Ein Fußweg soll vom Friedhof zu dem Krematorium führen. Hinter der Mauer auf dem Bild ist ein geschützter Bereich im Grünen für trauernde Angehörige geplant, die bei der Kremierung dabei sein wollen. Foto: Architekten-Preiß

In einem Jahr soll das neue Krematorium neben dem Göppinger Friedhof eröffnet werden. Doch neuer Ärger ist bereits programmiert.

Göppingen - In Göppingen geboren, gelebt, gestorben – und dann im Tod per Leichenwagen auf Wanderschaft zu irgendeinem Krematorium in der Ferne, um eingeäschert zu werden? Der Gedanke, dass Bürger aus Göppingen nicht mehr vor Ort kremiert werden konnten, hat seit dem technischen Aus des alten Krematoriums vor sechs Jahren viele Bürger und viele Stadträte aufgebracht. Jahrelang stritt man im Gemeinderat darüber, wie ein pietätvoller Umgang mit Verstorbenen aussehen sollte, und wie die Stadt dafür sorgen könne, dass dieser auch umgesetzt werde – mit einem eigenen Krematorium oder einem Neubau durch einen privaten Betreiber? Jetzt sieht es so aus, als sei endgültig ein Knopf an der Sache. Über den Friedhof wird aber trotzdem weiter gestritten, schließlich stehen noch zahlreiche Sanierungen aus.

Am Dienstag hat die Stadt dem Geschäftsführer des Krematoriums in Schwäbisch Gmünd, Daniel Preiß, die Baufreigabe für ein neues Krematorium erteilt. In den kommenden Wochen wird zunächst eine Zufahrtsstraße zu dem Gelände von der Roßbachstraße aus gebaut, im Sommer sollen dann die Bauarbeiten auf dem Gelände beginnen, das die Krematorium Schwäbisch Gmünd Gesellschaft in Erbaupacht von der Stadt übernommen hat. Im Spätsommer des kommenden Jahres soll die Anlage eröffnet werden. Die Gmünder haben die europaweite Ausschreibung auch deshalb gewonnen, weil sie einige besondere Wünsche der Stadt erfüllen.

Ein Großbetrieb für Einäscherungen ist unerwünscht

So war es vielen Stadträten besonders wichtig, dass – wie im alten Krematorium auch – ein sogenannter Etagenofen verwendet wird. Damit soll sichergestellt werden, dass sich die Asche Verstorbener nicht mal zu einem kleinen Prozentsatz vermischen kann. Bei sogenannten Flachbettöfen wird die Asche nämlich nach der Verbrennung mit einem Schieber aus dem Ofen geholt, beim Etagenofen hingegen fällt sie in eine extra Kammer unter der Hauptbrennkammer.

Außerdem haben die Betreiber zugestimmt, dass in der Stadt ein Ethikbeirat gegründet wird, dem einige Stadträte, ein Pfarrer und Vertreter des Krematoriums angehören sollen. Der Beirat soll darauf achten, dass in dem Betrieb auf Pietät und einen rücksichtsvollen Umgang mit Angehörigen geachtet wird.

Angehörigen ermöglichen die Betreiber auch bei der Kremierung dabei zu sein. „Wir haben in Schwäbisch Gmünd die Erfahrung gemacht, dass sich das viele wünschen“, berichtet Preiß. Wer möchte, kann also nicht nur bei der normalen Trauerfeier auf dem Friedhof und bei der Urnenbeisetzung einige Tage später Abschied nehmen, sondern seinen verstorbenen Verwandten auch zur Einäscherung begleiten. Im Krematorium sind Räume für Trauernde eingeplant sowie ein Saal, von dem aus man zusehen kann, wie der Sarg in den Ofen einfährt sowie eine durch eine Mauer geschützte Terrasse, auf der sich Trauernde im Freien sammeln können.

Um sicherzustellen, dass in Göppingen kein Großbetrieb entsteht, hat die Stadtverwaltung die Zahl der Einäscherungen auf maximal 2500 pro Jahr beschränkt. Eine Zahl mit der die Schwäbisch Gmünder offenbar gut leben können. Man peile einen qualitätsvollen Betrieb für Göppingen und die Umgebung an, sagt Daniel Preiß. Als Konkurrenz für das bestehende kleine Krematorium in Geislingen sieht er seinen Betrieb deshalb nicht.

Das Thema Friedhof ist allerdings noch nicht beerdigt

Der Neubau beendet zwar eine große Debatte, die die Stadträte in den vergangenen Jahren beschäftigte. Der Friedhof wird sie aber auch künftig nicht loslassen. Denn viele Stadträte fordern seit Jahren, dass die Aussegnungshalle und die Leichenhalle im historischen Friedhofsgebäude sowie die Sozialräume der Mitarbeiter saniert werden. Die Stadt hat zwar Ende des vergangenen Jahres einen Plan dafür vorgelegt, den alle Fraktionen lobten. Doch die Sanierung soll erst in fünf Jahren beginnen – zum Ärger vieler Stadträte –, weil das Bauamt mit anderen Projekten ausgelastet sei, wie die Verwaltung argumentiert.

Die SPD- und die FWG-Fraktion haben wiederholt gefordert, den Zeitplan zu überarbeiten. Ob die Proteste Erfolg haben werden, ist offen. „Wir bemühen uns, dass wir die Maßnahmen zeitnah umsetzen können“, versicherte Till am Dienstag. Doch das sei eine Frage der Kapazitäten im Bauamt, und dieses sei mit vielen Projekten ausgelastet, die vom Gemeinderat alle als wichtig eingestuft worden seien.

Der FWG-Fraktionschef Emil Frick lässt Tills Argumentation allerdings nicht gelten. Die Stadt könne die Bauplanung schließlich auch an externe Büros vergeben. Genau das habe seine Fraktion bereits Anfang Dezember gefordert, aber nie eine Antwort bekommen. Diese will Frick an diesem Donnerstag einfordern, wenn im Technischen Ausschuss über die Zugangsstraße zum Krematorium beraten wird. „Und ich hoffe, dass die anderen Fraktionen dann mitziehen.“

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