Die Mehrheit war deutlich: Auf der Golfpark-Fläche im Göppinger Stauferpark sollen Wohnraum und Gewerbe entstehen. Die Bürgerinitiative ist enttäuscht
Es war erst 17.40 Uhr am frühen Donnerstagabend, als im Göppinger Gemeinderat eine der wichtigsten städtebaulichen Entscheidungen der vergangenen Jahre fiel: Der Golfplatz im Stauferpark soll zumindest teilweise bebaut werden. Von den etwa 34 Hektar, die das Gebiet umfasst, werden künftig etwa die Hälfte für Wohnen und Gewerbe genutzt. So sollen entlang der bestehenden Einfamilienhaussiedlung am Galgenberg 49.000 Quadratmeter fürs Wohnen bereitstehen, im nördlichen Teil entlang der Firma Kleemann sind mit etwas Abstand etwa 120.000 Quadratmeter für Gewerbeansiedlungen reserviert. Dazwischen und an den Randbereichen werden etwa 170.000 Quadratmeter für Freiflächen und Grünanlagen eingeplant.
Für diese Variante entschieden sich am Ende eines langen kommunalpolitischen Tauziehens 25 der 32 anwesenden Stadträte sowie Oberbürgermeister Alex Maier. Sechs Stadträte waren dagegen (vier von der FWG, zwei von der CDU), bei den Grünen gab es eine Enthaltung.
Die Zuschauerränge im Ratssaal waren zwar gut gefüllt, doch viel diskutiert wurde jetzt nicht mehr. In den Wochen zuvor war die Brisanz des Themas umso größer: Das Gelände ist im Flächennutzungsplan seit Langem als Wohnungsbau-Reservefläche vorgesehen. Doch seit die Stadtverwaltung das Thema im vergangenen Jahr neu angepackt hatte, gingen die Wogen hoch: Die Bürgerinitiative „Naherholung Stauferpark“ formierte sich, auch der Golfclub machte gegen das Vorhaben mobil.
Bürgerpark statt Golfplatz
Hauptargumente der Stadt für die Bebauung: Mit den derzeit geplanten Wohnungsbauvorhaben an anderen Stellen in der Stadt könne der errechnete Wohnungsbedarf bis 2035 nicht vollständig erreicht werden. Dazu müsse auch der Stauferpark weiterentwickelt werden. In dem neuen Wohngebiet sollen künftig bis zu 650 Menschen leben. Nach Ansicht der Stadt fehlt es auch für die Gewerbeentwicklung an Flächen, die im Eigentum der Stadt sind und an potenziell ansiedlungswillige Firmen vergeben werden könnten. Die Entwicklung der Gewerbebrachen gestalte sich schwierig. Die Stadt brauche also die Flächen im Stauferpark-Süd, um nicht weiter von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt zu werden.
Das Thema war mehrmals im Gemeinderat und bei einer überfüllten Info-Veranstaltung behandelt worden. Über den Winter hatte die Verwaltung viel Vorarbeit geleistet, auf hunderten Seiten die klimatologischen und ökologischen Bedingungen und den Artenschutz untersuchen lassen. Das Ergebnis lautete grob gesagt: Mit den entsprechenden Vorgaben spreche ökologisch nichts gegen die Teilbebauung. Auch die Verkehrszunahme am Galgenberg hält die Kommune für beherrschbar. Baubürgermeisterin Eva Noller erklärte vor der Abstimmung auch erneut, dass die bisher eingeschränkte Naherholungsfunktion des abgesperrten Golfplatz-Areals sich mit dem geplanten Bürgerpark sogar verbessern werde.
Wichtig war es sowohl der Baubürgermeisterin als auch Oberbürgermeister Alex Maier zu betonen, dass mit dem Grundsatzbeschluss die Planungsarbeit erst beginne. Die Stadträte sowie die Öffentlichkeit könnten im Laufe des Bebauungsplanverfahrens noch einige Male mitreden. Maier: „Wir werden da nicht irgendetwas hinklatschen.“ Er versprach eine hochwertige Bebauung.
All dem konnten die Mitglieder der Bürgerinitiative, die nach der für sie enttäuschenden Abstimmung im Foyer zusammenstanden, wenig abgewinnen. Die Bürger seien vor den Kopf gestoßen worden, sagte beispielsweise Dieter Heim. Es werde immer von Bürgerbeteiligung geredet, doch dann werde auf die Bedenken der Bürger nicht eingegangen, findet er.
Andreas Evers meinte, er habe zumindest die Hoffnung gehabt, dass das Votum knapper ausfallen werde. Reiner Pätzold fand, Bürgerbeteiligung habe bisher „nicht im Ansatz stattgefunden“. Deutliche Kritik übte er an der Auslegung der Untersuchungen, vor allem zum Golfplatz als Kaltluftquelle für die Stadt. Klare Aussagen würden von der Stadt relativiert. Der OB und die Fraktion der Grünen ließen mit diesem Beschluss ihre eigenen ökologischen Ansprüche weit hinter sich, fand er.
BI: „Wir bleiben aktiv“
Pätzold und seine Mitstreiter glauben auch nicht, dass das Opfern der letzten freien Flächen die wirtschaftlichen Probleme der Stadt lösen wird. „Wenn Gewerbeflächen bereitstehen, heißt es noch lange nicht, dass Gewerbe auch kommt.“ Und zudem müsse die finanziell in einer tiefen Krise steckende Stadt für Ansiedlungen erst einmal in Vorleistung gehen und die Flächen erschließen.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative waren sich einig, dass sie den weiteren Planungsprozess, der auf etwa drei Jahre geschätzt wird, sehr kritisch begleiten werden. Andreas Evers: „Wir sind so lange aktiv, bis die Bagger kommen.“
Die Fraktion der Grünen hatte vor der Abstimmung im Gemeinderat über den Verwaltungsvorschlag noch eine weitere Variante ins Spiel gebracht. Demnach sollte die Gewerbefläche noch einmal um 1,9 Hektar reduziert und die für den Kaltluftfluss nötige Fläche entsprechend vergrößert werden. Dafür bekamen sie aber aus den anderen Fraktionen so gut wie keine Stimmen.