Im Göppinger Wohngebiet Waldeck will eine Bauherrengemeinschaft zwölf Wohnungen bauen. Die Anwohner finden, die beiden Gebäude seien zu groß für ihr Eigenheim-Idyll.
Erneut üben Nachbarn Kritik an einem geplanten Wohnungsbauvorhaben, das ihrer Meinung nach viel zu voluminös ausfallen soll. Konkret geht es um zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen, die in der Kopernikusstraße im Gebiet Waldeck zwischen der Göppinger Innenstadt und Jebenhausen geplant sind. Dort liegen nebeneinander zwei über Jahrzehnte leer gelassene Grundstücke. Nun sollen sie bebaut werden. Die Gebäude sind mit zwei Vollgeschossen und einem zurückversetzten Dachgeschoss geplant. Die Göppinger Stadtverwaltung hält das Vorhaben für vertretbar. Mehr noch: Das Projekt soll ohne das zuerst geplante, langwierige Bebauungsplanverfahren verwirklicht werden, sondern mit dem sogenannten „Bauturbo“. Prompt gibt es einen Konflikt.
Schon im vergangenen Jahr wollte die Stadt den vorhabenbezogenen Bebauungsplan durch die Gremien bringen. Doch die Anwohner waren schon damals alarmiert. Schließlich wurde das Verfahren im Juni 2025 erst einmal von der Tagesordnung genommen. Nun aber wittern die Nachbarn, die sich nach eigenen Angaben zu einer lockeren Initiative mit 13 Mitstreitern zusammengeschlossen haben, wieder Gefahr. Sie haben einen Brandbrief an die Stadträte geschrieben und laden für Samstag, 16. Mai, um 10.30 Uhr zu einer Veranstaltung vor Ort ein.
Anwohner wollen bisherige Quartiersstruktur erhalten
Dabei betont Alexander Heim für die Nachbarschaft, dass sie gar nicht gegen die Schließung von Baulücken und das Schaffen von günstigem Wohnraum seien. „Keiner von uns ist dagegen, dass etwas gebaut wird.“ Sie befürworten aber auch die Erhaltung der bisherigen Quartierstruktur. Der bisherige Bebauungsplan sieht zwei Vollgeschosse und ein geneigtes Dach vor. „Das beantragte Bauvorhaben ist jedoch an dieser Stelle völlig überdimensioniert und bringt erhebliche Probleme mit sich“, heißt es in einem Flyer der Initiative. Das geplante Bauprojekt mit Tiefgarage „sprengt die gewachsene Struktur unseres Viertels erheblich.“ Die Anwohner befürchten mehr Verkehr und Lärm. Schon jetzt sei die Parksituation angespannt, die Zufahrt von der Keplerstraße eng und gefährlich.
Nach Ansicht der Nachbarn würde das gewachsene Wohngebiet massiv verändert, Grünflächen versiegelt und Spielflächen für Kinder entfallen. Kritik üben die Anwohner auch daran, dass hier das neu geschaffene Instrument des „Bauturbo“ angewendet werden soll. „Damit soll ein Bauvorhaben realisiert werden, das keinerlei Rücksicht auf das Wohnumfeld nimmt und einzig und allein privaten Interessen einen möglichst großen finanziellen Gewinn bringen soll.“ Sie glauben auch, dass die Gebäude „kein Angebot für wohnungssuchende Menschen mit mittlerem Einkommen“ bieten würden.
Stadtverwaltung hält die Größe des Vorhabens für angemessen
Die Stadtverwaltung widerspricht. Das Vorhaben werde von einer Bauherrengemeinschaft gebaut, die noch in der Gründungsphase ist. Die Suche nach potenziellen Interessenten organisiere die Kreissparkasse Göppingen. „Vorrangig Menschen aus dem Quartier sollen die Möglichkeit erhalten, innerhalb ihrer bisherigen Wohngegend von einem Haus in eine Wohnung umziehen zu können“, erklärt Andrea Rothfuß, stellvertretende Pressesprecherin der Stadt.
Auch die Größe findet die Stadtverwaltung angemessen: „Die Anzahl der Wohneinheiten ist für die große Grundstücksfläche städtebaulich durchaus vertretbar. Wir sprechen von einem maßvollen Einfügen im Sinne der Innenentwicklung.“ Auch die zu erwartende Zunahme des Verkehrs übersteige nicht das übliche Maß. „Das Grundstück in der Kopernikusstraße bietet dafür wertvolles Potenzial zur Schaffung von Wohnraum in Göppingen.“ Der „Bauturbo“ ermögliche eine schnelle Verwirklichung ohne langwierige Änderungsverfahren. Daher wolle die Stadt den Bebauungsplan gar nicht mehr anpassen.
Debatte um geplantes Flachdach ist geführt worden
Das Projekt sei im vergangenen Jahr von der Tagesordnung genommen worden, „um die Anregungen der Anwohnerschaft im Entwurf ernst zu nehmen“, sagt Rothfuß. „Ebenso gab es seitens des Gremiums teilweise Vorbehalte gegenüber dem ,Einfügen’ der Gebäude mit begrüntem Flachdach in eine Umgebung, die von Satteldächern geprägt ist.“ Eine Diskussion um das Für und Wider von alternativen Dachformen sei aber zwischenzeitlich erfolgt.