Vor 75 Jahren wurde der erste Prototyp des Unimogs gebaut, 1949 startete die Serienproduktion bei Boehringer in Göppingen. Bis heute sind die unverwüstlichen Fahrzeuge weltweit im Einsatz.
Göppingen - Es ist das Jahr 1945, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Vieles liegt darnieder. Betriebe, die für die Rüstungsindustrie gefertigt haben, dürfen nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der amerikanischen Militärregierung ihre Arbeit wieder aufnehmen – und dann nur „friedliche“ Produkte herstellen. Bei der Firma Boehringer in Göppingen sind dies auch Maschinen zum Verschließen von Konservendosen. Im Zusammenhang mit dem sogenannten Morgenthau-Plan, nach dem Deutschland zu einem reinen Agrarland entwickelt werden sollte, lag es nahe, Maschinen und Geräte für die Landwirtschaft zu produzieren.
Da kam Albert Friedrich, ehemals Leiter der Flugmotoren-Konstruktion bei Daimler-Benz, zum genau richtigen Zeitpunkt. Er hatte bereits Ende 1944 erste Entwürfe für einen ganz neuartigen Traktor angefertigt. Zunächst in Schwäbisch Gmünd arbeitete er die Pläne mit einem Team detailliert aus, baute dort bei der Firma Erhard & Söhne 1946 die ersten Prototypen und fand dann in Boehringer in Göppingen ein Unternehmen, das das „Universal-Motor-Gerät“ für die Landwirtschaft – den Unimog – ab 1949 in Serie produzieren konnte. Zunächst sollten 600 der unverwüstlichen und robusten Maschinen gebaut werden, die mit vier gleich großen Rädern und einem Allradantrieb in unzähligen Bereichen eingesetzt werden konnten. Eine Portalachse sorgte für große Bodenfreiheit, wodurch der Unimog gut für die Arbeit im Wald einsetzbar war.
Die Einsatzmöglichkeiten ließen Militärs aufhorchen
Wolfgang Maier weiß, dass eine der ersten Demonstrationen von der Vielseitigkeit des Unimogs auf dem Hofgut Staufeneck stattfand. Zu seinem 40. Geburtstag erfüllte sich der Schulungsleiter für Maschinenbauer einen Traum und kaufte sich einen Unimog, Baujahr 1965.
Der Daimler-Stern auf der Motorhaube deutet an, dass der nicht mehr an der Stuttgarter Straße produziert worden war. Denn zunächst hatte Boehringer zwar die Lizenz, 600 Exemplare zu bauen. Seine schier unendlichen Einsatzmöglichkeiten ließen indes schon nach kurzer Zeit Militärs aufmerksam werden. Die Motoren für den Unimog kamen ohnehin von Daimler, und so wurde entschieden, die gesamte Produktion und das Know-how nach Stuttgart zu verkaufen. 1951 dann war in Göppingen Schluss.
Für den Sammler ist der Unimog nicht nur ein Sonntagsfahrzeug.
Der Unimog wurde fortan in Gaggenau gefertigt. „Die ersten Modelle waren von den Göppingern nicht zu unterscheiden“, sagt Wolfgang Maier, der zu den Mitbegründern des Unimog-Museums in Gaggenau gehört und jedes Jahr mit einer kleinen Gruppe von Liebhabern der spartanisch ausgestatteten Fahrzeuge am Göppinger Maientagsumzug teilnimmt. Selbst das Emblem war beibehalten worden – ein stilisierter Ochsenkopf. Weil der Unimog nun aber in die ganze Welt exportiert wurde, galt es, ein weltweit anerkanntes Signet zu finden. Also schmückt bis heute der berühmte Stern die Fahrzeuge. Die werden nach wie vor gebaut, für die unterschiedlichen Bereiche: bei Feuerwehr und Polizei, bei der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk und in vielen kommunalen Betriebshöfen. „Nur im Wald ist er ganz verschwunden“, sagt Maier. Dort ersetzen ihn große Erntemaschinen.
Der passionierte Bastler hat zwischenzeitlich zwei Unimogs. Neben dem jüngeren Modell von 1987 wirkt der Vorgänger aus den 60er-Jahren beinahe wie ein Spielzeug. Für den Sammler ist er nicht nur ein Sonntagsfahrzeug. Wenn auf seiner Baumwiese etwas zu tun ist, leistet der Unimog wertvolle Dienste. Auf dem neueren ist ein großer Container montiert. Früher war er mit einer Bundeswehr-Funkausrüstung ausgestattet, heute dient er Wolfgang Maier und seiner Frau Brigitte als Wohnmobil.