, was Zweifel an der Bonität der US-Staatsfinanzen schüren könnte.
Auch davon würde Gold laut Fritsch profitieren, da es im Gegensatz zu US-Staatsanleihen nicht beliebig vermehrt werden kann. „Von daher besteht weiter die Möglichkeit neuer Rekordhochs beim Goldpreis.“
Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Online-Broker CMC Markets, geht auf längere Sicht ebenfalls weiter von einem intakten Aufwärtstrend aus. Die Kombination aus starkem Dollar und höheren Zinserwartungen mache Gold derzeit zwar weniger attraktiv. Doch aus technischer Perspektive deute nichts auf einen tieferen Preisverfall hin.
Verbraucherschützer raten bei Gold indes generell zur Vorsicht. Sie warnen vor Preisschwankungen, hohen Gebühren und Währungsrisiken. „Investieren Sie nur einen kleinen Teil Ihres Vermögens in Gold, um die heftigen Schwankungen des Goldkurses durch andere Geldanlagen wie Aktien oder Immobilien abzufangen“, empfehlen die Verbraucherzentralen.
Metall, Mythos, Sicherheitsbaustein?
Geschichte
Gold war mehrere tausend Jahre eine akzeptierte Handelswährung weltweit und hat unter vielen Anlegern heutzutage den Ruf eines Sicherheitsbausteins und Inflationsschutzes im Portfolio. Es soll Wertstabilität gewährleisten, wenn die Aktienmärkte durch Krisen einknicken oder die Inflation besonders hoch ist.
Schutz
Das Argument hat eine gewisse Logik: Da die Goldmengen auf der Welt begrenzt sind, kann es, anders als Geld, nicht so viel an Wert verlieren, die Kaufkraft von Gold bleibt also relativ stabil. Statistisch ist der Zusammenhang zwischen Inflation und Goldpreis allerdings nicht so eindeutig, wie Gold-Befürworter das oft gerne darstellen, denn es kommt auf den betrachteten Zeitraum an. Kurzfristig – und damit ist ein Anlagehorizont von unter 20 Jahren gemeint – schwankt auch der Wert von Gold stark. Auch die nachgesagte negative Korrelation, also das Auseinanderdriften von Goldkurs zu Aktienkursen, ist kein Naturgesetz: In den vergangenen zwölf Monaten ging es an der Börse ebenso nach obenwie beim Preis für Gold.
Rendite
Gold wirft auch keine Erträge in Form von Zinsen oder Dividenden ab. Nur Kurssteigerungen ermöglichen Gewinne. Diese wiederum sind bei physischem Gold, also bei Barren oder Münzen, in Deutschland steuerfrei – sofern man das Gold mindestens ein Jahr lang gehalten hat. (pho)