Der „Landeplatz für Genießer“ in Göppingen lockte drei Jahrzehnte lang Kunden aus der ganzen Region an. Jetzt geht der Tabakwaren- und Whiskyexperte Alfred Vogel in den Ruhestand. Wir verraten, wie es mit dem ungewöhnlichen Geschäft weitergeht.
Immer wieder geht die Ladentür in der Geislinger Straße in Göppingen auf und Kunden fragen, ob es denn mit dem Geschäft weitergehe. Es hat sich herumgesprochen, dass Alfred Vogel Ende der Woche in den Ruhestand geht. Er ist eine Institution geworden, nicht nur in Göppingen, sondern auch in der Region, denn er „lebt“ buchstäblich sein Geschäft, das er „Landeplatz für Genießer“ genannt hat. Und das wissen seine Kunden zu schätzen, denen er sich freundlich zuwendet, sie mit viel Fachwissen berät und zwischendurch mit ihnen im „Chambre Séparée“ eine Zigarre raucht, einen Café oder einen Whisky trinkt.
Von außen ist der Laden unauffällig
Dabei ist das Geschäft, das Vogel seit 1991 mit seiner Frau Sabine betreibt, von außen eher unauffällig. Nachdem der gelernte Einzelhandelskaufmann zunächst in der Gerberstraße einen kleinen Laden hatte, wollte er sich weiterentwickeln. Da kam der Zuschnitt des Geschäfts und die Größe trotz der Schlauchlänge durch seine vielen Stellflächen und die überdurchschnittliche Höhe samt zwei größeren Flächen gerade recht.
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Denn in seinem Sortiment hat er nicht nur die üblichen Tabakwaren mit sämtlichem Zubehör, sondern als Habanos-Spezialist – in der Bundesrepublik gibt es davon nur 72 Geschäfte – auch eine Auswahl an Zigarren-Nobelmarken wie etwa handgerollte Davidoffs oder Cohibas, für die man eine Lizenz braucht. Wie Zigarren gerollt werden, haben in seinem Geschäft sogar schon Rollerinnen aus Kuba, der Dominikanischen Republik und aus Brasilien mit viel Geschick und Sorgfalt live gezeigt.
Pfeifen für jeden Geschmack und Geldbeutel
Etwa 150 Exemplare von Pfeifen, darunter edle, wertvolle, handgeschnitzte Einzelstücke, zieren zudem die Vitrinen der Tabakstube. Dafür kann der Genießer schon mal 450 Euro ausgeben, aber es gibt auch preiswerte Pfeifen ab 35 Euro. Immer wieder hatte Vogel Pfeifenmacher aus Italien, Dänemark und Deutschland eingeladen, die in seinem Geschäft den Kunden das Handwerk zeigten, aus einem speziellen, wertvollen, lange gelagerten Holz, dem Bruyère, eine Pfeife zu schnitzen. Auch Meerschaumpfeifen findet man in den Vitrinen. Ein besonderer Höhepunkt sei gewesen, als der bekannte dänische Pfeifenmacher Eric Nording die größte rauchbare Pfeife der Welt, die in Kopenhagen steht, in seinem Transporter nach Göppingen gebracht hat. Vogel zeigt eine Ansicht, wie die mannshohe Pfeife in seinem Göppinger Geschäft geraucht wird, aus seinem Archiv: Sie besteht aus zusammengeklebten Pfeifen und Mundstücken und wird durch einen langen Schlauch bedient.
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Auch für Whisky ist Vogel mit etwa 350 Sorten ein mit Auszeichnungen versehener Spezialist. Mit 20 Sorten habe er angefangen, sagt er und zeigt seine 50 Whisky-Bücher, mit denen er sich beschäftigt und fortgebildet habe. Vom „Whisky-Botschafter“ wurde er seit 15 Jahren deswegen jedes Jahr für ein Sortiment ausgezeichnet. Für eine Flasche kann man bis zu 2000 Euro ausgeben.
Wissen über Whisky selbst angeeignet
Wenn Vogel von traditionellen Unternehmen spricht, die schon seit dem 17. Jahrhundert die Kunst des Destillierens beherrschen, gerät er in Begeisterung. Bei einem Bekannten habe er in seinen Anfängen einen Single Malt Whisky probieren dürfen und sich dann Wissen angeeignet. Das sei der Anfang für seine Leidenschaft gewesen: Qualität mit jeweils nur einer erfahrenen traditionsreichen Destillerie und nur einer Getreidesorte.
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Vogel sagt, er habe viele Proben, neudeutsch Tastings, veranstaltet, Kurse gegeben und sei auf diese Weise bekannt geworden. Wenn sein Nachfolger das Geschäft ab dem 9. Mai weiterführe, werde er dort gerne Gast und Kunde sein. Das Schöne an seinem Beruf sei, dass man mit ganz verschiedenen Leuten mit jeweils verschiedenen Vorlieben zu tun habe. Und es passierten auch immer wieder lustige Geschichten wie die Verwechslung eines Buchstabens, als er einmal für eine Zigarrenbauchbinde das Wort „casa de pacharo“ (Haus des Vogels) gewollt, aber „casa de pachero“ (Haus des Idioten) geschrieben habe.
Wie es nach der Schließung weitergeht
Wechsel
Vogels Tabakstube hat noch bis 16. April geöffnet. Danach hat das Geschäft an der Geislinger Straße für drei Wochen geschlossen. Am 9. Mai präsentiert sich dann der Nachfolger.
Rückblick
Alfred Vogel betrieb mit seiner Frau Sabine seit 1991 an der Geislinger Straße „Vogels Tabakstube – Landeplatz für Genießer“. Die beiden haben drei erwachsene Kinder. Der gelernte Einzelhandelskaufmann geht jetzt in den Ruhestand. Er hat immer wieder Ehrungen in Fachkreisen bekommen, etwa für sein außergewöhnliches Wissen und Whisky-Sortiment.